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Olympische Sommerspiele 1912/Leichtathletik – Marathon (Männer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Sportart Leichtathletik
Disziplin Marathonlauf
Geschlecht Männer
Teilnehmer 68 Athleten aus 19 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion Stockholm
(Start und Ziel)
Wettkampfphase 14. Juli 1912
Medaillengewinner
Ken McArthur (Sudafrika 1910
 ZAF)
Christopher Gitsham (Sudafrika 1910
 ZAF)
Gaston Strobino (Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA)

Der Marathonlauf der Männer bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm wurde am 14. Juli 1912 ausgetragen. 68 Athleten nahmen daran teil, von denen nur 35 das Ziel erreichten. Die Strecke führte quer durch die schwedische Hauptstadt, Start und Ziel waren das Olympiastadion Stockholm. Die Strecke war mit 40,2 km fast 2 km kürzer als der Standard von 42,195 km.

Olympiasieger wurde der Südafrikaner Ken McArthur, der knapp eine Minute vor seinem Landsmann Christopher Gitsham das Ziel erreichte. Die Bronzemedaille gewann der US-Amerikaner Gaston Strobino.

Bestehende Rekorde

Das Rennen

Datum: 14. Juli 1912

Bei einer Temperatur von ca. 32 °C wurde das Rennen im Olympiastadion gestartet. Die Läufer liefen zunächst nach Norden Richtung Sollentuna. Dort befand sich der erstmals bei einer olympischen Marathonstrecke vorhandene Wendepunkt – siehe Foto in der Infobox. Der Finne Tatu Kolehmainen, Bruder des Olympiasiegers über 10.000 Meter sowie die beiden Südafrikaner Christopher Gitsham und Kenneth McArthur bildeten die Führungsgruppe. Dahinter befand sich eine Verfolgergruppe mit den Schweden Alexis Ahlgren, Sigfrid Jacobsson, dem Briten Frederick Lord, dem Italiener Carlo Speroni und dem Kanadier James Corkery.

Während sich Kolehmainen und Gitsham ein wenig absetzen konnten, kam es bei Kilometer 29 zu einem folgenschweren Drama. Der Portugiese Francisco Lázaro, der sich zum Schutz vor der Sonne mit Wachs eingerieben hatte, kollabierte und brach zusammen, da sein Körper nicht mehr schwitzen konnte und der Elektrolythaushalt komplett gestört wurde. Lázaro wurde in ein Krankenhaus gebracht, verstarb jedoch am nächsten Morgen. Er ist damit der erste Sportler, der durch die Folgen der Ausübung seines Wettkampfes während der Olympischen Spiele der Neuzeit verstarb.

Der Japaner Kanaguri Shisō war bei Kilometer 30 völlig erschöpft. Er sah Bewohner eines Hauses Saft trinken und bat um ein Glas. Die Bewohner baten ihn ins Haus, der Athlet wollte sich auf einer Liege kurz ausruhen und schlief ein. Erst am nächsten Morgen erwachte er. Kanaguri schämte sich und wollte zuerst nicht in seine Heimat zurückkehren, was er aber dann doch tat. 1967 kehrte er nach Stockholm zurück und nahm den Lauf genau an der Stelle, an der er angehalten hatte, wieder auf und beendete das Rennen. Er erreichte das Ziel im Olympiastadion nach 54 Jahren, 8 Monaten, 6 Tagen, 32 Minuten und 20,3 Sekunden.[1]

Kolehmainen musste bei Kilometer 35 das Rennen aufgeben. Unterdessen hatte sich McArthur an seinen Landsmann herangearbeitet. Die Verfolgergruppe war gesprengt, nur noch der Schwede Jacobsson und der US-Amerikaner Strobino konnten sich eine Minute hinter den beiden Spitzenläufern halten. Wenige Kilometer vor dem Stadion gab es eine Versorgungsstelle. Gitsham hielt an, um zu trinken, während McArthur weiterlief und schließlich mit einem komfortablen Vorsprung gewann. Obwohl die Strecke mit 40,2 km nicht der Marathonlänge von 42,195 km entsprach, wurde die Siegeszeit als neuer Olympiarekord anerkannt.

Alle Läufer, die keine Medaille gewinnen konnten und nicht mehr als 120 % der Siegeszeit (ca. 3:17 Stunden) benötigten, wurden mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet.

Ergebnis

Start des Marathonlaufes
Start des Marathonlaufes
Wendepunkt der Marathonstrecke
Wendepunkt der Marathonstrecke
Olympiasieger Ken McArthur (ZAF) beim Zieleinlauf
Olympiasieger Ken McArthur (ZAF) beim Zieleinlauf
Christopher Gitsham (ZAF), Gewinner der Silbermedaille
Christopher Gitsham (ZAF), Gewinner der Silbermedaille
Gaston Strobino (USA), Gewinner der Bronzemedaille
Gaston Strobino (USA), Gewinner der Bronzemedaille
Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Ken McArthur Sudafrika 1910
 Südafrikanische Union
2:36:54,8 h OR
2 Christopher Gitsham Sudafrika 1910
 Südafrikanische Union
2:37:52,0 h
3 Gaston Strobino Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:38:42,4 h
4 Andrew Sockalexis Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:42:07,9 h
5 James Duffy Kanada 1868
 Kanada
2:42:18,8 h
6 Sigfrid Jacobsson SchwedenSchweden Schweden 2:43:24,9 h
7 John Gallagher Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:44:19,7 h
8 Joseph Erxleben Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:45:47,2 h
9 Richard Piggott Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:46:40,7 h
10 Joseph Forshaw Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:49:49,4 h
11 Édouard Fabre Kanada 1868
 Kanada
2:50:36,2 h
12 Clarence DeMar Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:50:46,6 h
13 Renon Boussière Dritte Französische Republik
 Frankreich
2:51:06,6 h
14 Harry Green Vereinigtes Konigreich 1801
 Großbritannien
2:52:11,4 h
15 William Forsyth Kanada 1868
 Kanada
2:52:23,0 h
16 Lewis Tewanima Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:52:41,4 h
17 Harry Smith Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:52:53,8 h
18 Thomas Lilley Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2:59:35,4 h
19 Arthur Townsend Vereinigtes Konigreich 1801
 Großbritannien
3:00:05,0 h
20 Felix Kwieton Osterreich Cisleithanien
 Österreich
3:00:48,0 h
21 Frederick Lord Vereinigtes Konigreich 1801
 Großbritannien
3:01:39,2 h
22 Jacob Westberg SchwedenSchweden Schweden 3:02:05,2 h
23 Axel Simonsen NorwegenNorwegen Norwegen 3:04:59,4 h
24 Carl Andersson SchwedenSchweden Schweden 3:06:13,0 h
25 Edgar Lloyd Vereinigtes Konigreich 1801
 Großbritannien
3:09:25,0 h
26 Iraklis Sakellaropoulos Königreich Griechenland
 Griechenland
3:11:37,0 h
27 Hjalmar Dahlberg SchwedenSchweden Schweden 3:13:32,2 h
28 Ivar Lundberg SchwedenSchweden Schweden 3:16:35,2 h
29 Johannes Christensen DanemarkDänemark Dänemark 3:21:57,4 h
30 Olaf Lodal DanemarkDänemark Dänemark 3:21:57,6 h
31 Ödön Kárpáti Ungarn 1867
 Ungarn
3:25:21,6 h
32 Calle Nilsson SchwedenSchweden Schweden 3:26:56,4 h
33 Emmerich Rath Osterreich Cisleithanien
 Österreich
3:27:03,8 h
34 Otto Osen NorwegenNorwegen Norwegen 3:36:35,2 h
35 Elmar Reimann Russisches Kaiserreich 1883
 Russland
k. A.
DNF Alexis Ahlgren SchwedenSchweden Schweden
Henry Barrett Vereinigtes Konigreich 1801
 Großbritannien
James Beale Vereinigtes Konigreich 1801
 Großbritannien
Thure Bergvall SchwedenSchweden Schweden
James Corkery Kanada 1868
 Kanada
Oscar Fonbæk NorwegenNorwegen Norwegen
Septimus Francom Vereinigtes Konigreich 1801
 Großbritannien
William Grüner SchwedenSchweden Schweden
David Guttman SchwedenSchweden Schweden
Karl Hack Osterreich Cisleithanien
 Österreich
Bohumil Honzátko Böhmen
 Böhmen
Aarne Kallberg Finnland Großfurstentum 1883
 Großfürstentum Finnland
Kanaguri Shisō Japan 1870
 Japan
Andrejs Kapmals Russisches Kaiserreich 1883
 Russland
Tim Kellaway Vereinigtes Konigreich 1801
 Großbritannien
Tatu Kolehmainen Finnland Großfurstentum 1883
 Großfürstentum Finnland
Andrejs Krūkliņš Russisches Kaiserreich 1883
 Russland
Francisco Lázaro PortugalPortugal Portugal
Ivan Lönnberg SchwedenSchweden Schweden
Louis Pauteux Dritte Französische Republik
 Frankreich
Louis Pauteux Dritte Französische Republik
 Frankreich
Vladimír Penc Böhmen
 Böhmen
Stuart Poulter Australasien
 Australasien
Nikolajs Rasso Russisches Kaiserreich 1883
 Russland
John James Reynolds Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA
Henrik Ripszám Ungarn 1867
 Ungarn
Francesco Ruggero Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
Michael J. Ryan Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA
František Slavík Böhmen
 Böhmen
Carlo Speroni Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
Arthur St. Norman Sudafrika 1910
 Südafrikanische Union
Dragutin Tomašević Serbien Konigreich 1882
 Serbien
Gustaf Törnros SchwedenSchweden Schweden
Aleksandrs Upmals Russisches Kaiserreich 1883
 Russland

Bildergalerie

  • Sigfrid Jacobsson (SWE) wird Sechster
    Sigfrid Jacobsson (SWE) wird Sechster
  • Joseph Forshaw (USA) erreicht Platz 10
    Joseph Forshaw (USA) erreicht Platz 10
  • Der Kanadier Édouard Fabre kommt auf Platz 11 ins Ziel
    Der Kanadier Édouard Fabre kommt auf Platz 11 ins Ziel
  • Platz 12 für Clarence DeMar (USA)
    Platz 12 für Clarence DeMar (USA)
  • Lewis Tewanima (USA) wird Sechzehnter
    Lewis Tewanima (USA) wird Sechzehnter
  • Emmerich Rath (AUT) erreicht Platz 33
    Emmerich Rath (AUT) erreicht Platz 33
  • Der Japaner Kanaguri Shisō verschlief das Rennen und beendete es erst 54 Jahre später.
    Der Japaner Kanaguri Shisō verschlief das Rennen und beendete es erst 54 Jahre später.
  • Gedenkplakette für Kanaguri Shisō an der Stelle, an der das Haus stand (heute befindet sich dort eine Schule)
    Gedenkplakette für Kanaguri Shisō an der Stelle, an der das Haus stand (heute befindet sich dort eine Schule)
  • Der Portugiese Francisco Lázaro brach zusammen und verstarb am nächsten Morgen
    Der Portugiese Francisco Lázaro brach zusammen und verstarb am nächsten Morgen
  • Ivan Lönnberg (SWE), auch als Maler bekannt, musste das Rennen aufgeben
    Ivan Lönnberg (SWE), auch als Maler bekannt, musste das Rennen aufgeben
  • John James Reynolds (USA) gab auf
    John James Reynolds (USA) gab auf
  • Musste ebenfalls aufgeben: Carlo Speroni (ITA)
    Musste ebenfalls aufgeben: Carlo Speroni (ITA)

Literatur

  • Ekkehard zur Megede, Die Geschichte der olympischen Leichtathletik, Band 1: 1896–1936, Verlag Bartels & Wernitz KG, Berlin, 2. Auflage 1970, S. 110–112

Video

[abgerufen am 26. August 2017 Olympics 1912 Marathon], veröffentlicht am 29. Juli 2012 auf youtube.com, abgerufen am 26. August 2017

Einzelnachweise

  1. Bericht der "Zwischenzeit" der Laufsportfreunde Münster (PDF-Datei, Ausgabe 46, Seite 14)
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Olympische Sommerspiele 1912/Leichtathletik – Marathon (Männer)
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