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Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – Marathon (Männer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Sportart Leichtathletik
Disziplin Marathonlauf
Geschlecht Männer
Teilnehmer 74 Athleten aus 39 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion (Start/Ziel), Münchner Freiheit, Georg-Brauchle-Ring, Schlosspark Nymphenburg, Hirschgarten, Englischer Garten, Olympiapark
Wettkampfphase 10. September 1972
Siegerzeit 2:12:19,8 h
Medaillengewinner
Frank Shorter (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA)
Karel Lismont (BelgienBelgien BEL)
Mamo Wolde (Athiopien 1941
 ETH)

Der Marathonlauf der Männer bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 10. September 1972 ausgetragen. Start und Ziel war das Olympiastadion München. 74 Athleten nahmen teil, von denen 62 das Ziel erreichten.

Olympiasieger wurde der in München geborene US-Amerikaner Frank Shorter. Silber gewann der Belgier Karel Lismont, Bronze ging an den Äthiopier Mamo Wolde.

Für die Bundesrepublik Deutschland – offiziell Deutschland – traten an: Paul Angenvoorth (Platz 16), Manfred Steffny (Platz 31) und Lutz Philipp (Platz 32).
Die DDR wurde durch Eckhard Lesse (Platz 25) vertreten.
Mit Alfons Sidler erreichte ein Schweizer als 44. das Ziel.
Läufer aus Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Bestehende Rekorde

Weltbestleistung 2:08:33,6 h Derek Clayton (AustralienAustralien Australien) Antwerpen, Belgien 30. Mai 1969[1]
Olympischer Rekord 2:12:11,2 h Abebe Bikila (Athiopien 1941
 Äthiopien)
Olympischer Marathon von Tokio, Japan 21. Oktober 1964

Anmerkung: Weltrekorde wurden im Marathonlauf wegen der unterschiedlichen Streckenbeschaffenheiten nicht geführt.

Streckenführung

Das Rennen wurde im Olympiastadion gestartet. Nach einer Laufrunde wendete sich die Route in den Bereich der Stadt München, zunächst in Richtung Norden vorbei am olympischen Dorf und bog dann nach Westen ab. Nach vier Kilometern ging es über die Hanauer Straße Richtung Süden, dann über den Georg-Brauchle-Ring wieder nach Westen. Der Streckenverlauf passierte den Westfriedhof über den Wintrichring an der Nord- und Westseite. Nach etwas mehr als sechs Kilometern machte der Weg einen Rechtsbogen hinein in die Allacher Straße. Die Strecke führte nun drei Kilometer lang westwärts bis zum heutigen S-Bahn-Haltepunkt Untermenzing. Hier ging es nach links in südöstlicher Richtung zum Schlosspark Nymphenburg, weiter südwärts durch den Park. An der Großen Kaskade wurde der Nymphenburger Kanal gequert. Dann ging es nach Osten, südlich vorbei am Badenburger See, anschließend nordöstlich vorbei am Schloss Nymphenburg wieder über den Wintrichring bis zur Südwestecke des Westfriedhofes, der nun südlich passiert wurde. Im Stadtteil Gern gab es erneut einen Rechtsbogen auf die Dantestraße. Über die Waisenhausstraße wurde das östliche Ende des Nymphenburger Kanals erreicht. Hier wandte sich der Weg wieder nach Westen, südlich am Kanal entlang. Am Rondell führte die Route nach Süden bis zum königlichen Hirschgarten, der in östlicher Richtung durchquert wurde. Über die Wendl-Dietrich-Straße, die Donnersbergerstraße sowie die Arnulfstraße wurde der Münchener Hauptbahnhof in nördlicher Richtung passiert. Auf der Brienner Straße wurde der Stadtbezirk Maxvorstadt erreicht. Nun ging es vorbei an der Glyptothek, dem Königsplatz und dem Karolinenplatz. Am Odeonsplatz bog die Strecke nach links in die Ludwigstraße ein bis zum Geschwister-Scholl-Platz. Dort ging es dann vor der Ludwig-Maximilians-Universität nach rechts über die Veterinärstraße zum Englischen Garten, an dem entlang der Weg zunächst nach Süden führte, dann am Schwabinger Bach hinein in den Park. Nordostwärts verlief die Strecke nun vorbei am Japanischen Teehaus, dem Chinesischen Turm und dem Seehaus. Nach Überquerung des Isarringes ging es am Eisbach entlang zur Isar bis auf Höhe des Oberföhringer Stauwehres, von wo aus der Verlauf sich weiter nach Norden richtete. Kurz vor der Wirtschaft Aumeister am Nordende des Parks gab es einen Linksbogen, dem Schwabinger Bach folgend nach Süden. Über die Schwedenstraße wurde der Park nach Westen verlassen. Nach einer weiteren Überquerung des Isarringes ging es wieder nach Süden bis zur Dietlindenstraße, die nach rechts abbog. Die Route folgte weiter dem Straßenverlauf DietlindenstraßeUngerstraßeLeopoldstraßeMünchner FreiheitKarl-Theodor-Straße, südlich vorbei am Luitpoldpark. Über die Ackermannstraße wurde der Olympiapark erreicht. Nach Querung des Olympiasees ging es zurück ins Stadion, wo nach einer Schlussrunde das Ziel erreicht wurde.

Die Strecke wies eine Höhendifferenz von 31 Metern auf. Der höchste Punkt mit 529 Metern wurde kurz nach Kilometer 25 auf Höhe des Alten Pappenheimkrankenhauses erreicht. Der tiefste Punkt mit 489 Metern lag bei Kilometer 36 südlich des Wirtshauses Aumeister.[2]

Rennverlauf

Datum: 10. September 1972, 15.00 Uhr[3]

In der Anfangsphase übernahm der Brite Ronald Hill die Führung und wurde bis zum Kilometer zehn vom Australier Derek Clayton abgelöst. Der US-Läufer Frank Shorter ging bei Kilometer fünfzehn an die Spitze und war dann schnell alleine vorn. Bis zum Schluss dieses Marathonlaufs gab Shorter seine Führungsposition nicht mehr ab. Bei Kilometer zwanzig hatte er 29 Sekunden, bei Kilometer 25 schon 53 Sekunden Vorsprung. Das Tempo konnte er dabei gleichmäßig hochhalten und war bis Kilometer 35 auf Kurs für einen neuen olympischen Rekord. Shorter gewann schließlich mit über zwei Minuten Vorsprung auf den Belgier Karel Lismont, für den es die Silbermedaille gab. Eine weitere halbe Minute hinter Lismont erreichte der Olympiasieger von 1968 Mamo Wolde aus Äthiopien das Ziel und gewann diesmal Bronze. Auf den letzten Kilometern wurde Shorter im Gefühl des sicheren Sieges etwas langsamer und verpasste den Olympiarekord schließlich nur um knapp neun Sekunden.

Shorter war allerdings nicht der erste Läufer, der ins Olympiastadion einlief. Unter dem Jubel von 80.000 Zuschauern erschien dort ein junger Deutscher, der 16-jährige Oberschüler Norbert Südhaus aus Wiedenbrück. Er war Teilnehmer eines Jugendlagers bei den Olympischen Spielen, malte sich die Nummer 72 auf sein Lauftrikot, konnte sich als Läufer gekleidet auf die Strecke schmuggeln und ungehindert das Stadion betreten. Das Publikum feierte ihn statt des eigentlichen Siegers mit großen Jubel. Die Täuschung wurde jedoch schnell entdeckt, der Jugendliche von der Bahn geholt, ohne die Ziellinie zu überschreiten.[4] Er hatte vorher angekündigt: ich werde eine Runde im Olympiastadion laufen. Als Motiv gab er später an, die traurige Stimmung, die sich nach der Geiselnahme von München fünf Tage zuvor breitgemacht hätte, habe ihn zu seiner Aktion veranlasst. Südhaus wurde vorläufig festgenommen und zu Willi Daume gebracht, der ihn mit dem Satz Sie sind ein dummer Junge, Sie wissen gar nicht, was sie uns heute angetan haben begrüßte und dafür sorgte, dass der junge Mann nach Hause geschickt wurde.[5] Shorter, der bei seiner Ankunft eigentlich Applaus und Jubel erwartet hatte, wunderte sich über den Aufruhr im Stadion und hatte später Mühe, seine Enttäuschung über den Vorfall zu verarbeiten. Südhaus schrieb ihm später einen Entschuldigungsbrief, der aber unbeantwortet blieb.[6]

Richard Mabuza – Platz 17 – war der erste Leichtathlet aus Swasiland, der an Olympischen Spielen teilnahm.

Kim Chang-son – Platz 37 – und Ryu Man-Hyong – Platz 49 – waren die ersten Leichtathleten, die für Nordkorea bei Olympischen Spielen dabei waren.

Zwischenzeiten
Zwischenzeit-
Marke
Zwischenzeit Führende(r) 5-km-Zeit
5 km 15:06 min Ronald Hill 15:06 min
10 km 31:15 min Derek Clayton 16:09 min
15 km 46:21 min Frank Shorter 15:06 min
20 km 1:01:30 h Frank Shorter 15:09 min
25 km 1:17:05 h Frank Shorter 15:35 min
30 km 1:32:49 h Frank Shorter 15:44 min
35 km 1:48:40 h Frank Shorter 15:51 min
40 km 2:05:31 h Frank Shorter 16:51 min

Endergebnis

Platz Name Nation Zeit Anm.
1 Frank Shorter Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 2:12:19,8 h
2 Karel Lismont BelgienBelgien Belgien 2:14:31,8 h
3 Mamo Wolde Athiopien 1941
 Äthiopien
2:15:08,4 h
4 Kenny Moore Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 2:15:39,8 h
5 Kenji Kimihara Japan 1870
 Japan
2:16:27,0 h
6 Ron Hill Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien 2:16:30,6 h
7 Donald Macgregor Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien 2:16:34,4 h
8 Jack Foster NeuseelandNeuseeland Neuseeland 2:16:56,2 h
9 Jack Bacheler Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 2:16:56,2 h
10 Lengissa Bedane Athiopien 1941
 Äthiopien
2:18:36,8 h
11 Seppo Nikkari FinnlandFinnland Finnland 2:18:49,4 h
12 Akio Usami Japan 1870
 Japan
2:18:58,0 h
13 Derek Clayton AustralienAustralien Australien 2:19:49,6 h
14 Juri Welikorodnych Sowjetunion 1955
 Sowjetunion
2:20:02,2 h
15 Anatolijus Baranovas Sowjetunion 1955
 Sowjetunion
2:20:10,4 h
16 Paul Angenvoorth Deutschland BR
 BR Deutschland
2:20:19,0 h
17 Richard Mabuza EswatiniEswatini Swasiland 2:20:39,6 h
18 Demissie Wolde Athiopien 1941
 Äthiopien
2:20:44,0 h
19 Reino Paukkonen FinnlandFinnland Finnland 2:21:06,4 h
20 Colin Kirkham Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien 2:21:54,8 h
21 Antonio Brutti ItalienItalien Italien 2:22:12,0 h
22 Dave McKenzie NeuseelandNeuseeland Neuseeland 2:22:19,2 h
23 Danny McDaid IrlandIrland Irland 2:22:25,2 h
24 Renato Martini ItalienItalien Italien 2:22:41,4 h
25 Eckhard Lesse Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 2:22:49,6 h
26 Jacinto Sabinal MexikoMexiko Mexiko 2:22:56,6 h
27 Gyula Tóth Ungarn 1957
 Ungarn
2:22:59,8 h
28 Fernand Kolbeck FrankreichFrankreich Frankreich 2:23:01,2 h
29 Hernán Barreneche KolumbienKolumbien Kolumbien 2:23:40,0 h
30 Jørgen Jensen DanemarkDänemark Dänemark 2:24:00,2 h
31 Manfred Steffny Deutschland BR
 BR Deutschland
2:24:25,4 h
32 Lutz Philipp Deutschland BR
 BR Deutschland
2:24:25,4 h
33 Ferenc Szekeres Ungarn 1957
 Ungarn
2:25:17,6 h
34 Terry Manners NeuseelandNeuseeland Neuseeland 2:25:29,2 h
35 Igor Schtscherbak Sowjetunion 1955
 Sowjetunion
2:25:37,4 h
36 Yoshiaki Unetani Japan 1870
 Japan
2:25:59,0 h
37 Kim Chang-son Korea NordNordkorea Nordkorea 2:26:45,6 h
38 Franco De Menego ItalienItalien Italien 2:26:52,2 h
39 Agustín Fernández Spanien 1945
 Spanien
2:27:14,2 h
40 Edward Stawiarz Polen 1944
 Polen
2:28:12,4 h
41 Armando Aldegalega PortugalPortugal Portugal 2:28:24,6 h
42 Desmond McGann IrlandIrland Irland 2:28:31,6 h
43 Carlos Cuque GuatemalaGuatemala Guatemala 2:28:37,0 h
44 Alfons Sidler SchweizSchweiz Schweiz 2:29:09,2 h
45 Alfredo Peñaloza MexikoMexiko Mexiko 2:29:51,0 h
46 Walter Van Renterghem BelgienBelgien Belgien 2:29:58,4 h
47 Donald Walsh IrlandIrland Irland 2:31:12,0 h
48 Álvara Mejía KolumbienKolumbien Kolumbien 2:31:56,4 h
49 Ryu Man-hyong Korea NordNordkorea Nordkorea 2:32:29,4 h
50 Carlos Pérez Spanien 1945
 Spanien
2:33:22,6 h
51 Rafael Tadeo MexikoMexiko Mexiko 2:35:48,4 h
52 Víctor Mora KolumbienKolumbien Kolumbien 2:37:34,6 h
53 Fernando Molina ArgentinienArgentinien Argentinien 2:38:18,6 h
54 Julio Quevedo GuatemalaGuatemala Guatemala 2:40:38,6 h
55 Ramón Cabrera ArgentinienArgentinien Argentinien 2:32:37,2 h
56 Matthews Kambale Malawi 1964
 Malawi
2:45:50,0 h
57 Hla Thein Birma 1948
 Birma
2:48:53,2 h
58 Ricardo Condori BolivienBolivien Bolivien 2:56:11,4 h
59 Fulgence Rwabu UgandaUganda Uganda 2:57:04,4 h
60 Bhakta Bahadur Sapkota NepalNepal Nepal 2:57:58,8 h
61 Crispin Quispe BolivienBolivien Bolivien 3:07:22,8 h
62 Maurice Charlotin Haiti 1964
 Haiti
3:29:21,0 h
DNF Richard Juma Kenia
 Kenia
Aufgabe bei km 10
Jit Bahadur Khatri Chhetri NepalNepal Nepal Aufgabe bei km 20
Gaston Roelants BelgienBelgien Belgien
Lucien Rosa Ceylon
 Ceylon
Julius Wakachu TansaniaTansania Tansania
İsmail Akçay TurkeiTürkei Türkei Aufgabe bei km 25
Jama Awil Aden SomaliaSomalia Somalia
Shag Musa Medani SudanSudan Sudan Aufgabe bei km 30
Juvenal Rocha BolivienBolivien Bolivien
Rodolfo Gómez NicaraguaNicaragua Nicaragua Aufgabe bei km 35
Pekka Tiihonen FinnlandFinnland Finnland
Nazario Araújo ArgentinienArgentinien Argentinien Aufgabe bei km 40

Literatur

Video

Einzelnachweise

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 565 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive), abgerufen am 22. November 2017
  2. Kursskizze bei gpsies.com, abgerufen am 22. November 2017
  3. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions" (Memento des Originals vom 27. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.la84foundation.org, S. 43 und 55, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 22. November 2017
  4. David Clay Large: Munich 1972: Tragedy, Terror, and Triumph at the Olympic Games eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Pfalzsport, Ausgabe 09, September 2012, Seite 19
  6. Artikel bei Marathoninfo (frz.), abgerufen am 22. November 2017
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Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – Marathon (Männer)
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