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Benutzer:Gnom/Blog

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

21. Juni 2020: Die 25. Mitgliederversammlung.

Hier mein heutiger Bericht auf der 25. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland. Die ausführliche schriftliche Version sowie der Bericht des geschäftsführenden Vorstands findet sich im Vereinswiki. Außerdem gibt es schon einen kurzen Bericht im Vereinsblog.

„Liebe Mitglieder, wie schon erwähnt wird das Präsidium von der Mitgliederversammlung gewählt und hat die Aufgabe, die strategische Ausrichtung des Vereins festzulegen und die Arbeit des geschäftsführenden Vorstands zu beaufsichtigen. Im Bericht des Präsidiums geht es jetzt also darum, wie wir diese beiden Aufgaben erfüllt haben, bevor dann im Anschluss der Jahresbericht des geschäftsführenden Vorstands für 2019 folgt. Mein Bericht bezieht sich auf den Zeitraum seit unserer Wahl im Dezember 2018, wobei ich auf der Mitgliederversammlung im Juni 2019 schon einmal berichtet hatte.

Strategie

Das heute aus dem Amt geschiedene Präsidium mit dem geschäftsführenden Vorstand (auf der Strategieklausur im September 2019).
Das heute aus dem Amt geschiedene Präsidium mit dem geschäftsführenden Vorstand (auf der Strategieklausur im September 2019).

Im Bereich der Strategie möchte ich vier Punkte hervorheben:

  1. Die Mitgliederversammlung hat 2018 neue Strategien für die inhaltliche Arbeit des Vereins beschlossen. Diese Strategien sind wichtig, denn sie geben uns Klarheit, was wir langfristig als Verein für Freies Wissen erreichen wollen. Mit dem Vorstand haben wir analysiert, wie die Umsetzung der Strategien läuft und haben drei Änderungen beschlossen, mit denen wir unsere Vereinsziele wirkungsvoller erreichen wollen: Im Handlungsfeld „Technologie“ möchten wir uns auf die Themen „Aufbau des Wikibase-Ökosystems“ und „Weiterentwicklung der Wikidata-Plattform“ fokussieren. Die Integration von Wikidata mit den Schwesterprojekten wie Wikipedia wird zukünftig schwerpunktmäßig nicht durch den Verein, sondern durch die Wikimedia Foundation als Betreiberin dieser Projekte vorangetrieben. Die Zusammenarbeit des Vereins mit Wissensinstitutionen im Handlungsfeld „Rahmenbedingungen“ haben wir unter dem Titel „Institutionelle Arbeitspraxis“ definiert. Diese neue Strategie ersetzt die bisherige Strategie „Digital Literacies“, weil wir die weiteren Chancen hinsichtlich der geplanten Gründung einer partnerschaftlichen Initiative als zu gering bewerten mussten.
  2. Wir haben den Vorstand beauftragt, bis Herbst 2020 eine strukturierte Evaluation der Strategie im Bereich „Gewinnung neuer Ehrenamtlicher für die Wikimedia-Projekte“ vorzubereiten.  Diese Strategie ist zentral, denn ohne die Arbeit tausender ehrenamtlicher Autorinnen und Autoren können die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte nicht existieren. Daher ist wichtig, dass wir der Frage nachgehen, wie gut unsere bisherigen Ansätze funktioniert haben (oder nicht) und ob und wie wir die Strategie anpassen müssen.
  3. Drittens haben wir uns über den nationalen Tellerrand hinaus an der Ausarbeitung der neuen Strategie für die internationale Wikimedia-Bewegung beteiligt. Hier geht es um die Frage, wie alle Wikimedia-Organisationen und die ehrenamtlichen Communitys weltweit eine starke Infrastruktur für Freies Wissen aufbauen können: Wir wollen, dass mehr Menschen weltweit Zugang zu Wissen haben und in ihrer ganzen Vielfalt auch selbst bei Wikimedia mitmachen können. Als Präsidium haben wir uns in die weltweite Diskussion eingebracht. Seit Mai gibt es ein Ergebnis und wir sind dazu aufgerufen, zehn “strategische Empfehlungen“ in die Praxis umzusetzen: Dabei geht es unter anderem darum, Entscheidungsstrukturen gerechter aus­zugestalten, die Community professioneller zu unterstützen und mehr Innovationen im Bereich des Freien Wis­sens zu fördern. Diese Themen werden die Amtszeit des heute zu wählenden Präsidiums maßgeblich bestimmen, ich komme darauf zum Schluss noch einmal zurück.
  4. Bei den Strategien geht es um die Frage “was wollen wir erreichen”. Ebenso wichtig ist die Frage, wofür wir als Wikimedia Deutschland stehen und auf welche Werte wir unser Handeln stützen. Mit dieser Frage haben wir uns in der Amtszeit wiederholt auseinandergesetzt, beispielsweise im Umgang mit politischen Parteien oder in der Entwicklung einer neuen Strategie für die Großspenden-Werbung. Dabei haben wir festgestellt, dass uns ein dokumentiertes  „Wertesystem“ des Vereins fehlt und haben den geschäftsführenden Vorstand beauftragt, mit einem weiterführenden Dialog hier noch mehr Klarheit zu schaffen. Dieser Wertedialog wird dazu beitragen, dass wir als Wikimedia Deutschland nach innen und außen künftig noch klarer Haltung beziehen können.

Aufsicht

Das heute aus dem Amt geschiedene Präsidium mit dem geschäftsführenden Vorstand (bei einer Videokonferenz im Mai 2020).
Das heute aus dem Amt geschiedene Präsidium mit dem geschäftsführenden Vorstand (bei einer Videokonferenz im Mai 2020).

Jetzt zu dem zweiten Aufgabenbereich, der Aufsicht: Als Aufsichtsgremium kontrollieren wir die Arbeit des Vorstands, sowohl was die Umsetzung der Strategien angeht, als auch die Geschäftsführung. Diese Aufsichtsarbeit ist intensiv: In den eineinhalb Jahren haben wir 15 Monats- und fünf Quartalsberichte des Vorstands entgegengenommen und auf gemeinsamen Terminen diskutiert. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir unsere üblichen Präsenztermine in den letzten Monaten online durchführen, was herausfordernd war, aber erstaunlich gut funktioniert hat. Auch hier möchte ich vier Punkte hervorheben:

  1. In unserer Amtszeit haben wir uns schwerpunktmäßig mit dem Thema „Compliance“ auseinandergesetzt, also der Einhaltung allgemeiner gesetzlicher Regeln im Verein wie zum Beispiel die Vorgaben des Gemeinnützigkeitsrechts, des Datenschutzes oder die korrekte Buchführung. Mit einer eigenen Arbeitsgruppe haben wir die Geschäftsstelle dabei begleitet, das schon bestehende Compliance-System weiter zu professionalisieren.
  2. Zweitens haben wir in Bezug auf die Außenkommunikation des Vereins die Rolle des Präsidiums weiter geklärt und das interne Berichtswesen des Vorstands in diesem Bereich überarbeitet. Aktuell werden beispielsweise in der Geschäftsstelle Kernbotschaften entwickelt, mit denen Wikimedia Deutschland nach außen noch klarer kommunizieren wird.
  3. Drittens konnten wir uns im vergangenen Herbst mit Abraham Taherivand auf eine Verlängerung seiner Anstellung als geschäftsführender Vorstand bis Anfang 2022 einigen, was uns sehr freut. Denn es gibt wenig, das für den Erfolg der Organisation so wichtig ist, wie Kompetenz und Kontinuität auf der Vorstandsposition. Auf der Grundlage unserer Beratungen zum inhaltlichen und finanziellen Jahresabschluss 2019 empfehlen wir deshalb auch, den Vorstand zu entlasten.
  4. Ein Präsidium kann nur erfolgreich Aufsicht führen, wenn es stark besetzt ist und eine Vielfalt an Perspektiven vereint. Entsprechend habt ihr uns als Mitglieder bei der letzten Wahl ganz deutlich darum gebeten, für mehr Vielfalt im Präsidium zu sorgen. Denn 2018 kandidierte nur eine einzige Frau. Wir haben in unserer Amtszeit einen Schwerpunkt darauf gelegt, die Geschlechter-Diversität im Präsidium zu verbessern. Nach unserer Wahl haben wir die zwei zusätzlichen Präsidiumsplätze der Kooptation zum ersten Mal nur für Frauen ausgeschrieben. Danach haben wir eine Arbeitsgruppe Diversität gegründet, die viele Vorschläge für mehr Geschlechter-Diversität ausgearbeitet und umgesetzt hat. Beispielsweise haben wir den Zeitaufwand im Ehrenamt reduziert und den Kandidaturaufruf für die Wahlen inklusiver gestaltet. Wir haben stärker aktiv nach Kandidatinnen gesucht und einen Antrag zur Mitgliederversammlung heute eingereicht, um ein Mindestmaß an Diversität verbindlich abzusichern. Auch hier ist die Arbeit nicht zu Ende, sondern wird sicherlich über die Amtszeit hinaus weitergehen. Und auch wenn es im ersten Schritt um Geschlechter-Diversität ging, hat die Arbeitsgruppe viele Schritte eingeleitet und Prozesse angestoßen, die weiter zielen und eine breitere Diversität unterstützen.

Ausblick

Das heute neu gewählte Präsidium auf seiner konstituierenden Sitzung (nicht im Bild: Christina Dinar).
Das heute neu gewählte Präsidium auf seiner konstituierenden Sitzung (nicht im Bild: Christina Dinar).

Zum Schluss möchte ich noch einen kurzen Ausblick darauf geben, was den Verein aus unserer Sicht in der nächsten Zeit noch beschäftigen wird.

Die größte Herausforderung für das heute zu wählende Präsidium wird die bereits erwähnte Umsetzungsphase des internationalen Strategieprozesses sein. Wir hoffen, dass wir hier unsere Zusammenarbeit mit anderen Wikimedia-Organisationen auf europäischer Ebene intensivieren und einen noch stärkeren Fokus auf technische Innovationen im Bereich des Freien Wissens legen können. Wikidata wird hierbei sicherlich eine noch größere Rolle spielen als bisher. Bei der Arbeit mit der ehrenamtlichen Wikipedia-Community sollte der Verein mehr Unterstützung in den Bereichen Selbst­or­ganisation und Kon­fliktlösung bieten sowie technischer Hürden abbauen, um die Nachhaltigkeit der Wikimedia-Projekte zu sichern. In finanzieller Hinsicht wird es wahrscheinlich eine Verschiebung von Ressourcen hin zu bislang weniger in den Wikimedia-Projekten vertretenen Communitys geben. Gleichzeitig sehen wir unsere bestehenden Bemühungen um die langfristige finanzielle Stabilität von Wikimedia Deutschland bestätigt.

Und dann hatte ich auf der letzten Mitgliederversammlung vor genau einem Jahr angekündigt, dass wir heute über ein weiteres wichtiges Thema sprechen würden, nämlich über den Namen unseres Vereins. Denn vor anderthalb Jahren hat die Wikimedia Foundation begonnen,  nach einer besser verständlichen Bezeichnung zu suchen, was auch die von unserem Verein genutzte Marke „Wikimedia“ betrifft. Leider hat sich dieser Prozess deutlich verzögert, so dass wir heute immer nicht darüber sprechen können, wie wir uns als Verein bei dieser Frage entscheiden wollen. Aber immerhin gibt es jetzt seit wenigen Tagen erste konkrete Vorschläge, zu denen der Vorstand mit dem heute neu gewählten Präsidium und parallel die Mitglieder der ehrenamtlichen Communitys Rückmeldungen abgeben werden. Wir gehen davon aus, dass Anfang 2021 ein konkreter Vorschlag vorliegt, der dann der nächsten Mitgliederversammlung zur Entscheidung vorgelegt werden kann. Heißen wir weiterhin Wikimedia oder soll es für die Wikimedia-Organisationen weltweit einen neuen Namen geben? Diese Frage verspricht noch spannende Diskussionen und weil es sich bei uns um eine Satzungsänderung handelt, muss hier die Mitgliederversammlung mit Zweidrittelmehrheit entscheiden. Insgesamt steht Wikimedia Deutschland derzeit finanziell sehr solide da. In inhaltlicher Hinsicht ist besonders die weitere Entwicklung der freien Wissensdatenbank Wikidata erfreulich und die Entscheidung, als Verein auch am politischen Geschehen in Deutschland und in der EU mitzuwirken, hat sich als wichtig und richtig herausgestellt. Die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen entwickelt sich gut, auch wenn wir den Schlüssel zur Umkehrung des nach wie vor negativen Trends bei der Zahl aktiver Freiwilliger nicht finden konnten.“

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7. Mai 2020: Zusammenarbeit.

Obligatorisches Videokonferenz-Gruppenbild des Präsidiums.
Obligatorisches Videokonferenz-Gruppenbild des Präsidiums.

Mal wieder nur ein kurzer Hinweis: Auf der Website des Vereins gibt es Interviews über die Arbeit im Präsidium mit Sabria, Helene, Johanna (2018 ausgeschieden, aber dem Verein weiterhin verbunden) und mir zu lesen. Wenn ihr Fragen dazu habt – oder vielleicht bei den anstehenden Wahlen von Präsidium und Kassenprüfenden kandidieren möchtet – freue ich mich über eine Nachricht.

Die nächste Mitgliederversammlung findet nach Prüfung und Abwägung des Für und Wider übrigens am Sonntag, den 21. Juni erstmals als reine Online-Veranstaltung statt und wir sind sehr gespannt, wie sich das anfühlen wird. Es gibt schon eine vorläufige Tagesordnung und man kann sich auch schon anmelden, nähere Informationen insbesondere zum technischen Ablauf folgen aber erst noch. Dieses Wochenende tagt das Präsidium bereits zum zweiten Mal virtuell, was angesichts der vollen Tagesordnung sicher eine Herausforderung wird.

Zum Schuss: Lange habe ich hier im Blog nicht mehr meine neuen Artikel vorgestellt und freue mich um so mehr über einen kritischen Blick auf Bestuhlung, Internationale Kulturbeziehungen, Sextortion, Leslie Suganandarajah, Harish Shankar, Christian Kunert (Musiker, 1983) und Short Ride in a Fast Machine.

Nachtrag: Sowohl im Kurier als auch im Blog von Wikimedia Deutschland haben Abraham und ich einen Beitrag über die heute veröffentlichten Empfehlungen zur Umsetzung der internationalen Wikimedia-Strategie veröffentlicht.

Kommentare  
Es freut mich tatsächlich sehr, dass die neue Strategie die Communities und die Menschen stärker in den Blick nimmt. Ich hoffe, das wird auch auf WMDE "durchschlagen". Was die Wikipedia so besonders macht, ist in meinen Augen nämlich weit vor allem anderen das erstaunliche und dauerhafte Zusammenwirken so vieler Menschen. LG--poupou review? 07:52, 13. Mai 2020 (CEST)
Definitiv, poupou! Ich freue mich über jede Idee und Mithilfe bei der Umsetzung. Gruß, --Gnom (Diskussion) Wikipedia grün machen! 22:53, 13. Mai 2020 (CEST)

10. Februar 2020: Strategische Ratschläge.

Endlich will ich auch mal wieder hier bloggen und habe auch einen guten Anlass dazu: Die Entwürfe für die Empfehlungen zur Umsetzung der strategischen Ausrichtung stehen zur Diskussion!

Der Prozess

Ausgehend von der Ende 2017 beschlossenen strategischen Ausrichtung „Dienst und Gerechtigkeit“, nach der Wikimedia bis 2030 „das Fundament im Ökosystem des Freien Wissens” werden soll, läuft seit Mitte 2018 ein Prozess, um zu formulieren, was das konkret bedeutet und welche strukturellen Veränderungen dafür notwendig sind.

„Meine“ Strategie-Arbeitsgruppe zum Thema Rollen und Verantwortlichkeiten auf dem Wikimedia Summit in Berlin Anfang 2019.
„Meine“ Strategie-Arbeitsgruppe zum Thema Rollen und Verantwortlichkeiten auf dem Wikimedia Summit in Berlin Anfang 2019.

Dazu wurden unter der Leitung von Nicole Ebber und ihrem Team neun Arbeitsgruppen gegründet, die sich mit einzelnen Aspekten dieser Fragestellung beschäftigt haben und die aus den Communitys und den verschiedenen Wikimedia-Organisationen und -Gruppen besetzt waren. Aus der deutschsprachigen Community und von Wikimedia Deutschland beziehungsweise Österreich waren in den Arbeitsgruppen Lyzzy und Anna Mazgal (Arbeitsgruppe „Vernetzung und Lobbyarbeit“), Nicola Zeuner („Aufbau von Kapazitäten“), JEissfeldt und Braveheart („Gesundheit der Community“), Franziska Heine („Produkt und Technologie“), Christian Humborg („Ressourcenverteilung“), Claudia Garád und ich (“Rollen und Verantwortlichkeiten”) vertreten. (Abraham Taherivand und Peter Dewald (WMDE-Präsidium) hatten ihre Beteiligung aus Zeitmangel abgegeben.) Außerdem gab es die Arbeitsgruppen „Diversität“, „Partnerschaften“ und „Einnahmequellen“.

Nach viel Lektüre, Besprechungen, Konsultationen und Schreibwerkstätten stellten die Arbeitsgruppen die Entwürfe ihrer Empfehlungen schließlich auf der Wikimania 2019 und online vor. Anschließend wurde ein Schreib-Team beauftragt, aus den einzelnen Dokumenten eine einheitliche Fassung zu erstellen. Dieser Entwurf mit insgesamt 13 Empfehlungs-Bündeln ist jetzt seit einigen Tagen online. Wenn man das Dokument liest, merkt man, welche Mühe dahinter steckt, möglichst viele Ideen aufzunehmen und zu konsolidieren. Gekürzt wurde dabei noch nicht – aus meiner Sicht ist das aber nötig, denn dem Entwurf fehlt noch sprachliche Klarheit und inhaltliche Präzision.

Der Entwurf

Wie muss Wikimedia aussehen, um das „Fundament im Ökosystem des Freien Wissens“ zu sein?
Wie muss Wikimedia aussehen, um das „Fundament im Ökosystem des Freien Wissens“ zu sein?

Ziko hatte die Diskussion innerhalb der deutschsprachigen Community mit seinem Blick auf den Entwurf eröffnet. Beim Lesen seines Beitrags fiel mir alte Regel „der Text ist klüger als sein Autor” ein: Zum Beispiel hatte Ziko ein deutliches Bekenntnis zu mehr Zentralisierung wahrgenommen. Dabei hatte sich insbesondere meine Arbeitsgruppe genau das Gegenteil auf die Fahnen geschrieben, weshalb der (übrigens von mir in den Prozess eingebrachte) Begriff der Subsidiarität einer der Werte ist, die den einzelnen Empfehlungen vorangestellt sind. Danach sollen Entscheidungen „wann immer möglich, auf der direktesten oder lokalsten Ebene getroffen werden, um einen Kontext für die Entscheidungsfindung zu bieten“. Zikos Rückmeldung sollte daher wohl ein Anlass sein, diesen Punkt im finalen Dokument noch einmal zu verdeutlichen.

An dieser Stelle möchte ich noch auf ein paar weitere Punkte hinweisen, die aus meiner eigenen Perspektive wichtig sind. Neben den Werten sei an dieser Stelle auch noch die Lektüre der Einleitung empfohlen, die den Rahmen für die einzelnen Empfehlungen gibt.

  1. Förderung von Nachhaltigkeit und Belastbarkeit („Promote Sustainability and Resilience“ – Der Entwurf schlägt vor, mehr und bessere Strukturen für die Unterstützung von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen zu schaffen. Dazu soll auch die Finanzierung auf eine breitere Grundlage gestellt werden. Insbesondere diese Empfehlung ist aus meiner Sicht momentan noch ein Potpourri unterschiedlicher (und durchaus guter) Ideen, denen eine Heckenschere einerseits und eine bessere Herleitung andererseits gut täte.
  2. Kulturelle Veränderung für integrative Gemeinschaften schaffen („Create Cultural Change for Inclusive Communities“) – Hier wird vorgeschlagen, dass wir unsere sozialen Prozesse mit dem Ziel ändern, dass unsere Communitys inklusive, Neue willkommen heißende, sichere, freundliche, konstruktiv arbeitende Gemeinschaften sind. Den Rahmen soll ein allgemeiner Verhaltenskodex („Code of Conduct“) bilden. Diese Empfehlung ist wohl diejenige, die sich am meisten mit den Abläufen in den Communitys befasst. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass Manche einem solchen Vorschlag mit Argwohn begegnen, ist das genannte Ziel aus meiner Sicht klar richtig. (Ich habe dazu hier auch schon vor Jahren einmal im Kurier geschrieben.)
  3. Verbesserung der Benutzungserfahrung (“Improve User Experience”) – Wikipedia ist nach wie vor sowohl für Lesende als auch für Schreibende nicht gerade einfach zu bedienen. An diesem Problem müssen wir mit Nachdruck arbeiten. Warum, bleibt in der Empfehlung etwas zu kurz, nämlich um Wikipedia nachhaltig als lebensfähige Plattform zu erhalten.
  4. Sicherheit bereitstellen („Provide for Safety and Security“) – Die Communitys sind nach wie vor ein Ort, an dem Aktive ausgegrenzt werden. Wir brauchen Strukturen und Regeln, die es mehr Menschen ermöglichen, sich einzubringen – und (wie ich es ausdrücke) nicht nur denjenigen, die ein „dickes Fell“ mitbringen. Darüber hinaus sehen sich Wikipedia-Aktive in vielen Teilen der Welt politischer Unterdrückung ausgesetzt und wir müssen uns besser für diese Communitys einsetzen.
  5. Sicherstellung der Gerechtigkeit bei der Entscheidungsfindung („Ensure Equity in Decision-Making“) – In dieser Empfehlung finden sich die meisten Gedanken aus meiner Arbeitsgruppe „Rollen und Verantwortlichkeiten“ wieder. Wir schlagen vor, eine globale Struktur für die Wikimedia-Bewegung auf der Grundlage einer „Charta“ zu schaffen, die unter anderem sicherstellt, dass Entscheidungen von repräsentativen und diversen Gremien getroffen werden, die den Communitys gegenüber verantwortlich sind. Lokale Communitys sollen dabei unterstützt werden, Strukturen aufzubauen und sich regional zu vernetzen. Ebenso müssen Ressourcen partizipativ und nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit verteilt werden. Unsere Entscheidungsprozesse müssen schließlich auch Menschen offen stehen, „die durch Machtstrukturen und Privilegien bisher ausgeschlossen wurden“, wie es unserer strategischen Ausrichtung heißt. An der Spitze soll ein globales Entscheidungsgremium stehen, dessen Rolle gegenüber der Wikimedia Foundation ursprünglich stärker vorgesehen war, als es jetzt in den Empfehlungen steht.
  6. Förderung und Entwicklung verteilter Führung („Foster and Develop Distributed Leadership”) und
  7. Investition in die Kompetenzentwicklung („Invest in Skills Development”) – Der Begriff „Führung“ ist in der deutschen Sprache nicht besonders positiv besetzt, anders sieht es beim englischen leadership aus, den ich auch gern mit „Verantwortung übernehmen“ übersetze. Aus meiner eigenen Arbeitsgruppe kommt wie erwähnt der Gedanke, die Entscheidungsfindung innerhalb von Wikimedia auf eine breitere Grundlage zu stellen und die Arbeitsgruppe „Aufbau von Kapazitäten“ hat dazu passend den Vorschlag gemacht, dass wir die Beteiligten dazu auch in die Lage versetzen müssen, diese Aufgabe kompetent wahrzunehmen. Parallel profitieren auch die Communitys davon, wenn wir mehr Fortbildungsangebote für alle Arten von benötigten „Fähigkeiten” schaffen – Wikimedia Deutschland verfolgt diesen Ansatz bereits.
  8. Verwaltung von internem Wissen („Manage Internal Knowledge“) – Der Wissensaustausch unter Wikimedia-Aktiven soll professionalisiert werden. Da ich selbst Autor einiger Dokumentationsseiten bin und ein großer Freund von Transparenz bin, findet dieser Punkt bei mir große Zustimmung.
  9. Koordination aller Interessengruppen („Coordinate Across Stakeholders“) – Wikimedia arbeitet mit anderen Nichtregierungsorganisationen, mit anderen Communitys aus den Bereichen Technik, Wissen und gesellschaftliche Entwicklung, mit Bildungs- und Kultureinrichtungen und sogar mit Unternehmen zusammen. Hier lautet der Vorschlag, bessere organisatorische Schnittstellen zu schaffen, um diese Partnerschaften auszubauen und sie zum Teil unserer Bewegung zu machen.
  10. Priorisierung von Themen nach Wirkung („Prioritize Topics for Impact“) – Unsere Situation, dass die deutschsprachige Wikipedia schon sehr viele Themen halbwegs adäquat abdeckt und Wikimedia Deutschland Förderanträge nach dem Gießkannenprinzip bewilligt, ist ein Luxus, den nicht alle Communitys haben. Außerdem gilt: There is a deadline. Deswegen kann ich den Vorschlag dieser Empfehlung nachvollziehen, inhaltliche Schwerpunkte für Partnerschaften und Community-Projekte transparent und fundiert zu bestimmen. Ich würde mir aber wünschen, dass die finale Fassung dieser Empfehlung genauer beschreibt, was genau hier „priorisiert” werden soll.
  11. Innovationen für Freies Wissen („Innovate in Free Knowledge“) – Hier geht es darum, Möglichkeiten zu schaffen, andere Formen von Wissen (auch nicht enzyklopädisches) zu sammeln und darzustellen. Dies bezieht sich nicht nur darauf, die technischen Möglichkeiten dafür zu schaffen, sondern auch gemeinsam mit den Communities Regeln dafür zu erarbeiten. Auch wenn ich gegenüber so manchem Schwesterprojekt kritisch eingestellt bin – und auch mit dem Begriff “andere Formen des Wissens” so meine Schwierigkeiten habe, bin ich der Meinung, dass wir uns der Frage widmen müssen, wie wir unserer Vision jenseits der Enzyklopädie näher kommen. In meinem Kopf läuft diese Empfehlung daher unter dem Titel „Das nächste Wikidata“.
  12. Auswertung, Wiederholung und Anpassung („Evaluate, Iterate, and Adapt“) – Bei Wikimedia Deutschland gibt es die Maxime, dass der Verein eine „lernende Organisation“ sein möchte, die sich stets verbessert. Und so sehr man manchmal den Eindruck hat, dass die Communitys jeder Veränderung erst einmal mit Skepsis begegnen, sollte das auch für Wikimedia insgesamt gelten.
  13. Skalierbarkeit der Infrastruktur („Plan Infrastructure Scalability“) – Dieser Punkt entstammt dem Gedanken der „Plattform, die über Schnittstellen und Communitys der ganzen Welt Freies Wissen anbietet“ aus der Strategischen Ausrichtung. Vorgeschlagen wird, unsere technische Infrastruktur dahin auszubauen, solche Schnittstellen anbieten zu können und für weiteres Wachstum fit zu machen.

Ich hoffe, dass ich dem umfangreichen Dokument damit ein wenig Kontext geben konnte. An vielen Stellen bleibt der Text noch vage, was die Lektüre erschwert. Insgesamt bin ich jedoch mit dem Entwurf sehr zufrieden und freue mich, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Um Details und insbesondere ganz konkrete Veränderungen geht es erst in der so genannten Umsetzungsphase. Aber zunächst...

Wie geht es weiter?

Diskutiert mit!
Diskutiert mit!
  • Am Mittwoch, den 12. Februar kann man die Empfehlungen in einer Videokonferenz mit Lyzzy, Claudia.Garad, Nicole Ebber, CJackel und mir diskutieren.
  • Am 15. Februar treffen sich Präsidium und Vorstand von Wikimedia Deutschland, um die Position des Vereins zu den Empfehlungen zu entwickeln.
  • Am 28. Februar veröffentlicht das Strategie-Kernteam eine erste Antwort auf die bisher erhaltenen Rückmeldungen.
  • Noch bis zum 6. März können die einzelnen Empfehlungen online kommentiert werden.
  • Anschließend wird auf Basis der Rückmeldungen die finale Version der Empfehlungen erstellt.
  • Ende März soll das Board der Wikimedia Foundation die finale Fassung beschließen.
  • Auf dem Wikimedia Summit Anfang April in Berlin geht es dann in die so genannte Umsetzungsphase. Da geht es dann um die konkrete Verwirklichung der Empfehlungen, die auch die Umstrukturierung des Wikiversums beinhaltet.

Ich freue mich über eure Rückmeldungen hier oder an anderer Stelle und stehe am Mittwoch auch telefonisch Rede und Antwort. Außerdem hat CJackel für die Wikimedia Foundation die Aufgabe, die Rückmeldungen aus der deutschsprachigen Community zu koordinieren und Fragen zu beantworten.

Kommentare  
Wow, vielen Dank für diese umfangreiche und auf den ersten Blick tolle Arbeit. Wenn ich es schaffe mehr zu lesen, werde ich am 12.2. am Videochat aktiv teilnehmen. Ansonsten einfach auch dort noch euren weiteren Ausführungen lauschen. Es ist wichtig, dass Wikimedia als Organisation und das Wikiversum mit der Wikipedia als Leuchtturm eines anderen Internets, eines wissensbasierten Netzes prägend bleibt in den nächsten Jahren. Auf der Arbeitsebene ist es weiter in einigen Artikelclustern schwierig, weil die auch in der Gesellschaft zunehmenden Kräfte dort eine faktenbasierte und umfängliche Arbeit untergraben, sehr aufwendig machen und das Regelwerk durch geschickten Missbrauch pervertieren. Damit der Baum blühen kann, müssen wir auch auf die Wurzeln achten. Da fault es gerade ein wenig. --Jens Best 💬Antifa.svg 19:35, 10. Feb. 2020 (CET)
Danke, Jens Best! --Gnom (Diskussion) 14:49, 15. Feb. 2020 (CET)
Danke für die ausführliche Beschreibung des Prozesses und die Erläuterungen zu den einzelnen Punkten. Ohne die Diskussion der Inhalte zu ignorieren, möchte ich doch mal eine skeptische generelle Frage stellen: In wie weit lässt sich sowas überhaupt im Freiwilligen-Projekt "Wikipedia" umsetzen? Schließlich sind wir alle hier self-selected Geeks in Sachen Enzyklopädie. Niemand kommt hier her, um Equity umzusetzen oder andere soziale Anforderungen zu erfüllen. Aber wir sind verdammt gut darin eine Enzyklopädie zu schreiben. Was kann a) WMF (plus Chapter und andere Strukturen) und b) "die Community" tun, um das eine zu erreichen ohne das andere zu gefährden? Denn auch heute funktioniert Wikipedia, sind die Aktiven aktiv und verbessern ständig die Inhalte. Der Autorenschwund betrifft offenkundig nur die wenig aktiven Autoren, der Kern ist stabil. Was tut ihr, um diesen Kern zu unterstüzen und zu fördern? Sind Anforderungen an diese Kernautoren ein geeignetes Mittel um das Projekt als ganzes zu fördern? Grüße --h-stt !? 21:48, 10. Feb. 2020 (CET)
Hallo h-stt, danke für deine valide Rückmeldung. Die Empfehlungen gehen deshalb klar dahin, den Ehrenamtlichen mehr professionelle Unterstützung zukommen zu lassen. --Gnom (Diskussion) 14:49, 15. Feb. 2020 (CET)
Und du siehst keine Risiken für die (Community der) Enzyklopädie durch die Einführung von allgemeinen oder übergeordneten Zielen, deren Durchsetzung sich die Foundation (und die Chapter) dann zur Aufgabe machen? Grüße --h-stt !? 19:05, 15. Feb. 2020 (CET)
Hallo h-stt, die Empfehlung Priorisierung von Themen nach Wirkung („Prioritize Topics for Impact“), auf die du dich da beziehst, wenn ich dich richtig verstehe, muss aus meiner Sicht auf jeden Fall klarer formuliert werden, weil sie momentan mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. In jedem Fall unumstößlich ist dabei die Autonomie der Communitys in Bezug auf die Inhalte in den Projekten, so dass an dieser Stelle keine "Risiken" bestehen. Das wäre aber ein Punkt, den man in die vorgeschlagene Wikimedia-Charta aufnehmen sollte. --Gnom (Diskussion) 16:15, 16. Feb. 2020 (CET)
Nicht nur die Priorisierung sondern generell jegliche Ziele außer die bestmögliche Freie Enzyklopädie zu erstellen. Also auch ganz grundlegend die Definition von equity als Ziel. Hast du seinerzeit auch common law Rechtsenglisch belegt? Oder dich mit englischem und walisischem (nicht UK) Recht soweit befasst, dass du das Bedeutungsfeld von en:equity (law) erfasst? Wenn sich jemand auf equity beruft, dann will er im positiven Recht eine Gerechtigkeitslücke gefunden haben und beansprucht einen Rechtsbehelf außerhalb der Regeln. Ich bin unglücklich mit dem Begriff und seinem Bedeutungsfeld im Kontext der Foundation. Insbesondere wenn sie ihre Vorstellung den Chaptern zwingend vorschreiben will und die so direkt in die Community einwirken. Ich sag nur T&S. Grüße --h-stt !? 14:24, 17. Feb. 2020 (CET) PS: Habt ihr eigentlich als Chapter die Angelegenheit um den ban von Jannemann / EW der Foundation vorgelegt?
Hallo h-stt, ich habe sowohl im Studium als auch jetzt im Strategieprozess viele Stunden mit dem Begriff equity verbracht. Zunächst: Der Strategieprozess verwendet den Begriff nicht im juristischen Sinn, sondern im Sinn von "Gerechtigkeit", "Teilhabe" oder "Zugang". Außerdem geht es hier nicht darum, dass die Wikimedia Foundation den Chaptern etwas vorschreiben möchte, da der Strategieprozess auch von den Chaptern und den Communities mit getragen wird. Zu deiner anderen Frage kann ich nichts sagen. Gruß, --Gnom (Diskussion) 17:20, 17. Feb. 2020 (CET)
Hallo zusammen; über das Wort bzw. seine Übersetzung bin ich auch gestolpert - ich nehme an, ihr habt meine Anmerkungen in der Kurier-Diskussion gesehen... einen guten Lösungsvorschlag habe ich aber auch nicht. Gestumblindi 19:55, 17. Feb. 2020 (CET)
Der Termin für die Skypo – Mittwochs um 17 Uhr – sorgt dann ja auch für eine … gewisse soziale Auswahl der Teilnehmer … das SG hatte immer am Abend geskypt, wenn alle Zeit hatten … habt ihr darüber denn schon einmal nachgedacht?--Aschmidt (Diskussion) 06:52, 11. Feb. 2020 (CET)
Hallo Aschmidt, ich beantworte das mal, wenn ich darf, die Termine wurden bewusst auf den Abend gelegt, weil Freiwillige da eher können als vor- oder nachmittags. Um 17 Uhr konnten die meisten von uns teilnehmen. Es kommt wohl darauf an, welche Arbeit die Leute haben und ob sie Kinder haben. 19 Uhr ist oft für Abendessen geblockt, anderen ist 21 Uhr schon wieder zu spät. Darf ich aus deiner Erfahrung im SG fragen, welche Uhrzeit denn die beste ist (du konkret mit „am Abend“ meinst)? Grüße --CJackel (WMF) (Diskussion) 09:45, 11. Feb. 2020 (CET)
Um auch meinen Senf dazuzugeben: Allen Leuten recht getan... Ich beispielsweise könnte dann nicht teilnehmen, weil ich um diese Uhrzeit noch arbeite. Abgesehen davon, dass ich es sowieso nicht vorhatte (die Kommunikation hier im Wiki reicht mir aus), sehe ich aber auch ein, dass es keine Uhrzeit gibt, die allen passt, und 17 Uhr ist wohl nicht schlechter als 21 Uhr, es können dann einfach jeweils andere Leute. Allerdings wäre gerade darum ein zweiter Termin, eben beispielsweise um 21 Uhr, nicht schlecht? Gestumblindi 12:17, 11. Feb. 2020 (CET)
+1. Fände ich auch angemessen, um den Kontakt mit der Community zu suchen. Zu meiner SG-Zeit war es damals 19 Uhr, wobei manche sich noch später dazu schalteten. – Gibt es eine Aufzeichnung der Videokonferenz?--Aschmidt (Diskussion) 21:11, 11. Feb. 2020 (CET)
Also eher später am Abend. Gut zu wissen. Es wird ein Protokoll geführt, aber kein Videomitschnitt erstellt. --CJackel (WMF) (Diskussion) 14:50, 12. Feb. 2020 (CET)

Eine Frage, die mich interessiert, wenn ich "Am 15. Februar treffen sich Präsidium und Vorstand von Wikimedia Deutschland, um die Position des Vereins zu den Empfehlungen zu entwickeln" lese: Was machen eigentlich Wikimedia AT und CH? Wird dort auch noch eine Position "entwickelt" oder wie ist der Stand bei diesen Chapters? @Claudia.Garad, Lantus (WMCH):? Gestumblindi 12:22, 11. Feb. 2020 (CET)

3. Dezember 2019: Hållbar.

Und noch ein „Auswärtsspiel“: Im Blog von Wikimedia Sverige ist ein Interview mit mir über die Nachhaltigkeitsinitiative auf Schwedisch und Englisch erschienen.

26. November 2019: Bewertung.

Ich habe „fremdgebloggt“, und zwar im Wikimedia Space, einer neuen Diskussionsplattform, die die Wikimedia Foundation gerade testet: Unter dem Titel „Towards a more sustainable Wikimedia Movement“ gibt es Neuigkeiten von der Nachhaltigkeitsinitiative.

Kommentare  
Hm, *noch* eine Diskussionsplattform? Nach Meta, Outreach, diversen Mailinglisten und natürlich den stark frequentierten Diskussionsseiten der grossen Projekte wie en-Wikipedia... droht da nicht eine Verzettelung? Gestumblindi 12:39, 3. Dez. 2019 (CET)
Hallo Gestumblindi, die Idee ist wohl, die Diskussionen, die aktuell auf Facebook und auf den Mailinglisten sowie auf obskuren Meta-Seiten stattfinden, dort zu bündeln. --Gnom (Diskussion) 13:55, 3. Dez. 2019 (CET)


12. August 2019: Demonstration.

Mit Cirdan auf der Demo gegen Artikel 13.
Mit Cirdan auf der Demo gegen Artikel 13.

In meinem letzen Beitrag ging es um die Aktivitäten des Präsidiums seit unserer Wahl im letzten Dezember – heute möchte ich darüber berichten, was sonst so los war. Denn auch wenn die Präsidiumsarbeit sehr viel Zeit beansprucht (etwa einen vollen Tag pro Woche am Schreibtisch, dazu kommen noch Auswärtstermine) bin ich sehr froh darüber, weiterhin auch zur Enzyklopädie und zum „Drumherum“ beitragen zu können.

Am Anfang des Jahres habe ich zum Beispiel ein wenig „Pressearbeit“ gemacht: Zu Neujahr habe ich wie immer im Kurier über den Public Domain Day berichtet. Weil in diesem Jahr erstmals auch die USA wieder Werke in die Gemeinfreiheit entlassen haben, hat Netzpolitik.org den Beitrag aufgegriffen. Ende Januar war ich dann Studiogast in der Fernsehsendung ARD Buffet zum Thema „So geht Wikipedia“ – und habe live im Fernsehen eine Frikadelle gegessen. Im März war ich für Freies Wissen demonstrieren und mit einer Stellungnahme zum Wikipedia-„Streik“ wegen der EU-Urheberrechtsreform in der Tagesschau zu sehen.

In der Bibliothek des IMMH.
In der Bibliothek des IMMH.

Außerdem habe ich mich auf Twitter in die „#wikifueralle“-Debatte eingeschaltet und Theresa Hannig zu einer Podiumsdiskussion auf den Tag des Freien Wissens vor unser Mitgliederversammlung im Juni eingeladen. Ich hoffe, dass ich so das beiderseitige Unverständnis über die Position der „anderen Seite“ ein bisschen reduzieren konnte. (Im Kontor Hamburg haben Uwe Rohwedder und Enter dazu übrigens einen Podcast mit der Autorin Lena Falkenhagen produziert.)

Ich habe auch wieder ein paar neue Artikel in der Wikipedia geschrieben: Im Rahmen des von Southpark angestoßenen Projektwochenendes WP:Ahoi sind León-Brücke, Kaispeicher B, Knochenschiff und Seeleute-Ausweis entstanden. Für dieses Projekt habe ich eine Kooperation mit dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg angestoßen und aus diesem Anlass gleich den Artikel über das Museum von Grund auf überarbeitet. Auf Anregung einer Freundin stieß ich auf die Influencerin Selina Mour, beim Abendessen mit Bekannten auf Huu Phuc Nguyen und bei der Arbeit auf NOYB.

Die Mitglieder dreier internationaler Strategie-Arbeitsgruppen bei einem Treffen in Berlin im Februar 2019
Die Mitglieder dreier internationaler Strategie-Arbeitsgruppen bei einem Treffen in Berlin im Februar 2019

Anfang des Jahres bin ich außerdem im Rahmen des internationalen Strategieprozesses für Abraham Taherivand in die Arbeitsgruppe „Roles and Responsibilities“ nachgerückt. Dort hatte ich die Aufgabe, meine Perspektive in die Erarbeitung von Vorschlägen für eine neue Struktur des Wikiversums einzubringen. Es folgten regelmäßige Telefonkonferenzen, Online-Diskussionen und Arbeitswochenenden Mitte Februar in Berlin, Ende März während des Wikimedia Summit (früher: Wikimedia Conference) in Berlin und Anfang Juli in Utrecht. Vor ein paar Tagen wurden die ersten Entwürfe veröffentlicht, sie können hier diskutiert werden. Wir überlegen vorzuschlagen, das Wikiversum zukünftig deutlich dezentraler zu organisieren; auch in den Vorschlagsentwürfen der anderen Arbeitsgruppen finden sich teilweise sehr „mutige“ Ideen. Leseempfehlung!

Diese Woche bin ich auf der Wikimania in Stockholm und dort zusammen mit Joy Agyepong aus Nigeria zuständig für den Strang des Konferenzprogramms, der sich mit Umweltthemen beschäftigt. Unter anderem werden wir die Bezüge zwischen Freiem Wissen und der Klimakrise diskutieren und die Wikimedia Foundation wird als Reaktion auf mittlerweile von über 550 Benutzern getragene Nachhaltigkeitsinitiative ihren ersten „Nachhaltigkeitsbericht“ vorlegen. Der Bericht soll Startschuss sein für ein offizielles Wikimedia-Nachhaltigkeitsprogramm. Auch sonst ist meine Wikimania-Woche natürlich dicht gepackt mit Besprechungsterminen.

Zum Schluss kann ich eine Premiere vermelden: Das Präsidium ist in diesem Jahr vollzählig auf der Wikimania und wir werden die Gelegenheit nutzen, uns hier vor Ort zu den Auswirkungen der Strategieempfehlungen auf den Verein und auf die deutschsprachige Community auszutauschen.

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19. Juni 2019: Die 24. Mitgliederversammlung.

Auf der Mitgliederversammlung.
Auf der Mitgliederversammlung.

Lange habe ich an dieser Stelle nichts mehr von mir hören lassen. Auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag habe ich jedoch den offiziellen Bericht des Präsidiums vorgetragen, den ich hier etwas gekürzt wiedergeben möchte. (Inhaltlich spannender war natürlich der Bericht des Vorstands.)

Wie ihr wisst, wird das Präsidium von der Mitgliederversammlung gewählt und hat die Aufgabe, die strategische Ausrichtung des Vereins festzulegen und die Arbeit des geschäftsführenden Vorstands zu beaufsichtigen. In meinem Bericht geht es also darum, wie wir diese beiden Aufgaben erfüllt haben. Zunächst möchte ich jedoch kurz auf ein paar interne Themen eingehen.

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Das neue Präsidium

Auf unserer konstituierenden Sitzung haben wir Sabria David und Harald Krichel zu stellvertretenden Vorsitzenden bestimmt und dann zügig den Prozess für die Kooptation angestoßen. (Bei der Kooptation geht es darum, dass das von den Mitgliedern gewählte Präsidium bis zu zwei Personen dazuberufen kann, um zusätzliche Erfahrungen und Kompetenzen hinzuzuholen oder die Vielfalt des Gremiums zu erhöhen. Das ist wichtig, weil wir angesichts der durch die Größe des Vereins bedingten Verantwortung möglichst breit aufgestellt sein wollen.)

Wie in der letzten Amtszeit haben wir uns daher angesehen, welche Aufgaben in der vor uns liegenden Amtszeit anstehen und davon ausgehend ein Anforderungsprofil mit den gesuchten Erfahrungen und Kompetenzen beschlossen. Zusätzlich haben wir uns – auch als Reaktion auf die Diskussion auf der letzten Mitgliederversammlung – dazu entschieden, die Ausschreibung dieses Mal auf nicht-männliche Personen zu beschränken. Die Reaktion darauf war sehr positiv: Wir haben über 80 Empfehlungen zu potentiellen Kandidatinnen erhalten und nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren schließlich Mirjam Stegherr und Helene Hahn ins Präsidium berufen.

  • Helene Hahn
    Helene Hahn
  • Mirjam Stegherr
    Mirjam Stegherr

Helene ist Open-Data-Aktivistin und dem Verein durch ihre Tätigkeit für die Open Knowledge Foundation und insbesondere als Mitbegründerin des Kultur-Hackathons Coding Da Vinci dem Verein schon länger verbunden. Sie bringt damit Erfahrungen in allen drei Handlungsfeldern des Vereins mit: in der Arbeit mit Freiwilligen, im Technologiesektor sowie in der Arbeit für Freies Wissen im Politik- und Kulturbereich. Mirjam bereichert das Präsidium durch einen großen Erfahrungsschatz und ihre Kontakte in den Bereichen Kommunikation und Politik. Sie ist seit 20 Jahren in der Medien- und Kommunikationsbranche tätig und war von 2012 bis 2016 Leiterin der Stabsstelle Kommunikation, Pressesprecherin und Mitglied der Geschäftsleitung beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Seit 2016 arbeitet sie als freie Journalistin, Moderatorin und Kommunikationsberaterin. Wir haben euch die beiden schon im Vereinsblog vorgestellt und ich freue mich riesig, dass sie uns unterstützen.

Präsidium und Vorstand von Wikimedia Deutschland im April 2019
Präsidium und Vorstand von Wikimedia Deutschland im April 2019

Dieses jetzt neunköpfige Präsidium bleibt noch bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Juni 2020 (übrigens in Kassel) im Amt. Bei unser internen Organisation haben wir entschieden, innerhalb des Präsidiums weniger permanente Ausschüsse mit allgemeinen Zuständigkeiten zu gründen und stattdessen für ausgewählte Fragestellungen und einzelne Projekte zeitlich beschränkte Arbeitsgruppen zu bilden.

Mit der Frage des Frauenanteils im Präsidium und unter den Aktiven im Verein zum Beispiel werden wir uns weiter beschäftigen und haben dazu eine Arbeitsgruppe bestehend aus der eben erwähnten Mirjam Stegherr und der bei der letzten Wahl aus dem Präsidium ausgeschiedenen Johanna Niesyto ins Leben gerufen. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, die Diversität in den Vereinsgremien von Wikimedia Deutschland zu verbessern. Im ersten Schritt geht es um das Präsidium als Aufsichtsgremium und die Kandidatur von Frauen. Die Arbeitsgruppe soll Handlungsempfehlungen finden, wie unterschiedliche Personen dafür gewonnen werden können, sich zur Wahl zu stellen. Die Ergebnisse sollen dann in die Vorbereitung der Präsidiumswahl 2020 durch unseren mit Kilian Kluge und Harald Krichel besetzten Board Governance-Ausschuss einfließen. Im zweiten Schritt soll es um die Frage gehen, wie die Diversität in anderen Gremien und an der “Basis” des Vereins ausgebaut werden kann, da sie der Ausgangspunkt für Mitglieder sind, die sich letztlich zur Wahl stellen. Diese Arbeitsgruppe will dafür unter anderem Organisationen und Expert/innen kontaktieren, die sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt haben, um von ihnen zu lernen und die Erkenntnisse auszuarbeiten. Wenn unter euch jemand Erfahrungen in dem Gebiet hat oder Empfehlungen, sprecht Mirjam gern an.

Außerdem wollen wir auf der Grundlage der von Andrea Knabe-Schönemann auf der letzten Mitgliederversammlung angestoßenen Diskussion unsere politische und gesellschaftliche Haltung nach außen konkretisieren, insbesondere auch im Umgang mit politischen Parteien. Gemeinsam mit unserem Leiter Politik und Recht John Weitzmann soll eine mit Helene Hahn und Sabria David besetzte Arbeitsgruppe dazu Expertenmeinungen einholen, Optionen ausloten und schließlich eine konkrete Handlungsempfehlung aussprechen, die wir euch ebenfalls auf der nächsten Mitgliederversammlung vorstellen werden.

Aufsicht

Auf der Mitgliederversammlung.
Auf der Mitgliederversammlung.

Bei der Aufsicht über den geschäftsführenden Vorstand, der ersten wichtigen Aufgabe des Präsidiums, führen wir die Formate aus der letzten Amtszeit fort: Abraham Taherivand berichtet uns monatlich über Fragen der Organisationsentwicklung und zu neuen Partnerschaften sowie über den aktuellen Stand der Finanzen. Außerdem telefonieren wir einmal im Monat und besprechen aktuelle Themen. Quartalsweise folgt dann ein systematischer Report des Vorstands an das Präsidium zum aktuellen Stand bei den für das Jahr gesetzten programmatischen Zielen der Geschäftsstelle. Dabei sehen wir uns Fortschritte und Hindernisse bei der Zielerreichung und die Organisationsentwicklung von Wikimedia Deutschland an. Einzelne Vorgänge in der Geschäftsstelle sind dabei nur selten ein Thema, zum Beispiel wenn darüber in der Öffentlichkeit oder in der Community diskutiert wird. Dann legen wir den Fokus aber auf die dahinter stehenden grundsätzlichen Abläufe und Fragen, um nicht in die Geschäftsführung des Vorstands einzugreifen. Bereits auf unserer Klausur Ende Februar haben wir außerdem einen abschließenden Blick auf das vergangene Jahr geworfen. Nach der Erstellung und Prüfung des finanziellen Jahresabschlusses für 2018 haben wir diesen auf unserer zweiten Klausur Ende April ebenfalls besprochen. Die Details zu unserer Aufsichtsführung könnt ihr dem euch vorliegenden Aufsichtsbericht entnehmen, den Daniel Reisener als Schatzmeister federführend vorbereitet hat.

Die Aufsicht des Präsidiums über den Vorstand und die Aufgabenverteilung zwischen Präsidium und Vorstand wollen wir auch in dieser Amtszeit weiterentwickeln: Eine Arbeitsgruppe des Präsidiums bestehend aus Sabria David und Mirjam Stegherr soll die Rolle des Präsidiums bei der Außenkommunikation des Vereins besser definieren. Schließlich werden wir in diesem Jahr die Mechanismen des Vereins zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften (die so genannte Compliance) prüfen und weiter professionalisieren. Dazu haben wir eine Arbeitsgruppe bestehend aus Harald Krichel und Daniel Reisener eingesetzt, die den Vorstand bei dieser Aufgabe berät. Schließlich kümmert sich der aus Peter Dewald, Daniel und mir bestehende Vorstandsausschuss um die vertraglichen Belange des geschäftsführenden Vorstands.

Strategie

Die von der Mitgliederversammlung 2018 beschlossenen Handlungsfelder und Strategien von Wikimedia Deutschland.
Die von der Mitgliederversammlung 2018 beschlossenen Handlungsfelder und Strategien von Wikimedia Deutschland.

Die zweite wichtige Aufgabe des Präsidiums neben der Aufsicht ist, die strategische Ausrichtung des Vereins weiterzuentwickeln – das heißt, auf welche großen Linien wir uns in unserer programmatischen Arbeit bei Wikimedia Deutschland konzentrieren. Wie, also mit welchen konkreten Projekten diese Strategien umgesetzt werden, ist dann Aufgabe der Geschäftsstelle bei der jährlichen Maßnahmenplanung.

Auf der letzten Mitgliederversammlung im Dezember hatten wir vom Präsidium vorgeschlagene längerfristige Strategien für die drei programmatischen Handlungsfelder des Vereins beschlossen. Diese Strategien müssen jetzt umgesetzt werden – und das braucht Zeit. Für uns als Präsidium bedeutet das, dass wir das Rad hier nicht ständig neu erfinden wollen. Wir werden uns aber im Laufe unserer Amtszeit ansehen, wie die Umsetzung verläuft und ob wir an einzelnen Stellen etwas anpassen müssen. Das sieht in der Praxis so aus, dass der Vorstand uns über die getroffenen Maßnahmen berichtet und uns strategische Fragen zur Entscheidung vorlegt, wenn er eine Notwendigkeit für Änderungen erkennt. Auf unserer nächsten Klausurtagung im September werden wir einen ersten solchen strategischen Dialog mit dem Vorstand führen, den wir dann 2020 wiederholen wollen. Wenn sich daraus dann Änderungen an den Strategien ergeben, werden wir sie wie im letzten Dezember beschlossen der Mitgliederversammlung zur Entscheidung vorlegen.

Ich kann daher noch nicht im Detail sagen, welche strategischen Fragen sich uns in dieser Amtszeit stellen werden, sondern nur auf ein Thema hinweisen, das wir aktuell besonders im Blick haben: Zur Gewinnung neuer Ehrenamtlicher für die Wikimedia-Projekte wollen wir im Gremium bis zur Klausur im September im Präsidium ein Meinungsbild auf strategischer Ebene anstoßen. Dafür haben wir eine Arbeitsgruppe gegründet, die aus Helene Hahn, Kilian Kluge, Peter Dewald und Marcus Cyron besteht. Ob oder in welcher Form wir das Thema dann auf der Klausurtagung tatsächlich als einen strategischen Schwerpunkt behandeln, wird sich im Ergebnis dieser Meinungsbildung erst noch zeigen.

Ausblick I: die Umsetzung der strategischen Ausrichtung

„Wissen als Dienst“ und „Gerechtigkeit des Wissens“
„Wissen als Dienst“ und „Gerechtigkeit des Wissens“

Schließlich möchte ich eure Aufmerksamkeit noch auf die Strategie von Wikimedia auf internationaler Ebene lenken, die für uns hier in Deutschland natürlich ebenfalls eine entscheidende Rolle spielt. In der Mitgliederversammlung hatten wir uns zuletzt im November 2017 mit diesem Thema beschäftigt. Wikimedia Deutschland hatte sich damals aufgrund eines einstimmigen Beschlusses der Mitgliederversammlung der strategischen Ausrichtung für die weltweite Wikimedia-Bewegung mit dem Titel „Dienst und Gerechtigkeit“ angeschlossen: Die internationale Strategie hat das Ziel, dass die Wikimedia-Bewegung bis 2030 die zentrale Infrastruktur für den Zugang und die Verbreitung von Wissen auf der Welt bereitstellt. Alle, die unsere Vision teilen, sollen dabei mitmachen können. Geeignete Formen für den Zugang zu Wissen zu finden, ist der Dienst, den wir für die Menschen leisten wollen. Dazu wollen wir Hürden beseitigen, die Menschen in vielen Regionen der Welt, aber auch in den existierenden Communitys, momentan davon abhalten, zum Sammeln und Teilen Freien Wissens beizutragen. Das ist mit Gerechtigkeit gemeint.

An die beschlossene internationale Strategie hat sich eine umfassende und auch von uns begleitete Diskussion zu der Frage angeschlossen, was diese Strategie konkret für die Wikimedia-Bewegung bedeutet, also für unser politisches Engagement, für unsere Mittelverwendung, für unsere Organisationsstruktur und so weiter. Ende 2019 werden entsprechende Handlungsempfehlungen vorliegen, bei deren Umsetzung wir uns dann beteiligen müssen. Ich kann an dieser Stelle nur ankündigen, dass das unter Umständen auch zu einer Neuausrichtung unseres Vereins führen kann, über die dann auch die Mitgliederversammlung einen Beschluss fassen muss. Und ich möchte euch dazu einladen, euch mit uns an der erwähnten Diskussion zur Umsetzung der internationalen Strategie online zu beteiligen. (Ansprechpartner für die deutschsprachige Community ist Gereon Kalkuhl.)

Ausblick II: eine neue Markenstrategie

A new "Wikipedia"?
A new "Wikipedia"?

Ebenfalls im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der internationalen Wikimedia-Bewegung steht ein Projekt der Wikimedia Foundation, das sich mit unserer Markenstrategie befasst. Ausgangspunkt für dieses Projekt ist eine Feststellung, die euch bekannt sein dürfte: Alle kennen Wikipedia, aber kaum einer weiß, was Wikimedia ist. Das gilt sowohl für die verschiedenen Wikimedia-Organisationen, wie wir eine sind, als auch für die 13 Wikimedia-Projekte neben Wikipedia.

Die Wikimedia Foundation hat daher den Vorschlag gemacht, den Begriff „Wikipedia“ als zentrale Marke in den Vordergrund zu stellen. Das würde zum einen bedeuten, dass die Wikimedia-Organisationen den Namen Wikipedia übernehmen. Ebenso würden dann die Wikimedia-Projekte einen klareren Bezug zu Wikipedia herstellen. Dahinter steht der Gedanke, dass von der Bekanntheit und Beliebtheit der Wikipedia auch die Wikimedia-Organisationen und -Projekte profitieren können.

Dieser Vorschlag der Wikimedia Foundation steht seit Anfang des Jahres im Raum. Bis zum Mai wurde Feedback in der internationalen Wikimedia-Bewegung dazu eingeholt. Wir als Wikimedia Deutschland haben hier zum einen zwischen der Foundation und der deutschsprachigen Community vermittelt: Wir haben Diskussionsveranstaltungen in drei Community-Räumen in Deutschland organisiert und die Ergebnisse an die Wikimedia Foundation weitergeleitet.

Im Präsidium haben wir die Vorschläge auf einer Klausurtagung im April diskutiert, welche Chancen und Risiken in dem Projekt liegen und was aus unserer Sicht für die nächsten Schritte beachtet werden sollte. Die Wikimedia Foundation wertet diese Rückmeldungen aktuell aus und will dann eine Empfehlung für die weitere Umsetzung aussprechen. Wir werden uns im Präsidium also auf jeden Fall noch weiter mit dem Thema beschäftigen. Falls eine strategische Entscheidung in diesem Feld getroffen wird, wird diese dann auch auf der Tagesordnung der nächsten Mitgliederversammlung stehen.

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Danke für den Bericht. Der Beitrag enthält mehrere Links zu forum.wikimedia.de, wo ich zu einer Anmeldung aufgefordert werde, um überhaupt etwas lesen zu können. Dazu zwei Fragen: 1) Kann sich dort sich jedermann registrieren und dann mitlesen, auch wenn man kein Mitglied von WMDE ist? Ich bin "nur" Mitglied von WMCH, aber was bei WMDE passiert, interessiert mich schon auch. Allerdings ächze ich immer etwas, wenn ich einen weiteren Account für eine Website anlegen soll. 2) Ist diese Lese-Beschränkung überhaupt nötig? Dass dort nicht jedermann Schreibrechte hat, verstehe ich schon, aber nicht einmal Leserechte für die (unangemeldete) Öffentlichkeit? Gestumblindi 20:16, 19. Jun. 2019 (CEST)
Hallo Gestumblindi, danke für deine Rückmeldung. Das Login-Erfordernis im WMDE-Forum dient dazu, Suchmaschinen auszusperren. Jeder kann sich da einfach so einen Zugang anlegen. Wir überlegen momentan, mit den dort hinterlegten Interhalten auf Meta umzuziehen. Gruß, --Gnom (Diskussion)

7. Februar 2019: Umgangsformen in der Community – wie weiter?

Wie geht es weiter mit den Umgangsformen in der Community?
Wie geht es weiter mit den Umgangsformen in der Community?

Im – reichlich verspäteten – Nachgang zur WikiCon in St. Gallen möchte ich an dieser Stelle noch die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte unserer Diskussionsrunde am Freitagabend wiedergeben. Gemeinsam mit Achim, Christel, Vera und Diskussionsteilnehmern aus dem Publikum haben wir uns mit dem alten Thema „Umgangsformen in der Community“ befasst. Ziel war es, unterschiedliche Impulse zu sammeln und den Blick nach vorn zu richten, um Wege zu suchen, wie wir unseren Umgang miteinander verbessern können.

Worum es geht

Zunächst sollte man sich vergegenwärtigen, wie bedeutsam dieses Thema für die Zukunft von Wikipedia ist. Denn trotz der Größe, die die deutschsprachige Wikipedia mittlerweile erreicht hat und trotz des Stellenwerts, den das Projekt in der Gesellschaft einnimmt, ist das Problem der schlechten Umgangsformen unter Wikipedianern nach wie vor ungelöst – und es bereitet mir seit Jahren große Sorgen.

Dabei bin ich, wie ich an dieser Stelle auch schon einmal geschrieben habe, als eher dünnhäutiger Mensch selbst ‚Betroffener‘. Das bedeutet, dass ich mit dem häufig unter Wikipedianern gepflegten rauen Diskussionsstil verhältnismäßig schlecht umgehen kann. Ich habe einfach nicht das ‘dicke Fell’, das leider von vielen Wikipedianern vorausgesetzt wird.

Meine These ist nach wie vor, dass die spürbare Verbesserung unseres Diskussionsklimas die bedeutendste Chance ist, wie wir wieder mehr neue Autorinnen und Autoren gewinnen können (die andere Möglichkeit, die ich sehe, ist die weitere Verbesserung der Benutzeroberfläche).

Was meine ich mit ‚schlechten Umgangsformen‘?
 Das, was täglich für Frust, Ärger und Streit sorgt – zum Beispiel das endlose Getrolle auf der Diskussionsseite des Kuriers, dem wichtigsten Austauschort der deutschsprachigen Wikipedianer. Warum die Community hier nicht endlich mal konsequent konstruktive Beiträge einfordert und stattdessen permanente Seitenhiebe und böswillige Unterstellungen toleriert, ist mir unerklärlich. Aber das soll nur ein Beispiel sein: Hier geht es mir um das generelle Diskussionsklima innerhalb der Wikipedia.

Haben wir ein Problem?

Ja, wir haben ein Problem.
Ja, wir haben ein Problem.

Ja – und zwar ein großes. Die bei vielen Wikipedianern anzutreffende Einstellung, man benötige numal ein solches ‚dickes Fell‘, wenn man in der Wikipedia aktiv sein will, setzt stillschweigend voraus, dass wir hier bewusst auf alle verzichten, die diese Eigenschaft nicht aufweisen. Praktisch bedeutet das für uns – wie bei der Gender Gap – dass uns die Perspektiven dieser Menschen fehlen und mehr Arbeit an weniger Wikipedianern hängen bleibt.

Und nein, man kann sich so ein ‚dickes Fell‘ auch nicht aneignen oder gewisse Ausfälligkeiten irgendwie ‚ausblenden‘. Diese ebenfalls weit verbreitete Ansicht verlagert das Problem vom Sender zum Empfänger und macht mich mittlerweile ehrlich gesagt nur noch wütend. Es ist ohnehin komplex genug, zu Wikipedia beizutragen. Warum machen wir es zu einer ungeschriebenen zusätzlichen Voraussetzung, Beschimpfungen über sich ergehen lassen zu müssen, um Wikipedia-Autor sein zu können – nur weil wir offenbar zu feige sind, Trolle und Grobianen die Tür zu zeigen?

Wichtig ist dabei, dass wir festhalten, dass es nicht darum geht, Konflikten aus dem Weg zu gehen – denn Streit gibt es immer und er ist bei der Arbeit an unserer Enzyklopädie notwendig und unvermeidlich. Vermeiden können und sollten wir jedoch, dass Konflikte unsachlich und auf der persönlichen Ebene ausgetragen werden. Das gilt umso mehr, als wir in der Wikipedia schriftlich und asynchron diskutieren, was bekanntermaßen eine besonders fehleranfällige Kommunikationsform ist.

Lösungsansätze

Asaf Bartov: „When veteran and respected community members break their silence“.
Asaf Bartov: „When veteran and respected community members break their silence“.

Dabei ist die Lösung für mich greifbar: Wir könnten einfach endlich mal anfangen, die Regel Keine persönlichen Angriffe ernst zu nehmen. Dass das jedoch insbesondere den Admins strukturell denkbar schwer gemacht wird, ist mir natürlich bekannt: Die Trolle haben sich hier über Jahre hinweg eine bequeme Situation erarbeitet, die uns konsequent davon abhält, die Regeln durchzusetzen. Diesen Störern müssen wir als Community etwas Neues entgegensetzen. In den Worten von Asaf Bartov:

„Eine Sache, die immer funktioniert: Wenn altgediente und anerkannte Community-Mitglieder ihr Schweigen brechen und die Störer klar und eindeutig verurteilen. Das passiert selten, denn diese Freiwilligen neigen dazu, ‚neutral zu bleiben‘ und vermeiden es, ‚sich die Hände schmutzig zu machen‘. Aber das ist kurzsichtig gedacht, denn zur Erhaltung einer funktionierenden Community einzugreifen ist genauso wichtig, wie Vandalismus in Artikeln zurückzusetzen.“

Dabei gilt selbstverständlich, dass die Community eigenständige Entscheidungen treffen muss, wenn sie die Diskussionskultur verbessern will. Auch die dann notwendigen Schritte müssen wir selbst gehen. Wie können wir die Störer effizient und nachhaltig in die Schranken weisen? Bedarf es zum Beispiel besonderer Regeln für die Diskussionsseite des Kuriers? Brauchen und wollen wir (ehrenamtliche oder sogar professionelle) Moderatoren?

Die Diskussion in St. Gallen – und wie es weitergeht

Achim, Kritzolina, Vera und ich auf dem Podium in St. Gallen.
Achim, Kritzolina, Vera und ich auf dem Podium in St. Gallen.

Es war spannend, darüber mit Achim als Wikipedianer, mit Christel in ihrer Doppelrolle als Wikipedianerin und Vertreterin der Wikimedia Foundation und Vera von Wikimedia Deutschland (übrigens Diplom-Psychologin mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und ausgebildete Kommunikationstrainerin) darüber zu diskutieren (danke euch!) und auch die Meinungen der Zuhörer einzubeziehen.

Riesig gefreut und ehrlich gesagt überrascht hat mich, dass sowohl auf dem Podium als auch im Saal große Einigkeit zu den folgenden Punkten herrschte:

1. Die schlechten Umgangsformen innerhalb der Community sind ein echtes Problem.
2. Wir müssen und wollen hieran etwas ändern.
3. Wikimedia Deutschland und die Wikimedia Foundation sollten und werden gemeinsam mit der Community Methoden erarbeiten, um die Umgangsformen in der Community zu verbessern.

Zum dritten Punkt: Was heißt das konkret? Wikimedia Deutschland möchte zukünftig das eigene Wissen in sozialen Dynamiken ausbauen und verstärkt an die Community weitergeben. Zwei Kommunikations-Trainings haben – ausgehend von einem entsprechenden Vorschlag aus der Community – schon stattgefunden und bilden den Start zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit und der Arbeit an der Kommunikationskultur in der Community. Seitens der Wikimedia Foundation, die bisher nur in Extremfällen unterstützt, sind Hilfe bei der internationalen Vernetzung zum Thema, die Sammlung von Material und neue Admin-Tools angedacht.

Mein Fazit

Aus meiner Sicht müssen wir (noch) besser verstehen, warum die Regel Keine persönlichen Angriffe bei uns nicht konsequent umgesetzt wird. Ein paar mögliche Gründe habe ich ja erwähnt – vielleicht hilft das bei der Suche nach weiteren Lösungsansätzen. Außerdem müssen wir bessere Diskussionsmethoden und -Kanäle für unsere Community finden. Zum Beispiel könnte das erwähnte Sorgenkind Kurier-Diskussionsseite aus meine Sicht durch eine bessere Gliederung oder sogar eine Moderation viel gewinnen.

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Als altgedientes Community-Mitglied (ob ich anerkannt bin, sollen andere entscheiden) kann ich Dir nur zustimmen. Und ich gebe offen zu: die Diskussionsseite des Kuriers habe ich via Skript von meiner Beobachtungsliste ausgeblendet.
Warum? Aus meiner Sicht werden dort viel zu wenig konstruktive Diskurse geführt (die schätze ich), sondern es werden auf destruktive Weise ("Das sage ich schon seit drölf Jahren") Meinungen und Mitmenschen fertig gemacht. Ich habe mich schon einige Male zum Ton geäußert und eine andere Diskussionsweise versucht einzufordern. Aber das "dicke Fell" führt wohl dazu, dass solche Apelle folgenlos ignoriert werden. Was ändern? Vielleicht mehr positiven Spirit reinbringen, gute Diskussionsbeiträge loben, damit die mehr werden und sich solche Menschen ermutigt fühlen? Auf jeden Fall werde ich die WP:Kurier-Disk nach wie vor nur dann besuchen, wenn ich dafür Zeit und Muße habe. Es dankt für die nicht nachlassende Initiative auf jeden Fall der emha db 09:50, 7. Feb. 2019 (CET) (der immer noch seine völlig aus der Mode gekommene Bewertungsseite in der Signatur verlinkt hat …)

Vielen Dank für den Bericht und die Gedanken zum Problem, Gnom! Da ich organisatorisch eingespannt war, konnte ich eure Diskussion an der WikiCon leider nicht verfolgen. Was mich doch ein klein wenig stört, ist, dass auch in diesem Beitrag hier wieder einmal schlechte Umgangsformen – dass solche in der Wikipedia zu oft anzutreffen sind, will ich dabei keineswegs leugnen – als schier einzig denkbarer Grund für die abnehmende Zahl aktiver BenutzerInnen dargestellt werden; so sieht es jedenfalls aus, wenn File:WP-Stat-aktive-Ben (2018-12).svg in diesem Zusammenhang mit der Bildlegende "Ja, wir haben ein Problem" eingebunden wird. Ich bin ja der Ansicht, dass diese Abnahme wesentlich auch in der zunehmenden inhaltlichen Reife des Projekts begründet und bis zu einem gewissen Grad vielleicht unvermeidlich ist. Die ganz auffälligen Lücken, gänzlich fehlende typische "Brockhaus-Artikel" wie Nordsee, Brot, Sonne oder Johann Wolfgang von Goethe, gibt es hier halt längst nicht mehr. Das motiviert weniger Leute zum Einsteigen und Mitmachen, zusammen mit den gestiegenen Qualitätsanforderungen. Ein Stub wie die Erstversion von "Nordsee" würde nicht mehr akzeptiert und als Grundlage für Verbesserungen und Ausbau des Artikels genommen, sondern schnellgelöscht. Wieviele Leute hier wirklich wegen der Umgangsformen ausgestiegen sind, wissen wir nicht (es gibt evtl. Umfragen dazu? Mir fällt gerade keine ein – aber man müsste ja gerade die Leute befragen, die hier nicht mehr aktiv sind, was schwierig sein dürfte). Wie gesagt: Dass die Umgangsformen in der Wikipedia nicht so sind, wie sie sein sollten, ist nicht zu leugnen. Aber man sollte sich auch nicht so sehr auf diesen Teilaspekt fixieren, dass am Ende womöglich gar so etwas wie "solange die Teilnehmerzahlen nicht wieder steigen, stimmt etwas mit unseren Umgangsformen nicht" rauskommt und man verzweifelt mit Tools und "Erziehungsmassnahmen" auf die Wikipedianer einteufelt, ohne dass sich der gewünschte allgemeine Aktivitätsschub einstellt. Gestumblindi 23:08, 7. Feb. 2019 (CET)

Lieber Gestumblindi, danke für diese Anmerkung. Dass man in Wikipedia nicht mehr so leicht "einfach was schreiben" kann, ist richtig – und ich stimme dir zu, dass das wahrscheinlich auch ein Faktor für die abnehmenden Autorenzahlen ist. Aber auf diese Entwicklung haben wir keinen Einfluss – auf unseren Umgang miteinander schon. Gruß, --Gnom (Diskussion) 12:22, 8. Feb. 2019 (CET)
Ich verstehe Gestumblindi so - und würde ihm darin zustimmen - dass man die Umgangsformen (und Möglichkeiten zu ihrer Verbesserung) ja gerne diskutieren kann, ohne die sinkenden Autorenzahlen als Argument zu bemühen. Denn die Diskussion um dieses Argument (und die Frage welche Gründe hier vllt. noch mit reinspielen) lenkt nämlich allzuleicht von dem Thema ab, dass Du (Gnom) eigentlich diskutieren willst. --Uwe Rohwedder (Diskussion) 13:00, 8. Feb. 2019 (CET)
Dem würde ich mich anschließen - selbst wenn die Autorenzahlen steigen würden, wären die Umgangsformen noch immer ein massives Problem. --Braveheart Diskussion 14:22, 8. Feb. 2019 (CET)
Hm, das hieße, einfach nur an die guten Manieren der Leute zu appellieren. Ich dachte, mit dem Autorenschwund hätte ich ein rationaleres Argument. --Gnom (Diskussion) 20:28, 9. Feb. 2019 (CET)
Das ist vor allem eine Generationenfrage. Ich war noch zu einer Zeit online sozialisiert worden, als RTFM ein vollkommen sachlich gemeinter Ratschlag war. Die Virtuellen Gemeinschaften, wie sie Howard Rheingold beschrieben hatte, kannten sich nicht persönlich und arbeiteten rein sachbezogen zusammen. Hart, aber herzlich. Herzlich, aber hart. Wer dagegen erst seit Mitte der 2000er Jahre online ist, hat diese Verhältnisse meist nicht mehr kennengelernt und erlebt daher Online-Kommunikation ganz anders. Seit man vorwiegend im Kreise seiner Freunde chattet und facebookt, haben sich die Erwartungen an den Umgangston online grundlegend verändert. Früher waren nur Nerds online, heute ist praktisch jeder, Inhomogenität ist daher bestimmend. Dazu kommt das Problem, dass in den letzten Jahren allgemein der Umgangston entgleist ist, überall, aber das hat nichts mit der Stimmung in Wikipedia zu tun, die ist nach meinem Dafürhalten seit 2005 in etwa gleich geblieben. Fazit: Ein rationales Argument ist immer gut, aber es hilft hier eigentlich nicht weiter, weil es, siehe oben, eine Generationenfrage ist, was man für normal hält und wie man sich selbst gibt. Der Schwerpunkt der Community liegt bei eher älteren Semestern, die schon sehr langfristig teilnehmen, und wir haben uns vom Online-Mainstream über die Jahre immer mehr entfernt. Die Lücke, die da klafft, ist nicht durch irgendwelche Appelle zu beheben. Basis, Überbau.--Aschmidt (Diskussion) 22:17, 9. Feb. 2019 (CET)
Hm. Ich möchte nicht abstreiten, dass das von dir beschriebene Phänomen existiert – insofern danke für deinen Beitrag, weil du sicher einen relevanten Punkt beschreibst. Aber das, was wir zum Beispiel auf der Diskussionsseite des Kuriers sehen, ist nicht „hart, aber herzlich“, sondern einfach in jeder Hinsicht inakzeptabel. Und bei den Ausfälligkeiten, die da mittlerweile an der Tagesordnung sind, hängt es nicht von der „Sozialisierung“ ab, ob man damit umgehen kann oder nicht. --Gnom (Diskussion) 22:44, 9. Feb. 2019 (CET)
Dann setze ich nochmal etwas anders an: Speziell der Kurier ist kein tonales Problem, sondern ein soziales. Der Ton folgt dem, wer sich dort trifft. Auch das wird man nicht durch Appelle ändern können. Das sind Krisensymptome, die schwer zu fassen sind. Dass wir insgesamt immer weniger werden, ist nur ein Aspekt davon. Solange das, was dort passiert, nicht verstanden wird, kann man darauf nicht einwirken. Man schaue sich die Benutzerbiografien an. Ich glaube, du greifst zu kurz. Was man bräuchte, wäre eine tiefergehende sozialpsychologische und kommunikationstheoretische Analyse. Es ginge darum, Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten, aber auch um Dialektik, siehe oben.--Aschmidt (Diskussion) 22:55, 9. Feb. 2019 (CET)

17. Dezember 2018: Die 23. Mitgliederversammlung.

Impression von der 23. Mitgliederversammlung.
Impression von der 23. Mitgliederversammlung.

Am 1. Dezember fand in Berlin die 23. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland statt. 131 Mitglieder und 30 Gäste trafen sich einen Tag lang im Umweltforum Berlin – wie immer souverän geleitet von Lyzzy und Akl. Lyzzy ist ja seit August leider nicht mehr Mitglied des WMF-Boards, so dass ich mich sehr gefreut habe, dass sie Wikimedia ganz offensichtlich eng verbunden bleibt.

Für mich bedeutete die Veranstaltung den Beginn meiner Amtszeit als Vorsitzender des Präsidiums und obwohl ich ohne GegenkandidatIn zur Wahl stand, war ich natürlich mächtig aufgeregt. Durch den Weggang von Bücherwürmlein, Sebmol, Kurt und Jojoon sowie Gabriele (danke euch!) hat sich das Gremium personell sehr verändert und ich freue mich sehr auf die bevorstehende Zusammenarbeit mit den gewählten Sabria, Seewolf, Daniel, Cirdan, Marcus (siehe auch seinen Auftaktbericht im Kurier) und Peter. Mein – für die meisten Leser wahrscheinlich unspektakuläres – „Wahlprogramm“ findet sich im Vereinswiki. Danke für eure Stimmen und euer Vertrauen!

Andrea spricht zur politischen Positionierung des Vereins.
Andrea spricht zur politischen Positionierung des Vereins.

Wie auf jeder Herbst-Mitgliederversammlung gab es einen Bericht des Präsidiums, einen kurzen „Zwischenbericht“ des Vorstands und den Beschluss des Wirtschaftsplans. Darüber hinaus haben wir, angestoßen von a_ka_es, über die politische Positionierung des Vereins diskutiert. Diese Debatte wollen wir in den nächsten Wochen weiterführen – John Weitzmann wird dazu einladen und ich werde auch noch einmal hier im Blog etwas dazu schreiben.

Außerdem hat die Mitgliederversammlung unseren Antrag angenommen, die Anzahl der förmlichen Mitgliederversammlungen von zwei auf eine im Jahr zu reduzieren, auch wenn das bedeutet, dass der Wirtschaftplan zukünftig vom Präsidium beschlossen werden muss. Hierzu hatten Lyzzy und Cirdan während der Diskussion im Vereinsforum einen sehr guten Vorschlag gemacht: Zukünftig muss die Mitgliederversammlung nämlich Änderungen der Strategie des Vereins genehmigen und hat so weiterhin (und meiner Meinung nach sogar besseren) Einfluss auf die inhaltliche Arbeit des Vereins.

Bei meiner Erwiderung auf Andrea.
Bei meiner Erwiderung auf Andrea.

Damit findet die nächste Mitgliederversammlung im Juni 2019 (wieder in Berlin) als „Wochenende des Freien Wissens“ statt. Dort werden wir voraussichtlich auch zum ersten Mal eine mögliche Anpassung der Strategie des Vereins diskutieren. Denn durch die Umsetzung der jetzt beschlossenen Strategie und die zweite Phase der Movement Strategy stehen uns unter Umständen wesentliche Veränderungen ins Haus. Gleichzeitig hat die Mitgliederversammlung dem Vorstand auch einen klaren Auftrag erteilt, neue regionale Veranstaltungsformate auszuprobieren.

Abgeschlossen wurde der Tag dann mit der Preisverleihung von Wiki Loves Monuments Deutschland, und zwar (ganz ohne mein Zutun!) umrahmt von einem Chor, indem auch MitarbeiterInnen der Geschäftsstelle mitsangen. Stolz wie Bolle war ich natürlich, als der diesjährige Sieger Ermell mich in seiner Danksagung erwähnte – wir hatten uns nämlich 2015 bei einem Orchesterprojekt kennen gelernt und ich hatte ihn damals beim Abendessen ermuntert, doch ein paar seiner Fotos bei Wiki Loves Monuments einzureichen... Herzlichen Glückwunsch!

Das frisch gewählte 6. Präsidium (Vorstellungsvideo).
Das frisch gewählte 6. Präsidium (Vorstellungsvideo).

Am folgenden Tag – dem ersten Advent – fand dann die konstituierende Sitzung des neu gewählten Präsidiums statt, die ich unterstützt von Moritz Rahm leiten durfte. Mit Daniel, Cirdan und Marcus haben wir drei neue Gesichter in der Gruppe und nach einem ersten Informationsaustausch gleich den Kooptationsprozess angestoßen: Unsere Amtszeit dauert nämlich nur bis Mai 2020 und wir wollen die Kooptation nutzen, zusätzliche fachliche Expertise in unsere Gruppe zu holen und – auch aufgrund deutlicher Rückmeldungen auf der Mitgliederversammlung – das Geschlechterverhältnis zu verbessern.

Das ist jetzt schon wieder zwei Wochen her und ich komme erst jetzt zum Bloggen – die Arbeit im Präsidium ist leider nach wie vor ein Ehrenamt, das sich neben dem Beruf gar nicht so leicht bewältigen lässt. Derzeit bin ich insbesondere dabei, unsere erste Klausur im Februar vorzubereiten. Im Vereinsblog gibt es den offiziellen Bericht der Mitgliederversammlung und die Protokolle sowohl der Mitgliederversammlung als auch der konstituierenden Sitzung des Präsidiums werden in den nächsten Tagen veröffentlicht. Außerdem sind in den letzten Monaten zwei neue Artikel entstanden, und zwar Synchronisationsrecht (auf der Grundlage eines Flurgesprächs in der Kanzlei) und Peter Weiland (beim Wikipedia-Aktionstag am 28. Oktober).

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  • Eure Amtszeit geht nur 5 Monate? Oder meintest du den Mai 2020? Und im ersten Absatz ist ein Tippfehler: "offentlich" – soll das "hoffentlich", "offensichtlich", oder "öffentlich" heißen? -- Lg, Michi 12:38, 17. Dez. 2018 (CET)
Danke! Habe es korrigiert. Gruß, --Gnom (Diskussion) 12:55, 17. Dez. 2018 (CET)

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Benutzer:Gnom/Blog
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