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Olympische Sommerspiele 1936/Leichtathletik – Stabhochsprung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Sportart Leichtathletik
Disziplin Stabhochsprung
Geschlecht Männer
Teilnehmer 30 Athleten aus 21 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion Berlin
Wettkampfphase 5. August 1936
Medaillengewinner
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Earle Meadows (USA)
Japan 1870
Nishida Shūhei (JPN)
Japan 1870
Ōe Sueo (JPN)
1932 1948
Nishida Shūhei (vor 1935)
Nishida Shūhei (vor 1935)

Der olympische Stabhochsprungwettbewerb von 1936 wurde am 5. August 1936 ausgetragen und ging wegen des langen Kampfes von zwei Japanern und zwei US-Amerikanern um die Medaillen in die Sportgeschichte ein. Der US-Springer Earle Meadows wurde schließlich Olympiasieger. Die beiden Japaner Nishida Shūhei und Ōe Sueo platzierten sich zunächst als gemeinsame Zweite, nachdem der US-Amerikaner Bill Sefton im Stechen um die Silbermedaille im Gegensatz zu den beiden Japanern ausgeschieden war. Shūhei und Sueo verzichteten auf eine Fortsetzung des Stechens und die japanische Mannschaftsführung entschied unter Anwendung der damals noch nicht gültigen Fehlversuchsregel, dass Nishida Shūhei Zweiter und Ōe Sueo Dritter sei. Da die beiden Athleten mit dieser Entscheidung nicht einverstanden waren, ließen sie ihre Olympiamedaillen in ihrer Heimat halbieren und zu je einer aus einem halben Anteil Silber und einem halben Anteil Bronze zusammensetzen.

Bestehende Rekorde

Durchführung des Wettbewerbs

Am 5. August fand zunächst eine Qualifikation statt. Die Qualifikationshöhe war mit 3,80 m so niedrig angesetzt, dass von den dreißig angetretenen Athleten nur fünf ausschieden. 25 Springer qualifizierten sich für das Finale am Nachmittag. Durch diese hohe Anzahl waren die Weichen gestellt für eine äußerst lange Dauer des Finales bis weit in die Abendstunden hinein.

Qualifikation

Datum: 1. August 1932, am Vormittag
Qualifikationshöhe: 3,80 m

Folgende Springer schafften diese Höhe nicht:

Name Nation Höhe
Aulis Reinikka FinnlandFinnland Finnland 3,70 m
Evald Äärma EstlandEstland Estland 3,70 m
Jasa Bakov Jugoslawien Konigreich 1918
 Jugoslawien
3,70 m
Rigoberto Pérez Mexiko 1934
 Mexiko
3,50 m
Guillermo Chirichigno Peru 1825
 Peru
3,50 m

Finale

Abbildung einer Medaille der Olympischen Sommerspiele von 1936
Abbildung einer Medaille der Olympischen Sommerspiele von 1936

Datum: 5. August 1936, 16 Uhr

Weltrekordler George Varoff hatte bei den nationalen Ausscheidungen nur Platz vier belegt und sich damit nicht für den Olympiawettkampf qualifizieren können. Der Stabhochsprungwettkampf in Berlin dauerte bis 21:00 Uhr, zwischen 18:15 Uhr und 18:35 Uhr musste er wegen Regens unterbrochen werden. Als um die Medaillen gesprungen wurde, war es schon so dunkel, dass die Scheinwerfer eingeschaltet wurden. Zusammen mit der äußeren Kühle waren diese Bedingungen nicht einfach für die Springer. Wieder gab es einen Kampf zwischen US-Amerikanern und Japanern, bei dem Nishida Shūhei und William Graber wie 1932 beteiligt waren. Der US-Amerikaner Earle Meadows war nach einigen Fehlversuchen bei niedrigeren Höhen schließlich der einzige, der die olympische Rekordhöhe von 4,35 m überquerte. Die Rangfolge auf den Plätzen zwei bis vier wurde durch einen Stichkampf entschieden. Shūhei erreichte dabei genauso wie sein Landsmann Ōe Sueo eine Höhe von 4,25 m. Da der am Stechen ebenfalls beteiligte William Sefton inzwischen ausgeschieden war, einigten sich die beiden Japaner, auf eine weitere Fortsetzung zu verzichten.
Die japanische Mannschaftsleitung legte daraufhin fest, dass Shūhei die Silber- und Sueo die Bronzemedaille erhalten sollte, weil Shūhei einen Fehlversuch weniger hatte. Die beiden Athleten waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. Sie zerschnitten nach ihrer Rückkehr ihre Medaillen und setzten sie mit jeweils der anderen Hälfte wieder zusammen.[2][3] Dieser einmalige Vorgang in der olympischen Sportgeschichte wurde als wahrer Teamgeist und wahre Freundschaft angesehen und weltweit bekannt. Die zwei Medaillen werden im japanischen als Yūjō no Medal (友情のメダル Yūjo no Medaru)[3] bzw. im englischsprachigen Raum als Medal of Friendship[2] (deutsch Medaille der Freundschaft) oder als Medal of eternal Friendship[4] (dt. Medaille der ewigen Freundschaft) bezeichnet.
Natürlich änderte das Zerteilen der Medaillen nichts an der offiziellen Rangfolge. Allerdings mutet es heute schon etwas seltsam an, dass eine nationale Mannschaftsführung und nicht das Kampfgericht die offizielle Rangfolge festlegt.
Der sechste Platz wurde mit einer gesprungenen Höhe von 4,00 m insgesamt elfmal vergeben. Auf ein Stechen wurde hierbei verzichtet.[5][6]

Platz Name Nation 3,40 m 3,60 m 3,80 m 4,00 m 4,15 m 4,25 m 4,35 m 4,45 m Höhe Anmerkung
1 Earle Meadows Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA - o - o o xo xo xxx 4,35 m OR
2 Nishida Shūhei Japan 1870
 Japan
- - o o o o xxx 4,25 m 4,25 m im Stichkampf mit Ōe Sueo und William Sefton
3 Ōe Sueo Japan 1870
 Japan
- - o o o xo xxx 4,25 m 4,25 m im Stichkampf mit Nishida Shūhei und William Sefton
4 Bill Sefton Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA - o - o xxo o xxx 4,25 m ogV im Stichkampf mit Nishida Shūhei und Ōe Sueo
5 William Graber Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA - o - o xo xxx 4,15 m
6 Adachi Kiyoshi Japan 1870
 Japan
- o o o xxx 4,00 m Auf das Stechen
um Platz sechs
wurde verzichtet.
Syl Apps Kanada 1921
 Kanada
- o o o xxx
Péter Bácsalmási Ungarn 1918
 Ungarn
- o o xxo xxx
Josef Haunzwickel OsterreichÖsterreich Österreich - o o xo xxx
Danilo Innocenti Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien - o o xo xxx
Jan Korejs Tschechoslowakei 1920
 Tschechoslowakei
- xo o xxo xxx
Bo Ljungberg SchwedenSchweden Schweden - o o o xxx
Alfred Proksch OsterreichÖsterreich Österreich - o o o xxx
Wilhelm Schneider Polen 1928
 Polen
- - o o xxx
Richard Webster Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich - o o o xxx
Viktor Zsuffka Ungarn 1918
 Ungarn
- o o xxo xxx
17 Andries du Plessis Sudafrika 1928
 Südafrikanische Union
o o o xxx
17 Ernst Larsen DanemarkDänemark Dänemark - o o xxx 3,80 m
Julius Müller Deutsches Reich NS
 Deutsches Reich
- o o xxx
Miroslav Klásek Tschechoslowakei 1920
 Tschechoslowakei
- o o xxx
Fu Baolu China Republik 1928
 China
- o o xxx
Pierre Ramadier Dritte Französische Republik
 Frankreich
- o o xxx
Siegfried Schulz Deutsches Reich NS
 Deutsches Reich
- o o xxx
24 Adolfo Schlegel ChileChile Chile - xo xxx 3,60 m
25 André Crépin Dritte Französische Republik
 Frankreich
o xxx 3,40 m

Nachbetrachtung

Ōe Sueo, der während seiner Sportkarriere an der Keiō-Universität studierte, fiel Ende Dezember 1941 während des Zweiten Weltkriegs. Nishida Shūhei war ein Student der Waseda-Universität. Am 21. Juni 2005 überreichte seine älteste Tochter Amano Kiyoko Shūheis Medaille sowie weitere Sporttrophäen der Universität im Rahmen einer Feierstunde. Die Silber-Bronzemedaille wurde anschließend im Aizu-Museum auf dem Gelände der Universität ausgestellt.[7] Sueos Medaille befindet sich im Sportmuseum Chichibu-no-Miya Kinen Sports Hakubutsukan.[3]

Literatur

  • Ekkehard zur Megede, Die Geschichte der olympischen Leichtathletik, Band 1: 1896–1936, Verlag Bartels & Wernitz KG, Berlin, 2. Auflage 1970, S. 288–290

Einzelnachweise

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 548 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive)
  2. a b waseda.jp: Bonds of Friendship Tied Rivals- Waseda and Keio. Medal of Friendship, vom 1. August 2011, in englischer Sprache, abgerufen am 2. August 2012
  3. a b c 友情のメダル. (Nicht mehr online verfügbar.) In: オリンピック・メモリアルグッズ. Japanisches Olympisches Komitee, archiviert vom Original am 3. August 2012; abgerufen am 3. August 2012 (japanisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.joc.or.jp
  4. athleteoutreach.com (Memento des Originals vom 30. Juli 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/athleteoutreach.com: Sueo Oe and Shuhei Nishida: Friendship on the Field, in englischer Sprache, abgerufen am 2. August 2012
  5. sports-reference.com: Athletics at the 1936 Berlin Summer Games, in englischer Sprache, abgerufen am 4. August 2012
  6. Ekkehard zur Megede, Die Geschichte der olympischen Leichtathletik, Band 1: 1896–1936, Verlag Bartels & Wernitz KG, Berlin, 2. Auflage 1970, S. 288f
  7. waseda.jp: Medal of Friendship Donated to Waseda University - A donation ceremony for Syuhei Nishida, in englischer Sprache, abgerufen am 2. August 2012
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Olympische Sommerspiele 1936/Leichtathletik – Stabhochsprung
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