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Olympische Sommerspiele 1968/Leichtathletik – Weitsprung (Männer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Sportart Leichtathletik
Disziplin Weitsprung
Geschlecht Männer
Teilnehmer 35 Athleten aus 22 Ländern
Wettkampfort Estadio Olímpico Universitario
Wettkampfphase 17. Oktober 1968 (Qualifikation)
18. Oktober 1968 (Finale)
Medaillengewinner
Bob Beamon (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA)
Klaus Beer (Deutschland Demokratische Republik 1968
 GDR)
Ralph Boston (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA)

Der Weitsprung der Männer bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt wurde am 17. und 18. Oktober 1968 im Estadio Olímpico Universitario ausgetragen. 35 Athleten nahmen teil.

Olympiasieger wurde der US-Amerikaner Bob Beamon. Er gewann mit einer neuen Weltrekordweite von 8,90 m vor Klaus Beer aus der DDR und Ralph Boston aus den USA.

Der Rekordsprung des Siegers Beamon war die wohl bekannteste Leichtathletik-Leistung der Spiele von Mexiko-Stadt. Beamon übertraf den bis dahin bestehenden Weltrekord um gleich 55 Zentimeter. Es war die größte Verbesserung des Weltrekordes in der Geschichte des Weitsprungs. Dieser Rekord hatte 23 Jahre Bestand, bevor am 30. August 1991 bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1991 in Tokio der US-Amerikaner Mike Powell fünf Zentimeter weiter sprang. Beamons 8,90 m haben als Olympiarekord heute noch Bestand – Stand Oktober 2018, die Weite ist der älteste noch bestehende olympische Rekord.

Für die BR Deutschland – offiziell Deutschland – startete Reinhold Boschert, der sich für das Finale qualifizierte und Zwölfter wurde.
Die DDR – offiziell Ostdeutschland – war durch den Silbermedaillengewinner Klaus Beer vertreten.
Athleten aus der Schweiz, Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Bestehende Rekorde

Weltrekord 8,35 m Ralph Boston (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA) Modesto, USA 29. Mai 1965
Igor Ter-Owanesjan (Sowjetunion 1955
 Sowjetunion)
Mexiko-Stadt, Mexiko 19. Oktober 1967[1]
Olympischer Rekord 8,12 m Ralph Boston (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA) Finale von Rom, Italien 2. September 1960

Durchführung des Wettbewerbs

Die Athleten traten am 17. Oktober zu einer Qualifikationsrunde an, die in zwei Gruppen absolviert wurde. Die besten zwölf Starter qualifizierten sich für das Finale. Mit einer Weite von 7,65 m war man direkt für das Finale am 18. Oktober qualifiziert. Im Finale hatte jeder Teilnehmer zunächst drei Versuche. Zum ersten Mal bei Olympischen Spielen wurden den acht besten – und nicht wie bisher nur den sechs besten – Athleten dann drei weitere Versuche zugestanden.

Zeitplan

17. Oktober, 10.30 Uhr: Qualifikation
18. Oktober, 15.30 Uhr: Finale[2]

Anmerkung: Alle Zeiten sind Ortszeit Mexiko-Stadt (UTC −6)

Die qualifizierten Athleten sind hellblau unterlegt.

Qualifikation

Datum: 17. Oktober 1968, ab 10.30 Uhr[3]

Gruppe A

Nach Olympiarekord in der Qualifikation reicht es für den US-Amerikaner Ralph Boston im Finale "nur" zu Bronze:
Nach Olympiarekord in der Qualifikation reicht es für den US-Amerikaner Ralph Boston im Finale "nur" zu Bronze:
Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite Anmerkung
1 Ralph Boston Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 8,27 m OR - - 8,27 m OR
2 Bob Beamon Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA x x 8,19 m 8,19 m
3 Tõnu Lepik Sowjetunion 1955
 Sowjetunion
7,91 m - - 7,91 m
Jack Pani FrankreichFrankreich Frankreich
5 Michael Ahey GhanaGhana Ghana 7,18 m 7,77 m - 7,77 m
6 Victor Brooks Jamaika
 Jamaika
x 7,54 m 7,72 m 7,72 m
7 Andrzej Stalmach Polen 1944
 Polen
7,60 m 7,48 m 7,70 m 7,70 m
8 Leonid Barkowski Sowjetunion 1955
 Sowjetunion
7,25 m 7,70 m - 7,70 m
9 Hiroomi Yamada JapanJapan Japan 7,67 m - - 7,67 m
10 Alan Lerwill Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien 7,57 m 7,62 m 7,60 m 7,62 m
11 Shinji Ogura JapanJapan Japan 7,57 m x 7,28 m 7,57 m
12 Philippe Housiaux BelgienBelgien Belgien 7,30 m 7,44 m 7,40 m 7,44 m
13 Clément Sagna SenegalSenegal Senegal 7,26 m 7,17 m 7,31 m 7,31 m
14 Gerald Wisdom Bahamas 1964
 Bahamas
x x 6,99 m 6,99 m
15 Chen Ming-Chi Taiwan
 Taiwan
6,62 m x 6,71 m 6,71 m
16 Owen Meighan Britisch Honduras
 Britisch Honduras
x 6,06 m 6,06 m 6,06 m
ogV Peter Reed Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien x x x ohne Weite

Gruppe B

Im Finale auf Platz vier:Igor Ter-Owanesjan, UdSSR
Im Finale auf Platz vier:
Igor Ter-Owanesjan, UdSSR
Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite Anmerkung
1 Lynn Davies Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien x x 7,94 m 7,94 m
2 Charles Mays Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 7,85 m - - 7,85 m
3 Reinhold Boschert Deutschland BR
 BR Deutschland
x 7,79 m - 7,79 m
4 Klaus Beer Deutschland Demokratische Republik 1968
 DDR
7,77 m - - 7,77 m
Lars-Olof Höök SchwedenSchweden Schweden
6 Gérard Ugolini FrankreichFrankreich Frankreich 7,75 m - - 7,75 m
7 Igor Ter-Owanesjan Sowjetunion 1955
 Sowjetunion
7,74 m - - 7,74 m
8 Allen Crawley AustralienAustralien Australien x 7,71 m - 7,71 m
9 Pertti Pousi FinnlandFinnland Finnland 7,46 m 7,63 m x 7,63 m
10 Laurent Sarr SenegalSenegal Senegal 7,27 m 7,50 m 7,61 m 7,61 m
11 Galdino Flores MexikoMexiko Mexiko 7,38 m 7,59 m x 7,59 m
12 Naoki Abe JapanJapan Japan 7,44 m x 7,58 m 7,58 m
13 Wellesley Clayton Jamaika
 Jamaika
7,54 m 7,57 m x 7,57 m
14 Michel Charland KanadaKanada Kanada 7,15 m 7,35 m 7,35 m 7,35 m
15 Su Wen-Ho Taiwan
 Taiwan
7,30 m x 7,14 m 7,30 m
16 Nyak Voon Chong MalaysiaMalaysia Malaysia 7,09 m x 7,29 m 7,29 m
17 Donald Vélez Nicaragua 1908
 Nicaragua
x 6,63 m x 6,63 m
18 Jean Cochard FrankreichFrankreich Frankreich 6,11 m - x 6,11 m

Finale

Bob Beamon, USA, bei seinem Siegsprung
Bob Beamon, USA, bei seinem Siegsprung
DDR-Springer Klaus Beer gewann Silber
DDR-Springer Klaus Beer gewann Silber

Datum: 18. Oktober 1968, 15.30 Uhr[3]

Für diesen Wettkampf gab es drei Favoriten: den Olympiasieger von 1960 und Weltrekord-Halter Ralph Boston aus den USA, den sowjetischen Mit-Weltrekordler Igor Ter-Owanesjan und den britischen Olympiasieger von 1964 Lynn Davies. Während Boston in der Qualifikation gleich im ersten Versuch einen neuen Olympiarekord sprang, hatte Davies Mühe und schaffte den Finaleinzug erst im dritten und letzten Versuch.
Siebzehn Springer hatten die geforderte Qualifikationsweite erreicht und standen im Finale. Gleich im ersten Versuch gelang dem als großes Talent geltenden Bob Beamon die für unmöglich gehaltene Weite von 8,90 m – 55 Zentimeter weiter als der bestehende Weltrekord. In der Qualifikation war Beamon mit dem Anlauf nicht zurechtgekommen und hatte sich wie Davies erst mit seinem letzten Versuch qualifiziert. Sein 8,90-Meter-Sprung indes war für die bestehenden Messvorrichtungen zu weit. Erst mit einem herbeigeschafften Stahlmaßband ließ sich das korrekte Ergebnis ermitteln. Die Windunterstützung lag im gerade noch zulässigen Bereich von 2,0 Metern pro Sekunde, sodass der Sprung als Weltrekord anerkannt werden konnte. Beamon sprang daraufhin nur noch einmal und beließ es anschließend dabei – im Wissen, dass ihm eine solche Weite niemals ein zweites Mal gelingen würde.
Beamons Gegner waren wie gelähmt. Eine weitere Überraschung war der Silbermedaillengewinn des DDR-Springers Klaus Beer, der im zweiten Versuch auf 8,19 m kam und damit sogar noch drei cm vor Ralph Boston lag. Igor Ter-Owanesjan wurde mit 8,12 m Vierter.[4]
Überliefert sind Reaktionen von Davies und Ter-Owanesjan auf Beamons Sprung. So sagte der sowjetische Mitfavorit zu Davies: Compared to this jump, we are children – deutsch: Verglichen mit diesem Sprung sind wir Kinder. – Davies warf Beamon vor: "You have destroyed this event." – deutsch: Du hast diesen Wettkampf zerstört.[5]

Platz Name Nation 1. V. 2. V. 3. V. 4. V. 5. V. 6. V. Endresultat Anmerkung
1 Bob Beamon Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 8,90 m WR 8,04 m - - - - 8,90 m WR
2 Klaus Beer Deutschland Demokratische Republik 1968
 DDR
7,97 m 8,19 m x 7,62 m x x 8,19 m
3 Ralph Boston Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 8,16 m 8,05 m 7,91 m x x 7,97 m 8,16 m
4 Igor Ter-Owanessjan Sowjetunion 1955
 URS
8,12 m 8,09 m x x 8,10 m 8,08 m 8,12 m
5 Tõnu Lepik Sowjetunion 1955
 URS
7,82 m 8,09 m 7,63 m 7,36 m 7,84 m 7,75 m 8,09 m
6 Allen Crawley AustralienAustralien AUS x 8,01 m x 7,80 m x 8,02 m 8,02 m
7 Jack Pani FrankreichFrankreich FRA 7,94 m 7,97 m 7,69 m 7,58 m 7,61 m x 7,97 m
8 Andrzei Stalmach Polen 1944
 POL
7,71 m 7,94 m 7,88 m 7,75 m 7,75 m 7,84 m 7,94 m
9 Lynn Davies Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich GBR 6,43 m 7,94 m x nicht im Finale der
besten acht Springer
7,94 m
10 Hiroomi Yamada JapanJapan JPN x 7,93 m x 7,93 m
11 Leonid Barkowski Sowjetunion 1955
 URS
7,90 m 7,82 m x 7,90 m
12 Reinhold Boschert Deutschland BR
 FRG
x 7,54 m 7,89 m 7,89 m
13 Michael Ahey GhanaGhana GHA 7,71 m 7,57 m 7,40 m 7,71 m
14 Lars-Olof Höök SchwedenSchweden SWE 7,66 m x x 7,66 m
15 Victor Brooks Jamaika
 JAM
x x 7,51 m 7,51 m
16 Gérard Ugolini FrankreichFrankreich FRA 7,44 m 7,02 m x 7,44 m
ogV Charles Mays Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA x x x ohne Weite

Literatur

  • Ekkehard zur Megede, Die Geschichte der olympischen Leichtathletik, Band 2: 1948–1968, Verlag Bartels & Wernitz KG, Berlin, 1. Auflage 1969, S. 360–363

Video

Einzelnachweise

  1. IAAF Weltrekorde. Weitsprung Männer auf rekorde-im-sport.de. abgerufen am 9. November 2017
  2. Offizieller Report der Olympischen Sommerspiele 1968 S. 10, engl./frz. (PDF), abgerufen am 9. November 2017
  3. a b Offizieller Report der Olympischen Sommerspiele 1968 S. 528, engl./frz. (PDF), abgerufen am 9. November 2017
  4. Artikel im Blog Weltrekordler.de (Memento vom 23. November 2007 im Internet Archive), abgerufen am 9. November 2017
  5. Artikel auf ESPN (engl.), abgerufen am 9. November 2017
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Olympische Sommerspiele 1968/Leichtathletik – Weitsprung (Männer)
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