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Suchohrdly u Miroslavi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Suchohrdly u Miroslavi
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 782 ha
Geographische Lage: 48° 57′ N, 16° 22′ OKoordinaten: 48° 56′ 33″ N, 16° 21′ 48″ O
Höhe: 230 m n.m.
Einwohner: 487 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 671 72
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: ZnojmoPohořelice
Bahnanschluss: Hrušovany nad Jevišovkou–Brno
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Barbora Arndt (Stand: 2009)
Adresse: Suchohrdly u Miroslavi 86
671 72 Miroslav
Gemeindenummer: 594849
Website: www.suchohrdlyumiroslavi.cz

Suchohrdly u Miroslavi (deutsch Socherl) ist eine Gemeinde in Südmähren (Tschechien). Der Ort liegt 20 km nördlich der österreichischen Grenze an der Hauptstraße BrnoZnojmo, 40 km südlich von Brünn.

Geographie

Nachbardörfer sind Našiměřice (Aschmeritz) im Norden, Trnové Pole (Dornfeld) im Osten, Damnice (Damitz) im Süden und Miroslav (Mißlitz) im Westen. Der Ort selbst ist als ein Breitstraßendorf angelegt.

Geschichte

Die Anlage des Ortes und die bis zum Schicksalsjahr 1945 gesprochene Ui-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Kennwörtern weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie um 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2][3] Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes findet sich in einer lateinischen Urkunde im Jahre 1358. Dort ist von einem „in villis Svchohvrdl“ die Rede. Die Schreibweise des Ortes änderte sich im Laufe der Jahre mehrmals, so sprach man im 17. Jahrhundert von „Czucherle“, 1718 von „Sucherle“ und ab 1751 unverändert das heutige „Socherl“.

Das Dorf wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und verödete dadurch vollkommen. Erst in den Jahren 1667 bis 1672 wurde der Ort neu gegründet und besiedelt. Von 1692 bis 1784 war Socherl ein Teil der Herrschaft des Klosters Bruck. Dies wird auch im Ortssiegel ersichtlich. Im Ort selbst wurde ein herrschaftlicher Meierhof gegründet und bewirtschaftet.[4] 1893 wird Karl Stummer als Besitzer der Herrschaft genannt und 1912 verpachtet Baronin Amalie von Hardt-Stummer das Gut Socherl an die Länderbank Brünn.[5]

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[6] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Socherl, deren Bewohner 1910 zu 90 % Deutschsüdmährer waren, an den neuen Staat. Während der Zwischenkriegszeit führten die hohe Arbeitslosigkeit unter der deutschen Bevölkerung, Maßnahmen wie die Bodenreform 1919, die Sprachenverordnung 1926, Neuansiedlungen sowie Neubesetzungen von Beamtenposten durch Personen tschechischer Nationalität, zu vermehrten Spannungen innerhalb der Volksgruppen.[7] 1930 war der Anteil der deutschen Bürger von Socherl auf 49 % gesunken. Als die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde, verschärften sich die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Socherl mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.[8]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. Nach Kriegsende wurden die Häuser der deutschmährischen Bevölkerung von tschechischen „Hausverwaltern“ in Besitz genommen. Vor den einsetzenden Exzessen durch militante Tschechen flohen viele über die nahe Grenze nach Österreich oder wurden vertrieben. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“.[9] Am 30. März 1946 wurden 85 nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Matriken werden seit 1695 geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn.[10]

Wappen und Siegel

Ein Siegel aus dem 18. Jahrhundert zeigt innerhalb einer Umschrift einen längsgeteilten Schild, bei dem vorne ein Pflugeisen mit einem Messer und hinten ein halber Adler über der Initiale W zu sehen ist.[11]

Bevölkerungsentwicklung

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 545 507 32 6
1890 547 518 26 3
1900 539 509 30 0
1910 488 478 10 0
1921 491 426 44 21
1930 509 427 70 12

[12]

Sehenswürdigkeiten

  • Filialkirche der hl. Margareta (Altarbild wurde 1665 aus Mißlitz überführt)[13]

Brauchtum

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai werden in die Fenster Holundergerten gesteckt, damit die durch die Nacht ziehenden Hexen, nicht eindringen können. Auch schmücken die Burschen einen Weidenast mit bunten Bändern und stellen diesen ihren Mädchen in den Kamin. Hat jedoch ein Mädchen einen Burschen "stehengelassen", wird möglicherweise Stroh statt Bänder ihren Weidenast im Kamin schmücken.[8]

Literatur und Quellen

  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996.

Einzelnachweise

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25.000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  4. Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, 1831, s.390
  5. Balzar: Gemeinden im Bezirk Mährisch Kromau, 1985
  6. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  7. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  8. a b Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z. 2009
  9. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  10. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 14. März 2011.
  11. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Socherl S. 222
  12. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  13. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Socherl s.34
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