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Uengershausen

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Uengershausen
Koordinaten: 49° 42′ 12″ N, 9° 54′ 23″ O
Höhe: 298 m
Fläche: 8,07 km²[1]
Einwohner: 568 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Eingemeindet nach: Reichenberg (Unterfranken)
Postleitzahl: 97234
Vorwahl: 09366

Uengershausen (fälschlicherweise auch Üngershausen) ist ein Ortsteil des Marktes Reichenberg im unterfränkischen Landkreis Würzburg.

Geografische Lage

Uengershausen liegt im Südwesten des Reichenberger Gemeindegebiets. Im Norden ist Reichenberg selbst zu finden, während im Nordosten Lindflur und weiter nordöstlich der Würzburger Stadtteil Rottenbauer gelegen ist. Südöstlich erhebt sich der Reichenberger Ortsteil Albertshausen. Südlich beginnt das Gemeindegebiet von Geroldshausen. Der Westen wird dagegen vom gemeindefreien Gebiet Guttenberger Wald eingenommen.

Geschichte

Das Dorf Uengershausen war bereits während der Jungsteinzeit von sogenannten Linearbandkeramikern besiedelt. Später legte man hier einige junghallstattzeitliche Gräber an. Nachdem das heutige Dorf infolge des Einfalls der Franken um den Hof des Frankenherren Hungo gegründet worden war, stieg im Laufe der Zeit das Würzburger Kloster St. Burkard zum Dorfherren auf. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1367 und erfolgte damit später als bei den anderen Reichenberger Ortsteilen[3]. 1474 kaufte Wolfgang von Wolffskeel von Reichenberg das Dorf von Pancratio Fischlein und dessen Frau Anna Fischlein (geborene von Lichtenstein)[4]. Während des 16. Jahrhunderts wuchs der Einfluss der Lutheraner im Dorf. Hierzu trug auch der Ritter Götz von Berlichingen bei, der im Bereich der Pfarrei Uengershausen wirkte.

Die Wolffskeel von Reichenberg, die großen Einfluss auf die Geschichte des Dorfes hatten, wandten sich ebenfalls bald der neuen Lehre zu. Weipprecht von Wolffskeel war 1516 zwar noch Domherr in Würzburg, seine Schwester, Nonne in Heidingsfeld, trat allerdings aus dem Kloster aus. Im Jahr 1525 schlossen sich die Uengershäuser dem Deutschen Bauernaufstand an, der jedoch bald niedergeschlagen wurde.[5] Noch 1565 war das katholische Kloster St. Burkard der Zehntherr im Dorf.

Zwar wurde unter der Herrschaft des Julius Echter von Mespelbrunn zunächst die Gegenreformation forciert, bis 1607 hatte sich die evangelische Lehre dann aber endgültig im Ort durchgesetzt. Dennoch versuchte Philipp Adolf von Ehrenberg erneut die Uengershäuser zum alten katholischen Glauben zurückzuführen. Während des Dreißigjährigen Krieges und den wechselnden Besetzungen durch die Schweden und die Kaiserlichen fiel Uengershausen zeitweise wüst und wurde erst nach und nach wieder besiedelt.[6]

Nach der Mediatisierung und der Auflösung der kleineren Herrschaftsgebiete zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam Uengershausen an Kurpfalz-Bayern. Später wurde es Landgemeinde im mittlerweile zum Königreich aufgestiegenen Bayern. Um 1820 wurde ein Großteil des Dorfes bei einem Brand zerstört.[7] Am 1. Mai 1978 wurde Uengershausen in die Gemeinde Reichenberg in Unterfranken eingemeindet.

Einige der seit Jahrhunderten im Dorf lebenden Familien stammen nachweislich ursprünglich aus dem heutigen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und dort vor allem aus den beiden Orten Lipprichhausen und Gülchsheim der heutigen Gemeinde Hemmersheim.[8] Auch lässt sich ein seit dem Jahr 1634 ansäßiges Uengershäuser Bauerngeschlecht mutmaßlich auf den Ort Hirschlach im Landkreis Ansbach in Mittelfranken zurückverfolgen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Den Mittelpunkt des Dorfes bildet die evangelisch-lutherische Pfarrkirche. Sie entstand bereits im Mittelalter und war zeitweise das pfarrliche Zentrum der Umgebung. Im Jahr 1602 entstand das heutige Gotteshaus, es wurde später mehrfach verändert. Die Kirche präsentiert sich als Saalbau mit Chorturm.

In der Nähe der Kirche hat sich eines der größeren Kriegerdenkmäler der Umgebung erhalten, welches im Oktober 1910 als Erinnerung an die deutschen Einheitskriege feierlich eingeweiht wurde[9]. Es ehrt die Gefallenen der Kriege von 1849, 1866 und 1870/71 sowie der beiden Weltkriege. In entgegengesetzter Richtung befindet sich ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1816, der bis 1837 das wolffskeelische Forstamt beherbergte[10].

Noch ein Stück weiter auf dem Weg nach Geroldshausen erinnert eine Tafel des damaligen Bürgermeisters Andreas Hofmann an die Besetzung des Dorfes durch eine Soldateneinheit aus der damaligen russischen Provinz Finnland im Zuge der Befreiungskriege in Mitteleuropa, die an derselben Stelle 1814 eine Sauna errichtet hatte[11]. Mit Bezugnahme auf die Geschehnisse dieser Zeit entwickelte sich im Volksmund schließlich die noch heute gebräuchliche Bezeichnung die Russen für die Bewohner Uengershausens.

Überregionale Bekanntheit erreichte das Dorf durch die jahrelangen Erfolge der Damenfußballabteilung des TSV Uengershausen, aus der unter anderem die deutsche Nationalspielerin Ursula Holl hervorging. 2008 schlossen sich die Frauenfußballmannschaften dem ETSV Würzburg an.

Literatur

  • Agenda21-Gruppe Uengershausen: Kirchengeschichte Uengershausen. Würzburg 2008.
  • Dr. Franz J. Bendel: Zur Geschichte des Dorfes Uengershausen bei Würzburg. In: Zeitschrift für bayrische Kirchengeschichte. München 1935. Band 10, S. 184.
  • Freiwillige Feuerwehr Uengershausen: Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum mit Fahnenweihe der Freiwilligen Feuerwehr Uengershausen. Uengershausen 1986.
  • Carmen Heunisch und Erwin Hoppe und Doris Vollert: 1590 – 1990. 400 Jahre evangelische Kirche Geroldshausen. Geroldshausen 1990.
  • Winfried Heunisch: Die soziokulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des Fußballvereins einer Dorfgemeinde und seine Auswirkung auf die Jugendarbeit. Würzburg 1974.
  • Krieger- und Soldatenkameradschaft Uengershausen: 40 Jahre Krieger- und Soldatenkameradschaft Uengershausen. Festtage vom 1. bis 3. Juli 1967. Uengershausen 1967.
  • Olaf Kühl-Freudenstein: Kirchenkampf in Würzburg. Aus der Geschichte der evangelischen Gemeinden Würzburgs in der NS-Zeit. Dettelbach 2003, S. 46–52.
  • Fritz Mägerlein: Rund um Uffenheim (Uffenheimer Land). Uffenheim 1977.
  • Friedrich Oertel: Etwas über Pfarrer Simonis von Uengershausen. In: Würzburger evangelisches Gemeindeblatt. Würzburg 1925. Heft 2+3, S. 13–14 & 18–19.
  • ohne Autor: Chronik der Walzenmühle Uengershausen. In: Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum mit Fahnenweihe der Freiwilligen Feuerwehr Uengershausen. Uengershausen 1986. S. 14–15.
  • ohne Autor: Vor 300 Jahren. Besinnliches aus alten Kirchenbüchern: Uengershausen. In: Würzburger evangelisches Gemeindeblatt. Würzburg 1931. Heft 6, S. 49–51.
  • Ulrich Rüthel: Marktgemeinde Reichenberg – Chronik Zeitleiste. (hier online abrufbar)
  • Ulrich Rüthel: Uengershausen – einige Geschichtssplitter. (hier online abrufbar)
  • Wolfgang Schindler: Überall im Lande loderten die Scheiterhaufen. Urschel wurde 1629 in Uengershausen als Hexe verbrannt. In: Die kleine Zeitung. Würzburg 1993. Ausgabe 17, S. 1–3.
  • Wolfgang Schindler und Ulrich Rüthel: Markt Reichenberg mit seinen Ortsteilen Albertshausen, Fuchsstadt, Lindflur und Uengershausen. Bilder aus vergangener Zeit. 2. Auflage. Horb am Neckar 1990.
  • Christian Will: Üngershausen. In: Die Gemeinden des Landkreises Würzburg. Würzburg 1963/1964. S. 136–137.

Einzelnachweise

  1. http://www.markt-reichenberg.de/uengershausen
  2. http://www.markt-reichenberg.de/uengershausen
  3. Rüthel, Ulrich: Uengershausen - einige Geschichtssplitter. S. 1.
  4. Biedermann, Johann Gottfried: Geschlechts-Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken Löblichen Orts Ottenwald. Tabula VIII.
  5. Will, Christian: Üngershausen. S. 136.
  6. Will, Christian: Üngershausen. S. 137.
  7. Schindler, Wolfgang und Rüthel, Ulrich: Markt Reichenberg mit seinen Ortsteilen Albertshausen, Fuchsstadt, Lindflur und Uengershausen. S. 6 / 90.
  8. Mägerlein, Fritz: Rund um Uffenheim (Uffenheimer Land). S. 175.
  9. Agenda21-Gruppe Uengershausen: Kirchengeschichte Uengershausen. S. 52.
  10. Rüthel, Ulrich: Uengershausen - einige Geschichtssplitter. S. 1.
  11. Rüthel, Ulrich: Uengershausen - einige Geschichtssplitter. S. 2.
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