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Vegetation

Gesamtheit der Pflanzenformationen und Pflanzengesellschaften / aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vegetation (mittellateinisch vegetātio „Wachstumskraft“, „Grünung“ und spätlateinisch vegetāre „leben, wachsen“) – im Deutschen auch Pflanzendecke oder Pflanzenkleid – nennt man im Allgemeinen die Gesamtheit der Pflanzenformationen einer Landfläche. Im Gegensatz zur Flora, bei der vorrangig die Pflanzensippen und -arten betrachtet werden, bezieht sich der Begriff Vegetation auf gleichartige Verteilungsmuster, Gestalt- und Wuchsformen (Offenland, Wald, Tundra, Steppe, Tropischer Regenwald u. dgl.). In Geobotanik, Biogeographie und Ökologie werden neben den Pflanzen alle Lebensformen zur Vegetation gerechnet, die sich nicht aktiv fortbewegen können, also auch Flechten und Pilze.[1] In der Medizin versteht man unter Vegetation die Besiedlung mit Bakterien beziehungsweise Biofilm, zum Beispiel auf Herzklappen bei infektiöser Endokarditis. Das Verb vegetieren bedeutet „untätig“ zu leben wie eine Pflanze.[2]

Neben Pflanzen (hier vor allem Bäume und Moose) zählen auch Flechten (vorn links auf dem Fels) und Pilze (am Baumstumpf) zur Vegetation
„Absolutes Pessimum“: In extremen Kältewüsten sind Flechten oftmals die einzige Vegetationsform
„Absolutes Optimum“: Die besten (großflächigen) Standortfaktoren der Erde bieten die tropischen Regenwälder

Sofern die Bedingungen für Leben (Luft, Licht, Wasser, Nährstoffe) – zumindest zeitweise – gegeben sind, stellt sich auf jeder Oberfläche im Laufe der Zeit eine standorttypische Vegetation ein. In extrem kalten oder trockenen Regionen kann sie aus sehr wenigen Arten bestehen – etwa ausschließlich Flechten. Die Zeit, in der der Bewuchs wachsen kann, heißt Vegetationsperiode. Je wärmer und feuchter es ist und je länger diese Bedingungen anhalten, desto komplexer ist das entstehende Ökosystem. Bis zu seiner optimalen Ausgestaltung – ohne wiederkehrende Störungen Klimaxvegetation genannt – durchläuft der Bewuchs eine erprobte Abfolge von Stadien mit ganz unterschiedlicher Artenzusammensetzung. Diese Entwicklung nennt man Sukzession. Im Laufe sehr viel längerer Zeiträume führt die zwangsläufige Entstehung von Böden – durch die fortlaufende Umwandlung anorganischer Nährstoffe in organische Verbindungen sowie die zunehmende Ablagerung toter Biomasse – zu einem langsamen Wandel der Vegetation. Wenn sich währenddessen die klimatischen Bedingungen ändern und sich in der permanenten Evolution neu entstandene Lebensformen oder vom Menschen eingebrachte Neobiota als Bestandteil des Ökosystems langfristig bewähren und anpassen, können völlig neue Vegetationstypen mit zum Teil gänzlich neuen Eigenschaften entstehen, die vorher nicht existierten. Im Idealfall beeinflusst und stabilisiert die Vegetation selbst die Umweltbedingungen in einer für sie zuträglichen Weise (etwa die Aufrechterhaltung des feuchtheißen Klimas im tropischen Regenwald durch den Wald).

Die Pflanzenwelt stellt durch ihre Photosyntheseleistung (Erzeugung von Zucker aus Wasser und Kohlenstoffdioxid unter Verwendung von Lichtenergie) die mit Abstand größte Menge von Primärproduzenten für die Biomasse an Land und bildet damit die entscheidende Lebensgrundlage für nahezu jedes Ökosystem.