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Winkelhof (Haustyp)

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Hakenhof in Sonnenberg, Niedersachsen, hier mit ungleichen Firsthöhen
Hakenhof in Sonnenberg, Niedersachsen, hier mit ungleichen Firsthöhen

Ein Winkelhof (auch: Zweikantenhof, Zweiseithof oder Hakenhof) ist ein verbreiteter traditioneller Haustyp für Bauernhäuser bzw. -höfe, bei dem das Hauptgebäude an der Giebelseite mit einem – oft als Wirtschaftsgebäude genutzten – Anbau im rechten Winkel dazu ergänzt wird, sodass eine L-Form entsteht. Der Winkelhof ist eine Form des Zweiseithofs, bei weiteren Anbauten kann sich ein Dreiseithof oder ein Vierseithof ergeben.

Beispiele

Michael Berens, Denkmalpfleger des Eifelkreises Bitburg-Prüm, definierte den Winkelhof bei einem Vortrag im Jahr 2000 schlicht als erweiterten Streckhof mit rechtwinkelig angesetztem Wirtschaftsteil, wobei der Wirtschaftsteil entweder aus der Bauzeit des Haupthauses stammen kann oder später angesetzt wird.[1]

Im ländlichen Raum der Eifel wird an ein einraumtiefes Haupthaus ein rechtwinkliger Anbau gesetzt, wobei die Dächer ineinander übergehen und First- und Traufhöhe meist gleich hoch sind.[2] Eine Ausnahme bildet der so genannte, 1932 erstmals so benannte „Eifeltyp“, bei dem eine Dachfläche zur Wetterseite hin länger heruntergezogen ist, sodass ein ungleichschenkliges Dach entsteht.[3] Winkelhöfe als typische Bauform in der Eifelregion kommen hier sowohl in Fachwerk- als auch in Massivbauweise mit Naturstein- oder Ziegelmauerwerk vor.[2]

In anderen Regionen kann das Haupthaus auch bereits mittelgroß sein, aber aus Platzgründen nicht verlängert werden. Ein Beispiel sind Winkelhöfe im Luxemburger Raum.[4]

Hakenhof im Burgenland, mit Schilfdach und Torwand
Hakenhof im Burgenland, mit Schilfdach und Torwand

Im Burgenland gilt der Hakenhof ebenfalls als traditionelle Bauweise, die noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Einsatz kam.[5] Die Giebelfront des Haupthofes liegt oft straßenseitig, der Quertrakt im hinteren Teil. Zur Straße hin bleibt der bleibt der Hakenhof entweder offen oder ist durch eine Torwand geschlossen. Die gegenüberliegende Längsseite kann entweder durch die Wand des Nachbarhauses abgeschlossen werden oder – in den etwas weniger eng bebauten Siedlungen des südlichen Burgenlandes – offen bleiben.[6]

Auch im städtischen Umfeld kam der Bautyp bereits im Mittelalter vor, so etwa im Kaufleuteviertel in Lübeck.[7]

Literatur

  • Otto Klemm: Fachwerkbauernhäuser in der Nordwesteifel. Ein Beitrag zur Geschichte des Deutschen Bauernhauses Dissertation an der Hochschule Aachen, Mayer 1932. Auch in: Aachener Beiträge zur Heimatkunde 12

Einzelnachweise

  1. Michael Berens: Bauernhäuser und Stockgüter. Dorf und Haus in der Westeifel – eine Übersicht in: Alles unter einem Dach? Die Hauslandschaft in der deutsch-französischen-luxemburgischen Grenzregion. Hauskundliches Symposium im Freilichtmuseum Roscheider Hof in Konz am 20. Mai 2000
  2. a b RWTH Aachen University. Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung: Baukultur Eifel. Historischer Bautyp: Winkelhof
  3. RWTH Aachen University. Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung: Baukultur Eifel. Historischer Haustyp - Winkelhof „Eifeltyp“
  4. Commune de Kiischpelt: Der Winkelhof (auch Zweikantenhof oder Hakenhof) auf webwalking.lu
  5. Vera Mayer: Bericht über das Projekt „Strukturwandel der Baud- und Wohnkultur im Burgenland“ (Zur Baugesinnung im ländlichen Raum) S. 291
  6. Vera Mayer: Burgenland. Bau- und Wohnkultur im Wandel Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1993. ISBN 978-3-7001-2016-2, S. 36
  7. Rolf Hammel-Kiesow: Die Entstehung des sozialräumlichen Gefüges der mittelalterlichen Großstadt Lübeck in: Matthias Meinhardt: Die Sozialstruktur und Sozialtopographie vorindustrieller Städte. Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Band 1. Akademieverlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-0500-3836-0, S. 154/155
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