Top-Fragen
Zeitleiste
Chat
Kontext
Evangelische Kirche (Drabenderhöhe)
evangelisches Kirchengebäude Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Remove ads
Die Evangelische Kirche ist ein Kirchengebäude der Evangelischen Kirche im Rheinland in Drabenderhöhe, einem Ortsteil von Wiehl in Nordrhein-Westfalen. Die Kirchengemeinde Drabenderhöhe gehört zum Kirchenkreis An der Agger in der Evangelischen Kirche im Rheinland.




Geschichte
Zusammenfassung
Kontext
Vermutlich entstand die Kapelle zu Drabenderhöhe im 12. oder 13. Jahrhundert. Experten datieren den Turm auf diese Zeit, denn durch die typisch runden Fensterformen gehört dieser dem Baustil der Romanik an. Ob sie eine Filiale der Kirche zu Wiehl war, die bereits 1131 als Besitz des St. Cassius-Stift in Bonn erwähnt wurde, ist nicht belegbar, aber wahrscheinlich. Im Liber valoris von 1308, einem Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe wird die Kapelle nicht genannt, aber in homburgischen als auch bergischen Dokumenten des 16. Jhds. wird Drabenderhöhe, wie auch die umliegenden Höfe dem Kirchspiel Wiehl zugeordnet.
Die Kirche wurde das erste Mal am 9. August 1353 erwähnt, als Ritter Heinrich III. von Grafschaft, sein Sohn Adolf und seine Tochter Kunigunde den Zehnten auf seinen Sohn bzw. ihren Bruder Heinrich übertragen. Das Zehntrecht wurde dann innerhalb der Familie weitervererbt. Heinrich IV. von Grafschaft verstarb kinderlos und seine beiden Schwestern Kunigunde und Elisabeth erbten das Zehntrecht. Die beiden, sowie ihre Kinder, die Geschwister Heinrich und Konrad von Merode und Heinrich, Heidenreich, Adolf, Gerhard, Johann und Dietrich von Plettenberg verkauften den Zehnten am 21. Januar 1391 an den Herzog Wilhelm von Berg. Hierbei wurde erwähnt, dass die Kapelle im Lande Homburg lag. Durch diesen Verkauf ergab sich ein Streit zwischen den beiden Adelshäusern über die geografische Zugehörigkeit. Das Herzogtum Berg als auch Sayn-Wittgenstein beanspruchten das Kirchengebäude.
Dabei handelte es sich um einen Kapellenbau, der zur Mutterpfarre Wiehl gehörte. Der Kapellenbezirk umfasste die homburgische Honschaft Drabenderhöhe mit den Orten Dahl, Drabenderhöhe, Immen, Hahn, der Hähner Mühle, Hillerscheid, Jennecken und Niederhof. Auch Orte aus dem benachbarten bergischen Ämtern Steinbach und Windeck, so Anfang, Brächen, Büddelhagen, Obermiebach, Scheidt und Verr hielten sich zur Kapelle auf der Drabenderhöhe. Im 14. Jahrhundert wurde sie dem Johanniterorden in Marienhagen unterstellt und war Johannes dem Täufer geweiht.
Der Orden war mit dem Aufbau von kirchlichen Verwaltungsstrukturen beauftragt und hat vermutlich die Vikarstelle und damit auch den Pfarrhof eingerichtet. Dieser lag allerdings nicht im Ort Drabenderhöhe, sondern in Pfaffenscheid, der im bergischen Amt Windeck lag. Zu dieser Zeit wurde der Pfarrhof lediglich als Wiedenhof bezeichnet. In einer Generalvisitation des Ordens in Marienhagen wurde 1495 die Kapelle mit dem Weltgeistlichen Conradus erwähnt, der vermutlich schon in Pfaffenscheid wohnte. Bereits 1582 stellte allerdings nicht mehr der Orden den Vikar, sondern der Herzog von Berg. Wahrscheinlich ist der Grund in der Reformation zu sehen. Die Kapelle zu Drabenderhöhe besaß noch Anfang des 16. Jahrhunderts einen Pachthof in Niederhof. Dies geht aus einem Visitationsbericht des Drabenderhöher Pastors Jakob Sasse an die herzogliche Kommission aus dem Jahre 1582 hervor. Er berichtet: „früher sei die Kapelle im Besitze eines Hofes zu Niederhoven gewesen. Den habe ein Windecker Amtmann Nesselrath für 180 Gulden an sich genommen. Das dafür gezahlte Kapital bringe jetzt 9 Gulden ein, ebensoviel, wie ehemals der Pacht des Hofes betragen habe“.
Der Käufer muss Wilhelm von Nesselrode gewesen sein, der von 1514 bis zu seinem Tode 1540 Amtmann zu Windeck war. Aus dem Jahre 1540 liegt ein Bericht vor, dass der Komtur zu Marienhagen vom alten (katholischen) Glauben abgefallen war. Dies bestätigt der Visitationsbericht seines Nachfolgers Henrich von den Nespen im Jahre 1550. Er beklagt sich, dass sein Vorgänger eine Nichte gehabt habe, die er ausgestattet und mit einem Hof versehen habe, und nun komme deren Mann und wolle aber diese Güter rechtlich als seine eigenen beanspruchen und sie dem Herrn, entgegen einem getroffenen Vergleich, weiterhin vor, den der selige Nesselrodt ausgehandelt hatte. Der Bericht schließt mit der Bemerkung, der Komtur lebe im Konkubinat und habe Kinder. Bei diesem Hof könnte es sich um den von Nesselrode vor 1540 gekauften Pachthof in Niederhof gehandelt haben.
Neben dem Pachthof in Niederhof umfasste der Besitz der Kapelle auch einen Anteil an der Hähner Mühle. Pastor Jakob Sasse berichtet an die bergische herzogliche Kommission 1582, dass zur Kapelle früher auch die halbe Mahlmühle „In der Hoen“ gehörte, aber von dem zweiten Vorgänger des damaligen Komturs zu Marienhagen an den windeckschen Rentmeister Pampus verkauft worden war.
Dies bestätigt die urkundliche Erstnennung der Hähner Mühle im Homburgischen Mühlenverzeichnis von 1576. Dort heißt es: „Mühle den Hanen bei Jynnicken, Bergischen angeherigen zustendigh“. Bei dem Bergischen Angehörigen scheint es sich wohl um Henne Pampus gehandelt zu haben, einem adeligen bergischen Dienstmann, der ungefähr von 1480 bis 1554 gelebt hat. Henne Pampus hatte zwischen 1518 und 1550 im bergischen Amt Windeck das Rentmeisteramt inne.
Zwischen 1555 und 1563 erfolgte unter dem lutherischen Pfarrer Jakob Neuleben die Einführung der Reformation und wurde mit dem Siegburger Vergleich von 1604 eine eigenständige, ab 1605 reformierte Kirchengemeinde. Die alten Rechte des Johanniter-Ordens wurden seither nicht mehr anerkannt. Die mittelalterlichen Wandmalereien wurden 1613 übertüncht und die Seitenaltäre entfernt. Nach einem Brand im Jahre 1696 blieb nur der gotische Chor sowie der Turm erhalten. Durch den Kirchenbrand wurden 1698 die links der Wiehl gelegenen Weiershagenener Weiershagen Höfe, mit Ausnahme des Hofes und der Schule Reuschenbach, Bergerhof, Kleebornen, In den Weiden, Zur Hardt und Zur Mühlen, sowie Forst zugeordnet. Beim Wiederaufbau 1697 wurde der Turm um ein Geschoss erhöht und erhielt seinen heutigen barocken Helm. An den Turm schloss ein einfach gotisierendes Langhaus mit Strebepfeilern an. Das Langhaus zeigte einen zweifenstrigen Bau mit quergerichteten Satteldach und großer, steiler barocker Haube über dem gotischen Chor. Die Kirche hatte eine ähnliche Bauweise, wie die der heutigen in Marienberghausen. Wegen Baufälligkeit wurde das Langhaus 1846 als klassizistischen Neubau mit Halbkreisapsis unter Beibehaltung des Turmes durch einen Normalentwurf Friedrich August Stülers ersetzt und 1847 fertiggestellt. 1878 wurde im Innenraum des Kirchenschiffs eine Sakristei, sowie eine neue Orgel eingebaut. Unter Pastor Karl Spandau wurde der Innenraum der Kirche 1910 nochmals neu gestaltet. Die eingebaute Sakristei verschwand, die Emporen, die bis zum Chor reichten, wurden verkürzt und die Apsis mit einer Holzwand abgetrennt. Die im Kirchenschiff stehenden Öfen verschwanden und es wurde eine Luftheizung eingebaut. Aus Platzmangel verschwand der 1846/47 entstandene Taufstein in der nun in der Apsis gelegenen Sakristei.
Die beiden Schlusssteine aus dem Gewölbe der 1846 abgebrochenen Kirche wurden 1945 nach Forst verbracht und dort in einem Privathaus an der Straße auf Steinsockeln vermauert. In den 1980er Jahren wurden die beiden Steine auf Schloss Homburg eingelagert. Mit Eröffnung der Heimatstube Drabenderhöhe-Siebenbürgen im Jahre 1989 wurden die beiden Steine als Ausstellungsstück nach Drabenderhöhe rückgeführt.
Die Schlusssteine zeigen zum einen das Allianzwappen des Grafen Wilhelm Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Homburg (1649 bis 1698) und seiner Gemahlin Maria Magdalena (1641 bis 1701) und ist aus Lindlarer Sandstein gehauen. Der Durchmesser beträgt 52,5 cm. Zu Seiten des Wappens befindet sich die Jahreszahl 1697, am Rand die Umschrift WILH FRID GZSVWHZHVVN MARIA MAGD GZSVWGGZSVWGZHVN L VCL (Wilhelm Friedrich Graf zu Sayn und Wittgenstein, Herr zu Homburg, Vallendar und Neumagen, Maria Magdalena Gräfin zu Sayn und Wittgenstein, geborene Gräfin zu Sayn und Wittgenstein, Gräfin zu Hohenstein und..), zum anderen das Wappen des Grafen Carl Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Homburg (1698 bis 1723), ebenfalls aus Lindlarer Sandstein, im Durchmesser 38 cm. Am Rand befindet sich die Umschrift CARL FRIEDERIC GZSVWHZHVVN (Carl Friedrich Graf zu Sayn und Wittgenstein, Herr zu Homburg und Vallendar und Neumagen).
Im Jahre 1833 vereinigten sich die reformierten fünf homburgischen Kirchengemeinden mit den lutherischen aus den Kreisen Gummersbach und Waldbröl zur Aggersynode. Damit wurde Drabenderhöhe zu einer unierten Gemeinde. Da es sich um eine Verwaltungsunion handelte, behielt die Gemeinde den Bekenntnisstand einer reformierten Kirche. Erkennbar ist dies an der Verwendung des Heidelberger Katechismus.
Im Jahre 1784 trat Johann Wilhelm Schöler das Pastorenamt in Drabenderhöhe an. Er war mit dem Domizil in Pfaffenscheid nicht zufrieden, da es sehr baufällig war. Er stellte einen Antrag auf Neubau eines Pfarrhauses im Dorf. Der Antrag wurde vom Landesvorstand, ohne dessen Einwilligung keine Gemeindemittel verwendet werden durften, abgelehnt. Für einige hundert Reichstaler wurde das Haus nochmals instand gesetzt. Aber laut Kirchenchronik blieb Pfaffenscheid immer noch in einem schlechten Zustand. Daraufhin baute Pfarrer Schöler, der im Dorf noch eigene Güter besaß, 1790 ein eigenes Haus, das jetzige Pastorat. Da der Wiedenhof nicht mehr als Pfarrsitz genutzt wurde, entstand auch der heutige Name Pfaffenscheid. Pfaffenscheid wurde von 1790 bis zum Verkauf 1867 verpachtet. Der Pfarrhof im Dorf Drabenderhöhe wurde von der Kirchengemeinde 1860 von der Familie Schöler gekauft.
Im Zweiten Weltkrieg brannten der Saalbau und der Turm während des amerikanischen Angriffes am 21. März 1945 aus. Die Wiederherstellung und Einweihung des Saales erfolgte 1949, die Errichtung des Turmhelmes in alter Form wurde 1953 fertiggestellt. 1958 wurden auch die rechts der Wiehl liegenden Weiershagenener Höfe, Ohl, Zur Ley und Steeg, sowie Reuschenbach der Kirchengemeinde Drabenderhöhe angegliedert. Durch den Zuzug von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten seit 1954 auch die evangelischen Einwohner der sonst zur katholischen Gemeinde Much zugeordneten Orte Höllerhof, Hündekausen, Oberbusch, Oberdorf, Leuscherath, Niederbech, Niedermiebach und Wellerscheid zur Kirchengemeinde. Im Jahre 2003 hatte die Gemeinde 4381 eingetragene evangelische Mitglieder, 2007 waren es noch 4227. Seit dem 1. Januar 2014 besteht eine pfarramtliche Verbindung zwischen den Evangelischen Kirchengemeinden Drabenderhöhe und Marienberghausen. Dies wurde notwendig, weil die Zahl der Kirchengemeindemitglieder sank.
Remove ads
Kirchenbau
Zusammenfassung
Kontext
Der noch heute erhaltene fünfgeschossige romanische Westturm ist aus der Apsis gedreht und durch einen kleinen Verbindungsbau an das Langhaus angeschlossen. Der schmucklose Turm mit achtseitiger, geschweiften Haube mit geschlossener Laterne besteht aus geschlämmten, lagerhaften Bruchsteinmauerwerk mit ehemaliger westlicher Rundbogentür (heute zu einem Fenster rückgebaut) und einfachen rundbogigen Schallöffnungen im vierten und 1697 aufgesetztem fünften Geschoss. Auf der Nordseite befindet sich eine durch ein Gesimsband abgesetzte Mauerverstärkung in halber Wandbreite bis in Höhe des zweiten Geschosses.
Der aus verputzten Hausteinquadern errichtete klassizistische Saalbau ist durch eine kleine Vorhalle mit dem Turm verbunden und mit zwei rundbogigen Fensterreihen in vier Achsen für Emporeneinbauten angelegt. An der östlichen Giebelwand ist eine halbkreisförmige Apis mit drei jetzt blinden Fensternischen eingezogen.
Die noch 1900 existierende 2,30 m breite Eingangshalle des Turmes war von einer jetzt nicht mehr vorhandenen schmalen Tonne überwölbt. Der rundbogige Zugang zu den oberen Geschossen liegt darüber in der Ostwand des Turmes und war ehemals vom Kirchenschiff aus erreichbar, heute über eine moderne Holztreppe in der Vorhalle. Im flachgedeckten Saal findet sich eine Westempore, an den Seitenwänden zwischen den Fensterreihen ein Mauerrücksprung als Auflager für die wieder in den 1970er Jahren eingefügten Seitenemporen. Die früher als Sakristei abgetrennte Apsis ist jetzt geöffnet. Die heutige Gestaltung des Kircheninneren oblag dem Kunst- und Kirchmaler Walter Putfarken aus Düsseldorf unter der Leitung des Landeskonservators Dr. Borchers. Man richtete sich dabei nach Fotoaufnahmen, die das Kircheninnere vor ihrer Zerstörung zeigten. Die Renovierung begann 1974 und wurde 1978 abgeschlossen. Im oberen Teil der Apsis befindet sich die große monumentale Wandmalerei „Christus als Weltenrichter“, darunter der von Kunstschreiner Helmut Penz gestaltete Altar und die ebenfalls von ihm gestaltete Kanzel. Die Decke der Kirche ist das beherrschende Thema, dem sich alle Ausmalungen und Gestaltungen unterzuordnen haben. Die Balkendecke begünstigt eine strenge Ornamentierung und geometrische Aufteilung der malerischen Gestaltung. Die vorherrschenden Farben der Kirche sind das Weiß der Wände, das helle Blaugrau des Kirchengestühls und der Emporen, sowie das leuchtende Rot und Blau der üppigen Deckenmalerei. Altar und Kanzel werden durch ein glänzendes Gold hervorgehoben. Die Kirche ist ein Denkmal seit 1982.
Remove ads
Orgel
Glocken
Grabplatten
Grenzstein
Literatur
Weblinks
Wikiwand - on
Seamless Wikipedia browsing. On steroids.
Remove ads