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Kalkofenanlagen Walheim/Kornelimünster

stillgelegte historische Brennöfen im Süden von Aachen Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Kalkofenanlagen Walheim/Kornelimünster
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Die Kalkofenanlagen Walheim/Kornelimünster sind eine Reihe von historischen Brennöfen, die sich überwiegend im südlich von Aachen gelegenen Stadtbezirk Kornelimünster/Walheim befinden. Sie dienten der Gewinnung von Branntkalk aus Kalksteinen und wurden zwischen 1870 und 1924 erbaut und nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise ergänzt und modernisiert. Doch bereits Mitte der 1950er Jahre mussten sie geschlossen werden, da sich durch strukturelle Veränderungen in der Kalkindustrie der Betrieb kleinerer Einzelöfen nicht mehr rentierte.

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Kalkofen Walheim

In den 1980er Jahren konnten durch die Initiative des Geologen Werner Kasig von der RWTH Aachen ein Großteil der Kalköfen in Walheim, Hahn und Kornelimünster vor dem drohenden Verfall gerettet und restauriert werden. Anschließend wurden sie als Industriedenkmäler unter Denkmalschutz gestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu diesem Zweck wurde 1989 zwischen Walheim und Hahn entlang der Inde der „Kalkofenweg“ eingerichtet, der die dortigen Kalköfen thematisch miteinander verbindet und in den Eifelsteig integriert wurde.[1] Darüber hinaus befinden sich in den benachbarten Orten Sief und Schmithof weitere Kalköfen, die im ursprünglichen Zustand belassen und der Verwitterung ausgesetzt sind.

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Geologie

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Der Aachener Kalkstein hat seinen zeitlichen Ursprung im Devon, speziell im Zeitraum des Eifeliums vor etwa 393 bis 387 Millionen Jahren, und war vor allem in der Eifel, dem linksrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges, verbreitet. Zu jener Zeit existierte dort ein tropisches Flachmeer mit riffbildenden Meereslebewesen, im Besonderen den Steinkorallen und Kalkschwämmen sowie vor allem den heute ausgestorbenen Stromatoporen. Sie lebten in großen Kolonien und bauten riesige Korallenriffe auf. Nach ihrem Absterben setzten sich deren kalkhaltige Hartteile auf dem Meeresboden ab.

Durch weltweite Klima- und Umweltveränderungen wurde dieser Prozess vor etwa 350 Millionen Jahren beendet. Zusätzlich hoben im Verlauf der Variszischen Orogenese gewaltige tektonische Kräfte die Landmassen an, falteten sie zu Gebirgszügen auf und das Meer zog sich zurück. In den nächsten 60 Millionen Jahren wurden die Kalkbänke zusätzlich mit einer dicken Erdschicht aus ton- und feinsandigen Ablagerungen bedeckt. Im Aachener Raum erreichten diese Gebirgszüge eine Höhe von 600 bis 800 Metern[2] und wurden in den folgenden Jahrtausenden durch Erosion auf ihre heutige Höhe abgetragen. Durch den Druck der Gebirgsbildung und die Lasten des aufsitzenden Schichtpakets festigten sich die noch lockeren Kalksedimente allmählich zu festem Kalkstein.

Der in Aachen vorkommende devonische Riffkalkstein zeichnet sich durch eine besondere Reinheit aus und weist frisch geschlagen und poliert eine fast schwarze, blaugraue bis blaugrüne Farbe auf, die sich zu einem weißgrauen Farbton verändert, wenn er lange Zeit der Verwitterung ausgesetzt ist. Dies gab ihm den Namen „Aachener Blaustein“. Er eignet sich hervorragend für Steinhauer- und Steinmetz­arbeiten und fand vor allem seit der Barockzeit vielfache Verwendung als Werkstein.

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Geschichte

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Nachdem bereits in der Jungsteinzeit Kalk aus Kalkstein gewonnen werden konnte, wurde im Aachener Raum vor etwa 2000 Jahren zunächst durch die Kelten Kalk gebrannt und als Kalkmörtel und Kalktünche für unterschiedliche Zwecke nutzbar gemacht. Diese Errungenschaften übernahmen später die nachrückenden Römer und Germanen und sie verwendeten Kalk unter anderem in der Freskomalerei, zum Düngen in der Landwirtschaft, zum Gerben von Leder und in der Medizin. Der Kalk wurde anfangs in einfachen Gruben oder Meilern oder in gemauerten Schachtöfen gebrannt. Erst ab dem 14. Jahrhundert ist die Existenz von Kalköfen im Raum Aachen schriftlich überliefert. Vor allem die Fürstäbte der Reichsabtei Kornelimünster waren es, die qualifizierte Untertanen mit Steinbrüchen und Bergwerken belehnten und ihnen das Recht zusprachen, Kalköfen zu bauen und Kalk zu brennen. Noch im 18. Jahrhundert kamen mehrere Steinbruchbetriebe im Ortsteil Hahn hinzu.

Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde vermehrt Kalk benötigt, beispielsweise als Grundstoff für Zement, Kalksandstein und Gasbeton, zur Herstellung von Flussstahl und künstlichem Soda oder als Düngemittel in der Landwirtschaft. Dies führte zwischen 1870 und 1930 im Raum Kornelimünster/Walheim zur Errichtung moderner Brennöfen, die meist von Privatunternehmern betrieben wurden. Da zugleich der Aachener Südraum durch die neue und nahe an den Kalköfen vorbeiführende Vennbahn erschlossen wurde, konnte diese Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den bedeutenden Kalkerzeugergebieten Deutschlands aufsteigen.

Der älteste Kalkofen ist die Anlage aus dem Jahr 1870 an der Bilstermühler Straße zwischen Kornelimünster und Krauthausen in der Nähe der Überführung über die Inde. Das größte und bedeutendste Monument mit mehreren Öfen wurde 1890 von zwei auswärtigen Fabrikanten in der Nähe des Walheimer Bahnhofes errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden fast alle Kalköfen im Raum Walheim/Kornelimünster runderneuert, doch bereits in den 1950er Jahren mussten sie aus wirtschaftlichen Gründen nacheinander stillgelegt werden, da die strukturellen Veränderungen in der Kalkindustrie bewirkten, dass man sich nur noch auf sehr große Betriebseinheiten konzentrierte. Als letzte Anlage wurde 1959 der Walheimer Betrieb geschlossen, der allerdings noch bis 1964 Branntkalk aus dem Stolberger Zweigbetrieb zu Weißkalkhydrat und hochhydraulischem Kalk verarbeitete.

Danach gerieten die Kalköfen längere Zeit in Vergessenheit und verwitterten allmählich. Durch die bereits in der Einleitung erwähnte Initiative von Werner Kasig, der zusammen mit dem Geologischen Institut der RWTH Aachen in den Jahren 1984/1985 eine umfangreiche Sanierung der meisten Öfen umsetzen konnte, wurde schließlich sichergestellt, dass diese Anlagen als restaurierte Industriedenkmäler auf Dauer erhalten geblieben sind. Die Stadt Aachen unterstützte dieses Vorhaben und das Arbeitsamt der Stadt Aachen stellte Personal im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zur Verfügung. Mittels des 1989 eingerichteten Kalkofenweges zwischen der zentralen Anlage in Walheim und den Kalköfen in Hahn können die Bauten von außen besichtigt und Interessierte sich anhand von umfangreichen Schautafeln Informationen über die Geschichte der Aachener Kalkverarbeitung beschaffen.

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Die Kalköfen im Einzelnen

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Weitere Informationen Adresse, Name und Details ...
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Literatur

  • Werner Kasig: Die Nutzung der geologischen Gegebenheiten durch den Menschen im Bereich der Stadt Aachen, Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, Band 102, Aachen 1999/2000
  • Hartmut Ochsmann: Auf den Spuren des Kalkgewerbes im Walheimer Raum, Exkursionsführer, Geschichtsverein Hahn und Friesenrath, 1991; darin eine ausführliche Literaturauswahl
  • Hartmut Ochsmann: Entwicklung der Kalkindustrie in Walheim, in: Denkmalpflege im Rheinland 1990[6]
  • Werner Kasig und Eva Prokop: Der Kalkofen an der Bilstermühle in Kornelimünster, ein bedeutendes technisches Baudenkmal. Eine Ausstellung in der Stadtsparkasse Aachen, Geschäftsstelle Kornelimünster. 31. Mai–14. Juni 1985. Mit 28 Abbildungen.
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Commons: Lime kilns in Aachen – Mediensammlung

Einzelnachweise

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