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Walther Eckermann
deutscher Historiker und Hochschullehrer Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Walther Richard Karl Max Eckermann (* 16. November 1899 in Wittenberge; † 28. November 1978 in Schwerin) war ein deutscher Historiker und Hochschullehrer.
Leben
Zusammenfassung
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Herkunft und Ausbildung
Walther Eckermann entstammte einem bildungsbürgerlichen Elternhaus: Sein Vater August Eckermann (1869–1946) war Oberschulleiter, seine Mutter war Elisabeth, geb. Kothe (* 1875). Das akademische Milieu der Familie legte früh die Plattform für Eckermanns spätere wissenschaftliche Karriere.
Nach dem Abitur an der Großen Stadtschule Rostock im Jahr 1918, unmittelbar am Ende des Ersten Weltkriegs, begann Eckermann Ende April 1919[1] sein Studium der Geschichte, Erdkunde und Deutsch an der Universität Rostock; in dieser Zeit wurde er im Sommer 1917 Soldat und erst im Januar 1919 als solcher entlassen. Bereits während seines Studiums bewies er wissenschaftliche Begabung und promovierte bereits 1922, im Alter von nur 23 Jahren, zum Dr. phil. Seine Dissertation trug den Titel Die Siedlungen des nordöstlichen Mecklenburg. Eine geographische Studie und legte den Grundstein für seine spätere Beschäftigung mit der Regional- und Heimatgeschichte Mecklenburgs. Das Studium schloss er 1926 mit dem Staatsexamen für Geschichte ab.
Lehrtätigkeit in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus
Die Jahre ab 1922 verbrachte Eckermann zunächst als Hauslehrer in Mecklenburg und Pommern. Ab 1926 erhielt er eine Anstellung als Oberschullehrer an der Oberrealschule in Schwerin[2], wo er bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht tätig war. Diese lange Phase der schulischen Praxis prägte sein späteres Verständnis für Geschichtsdidaktik und Methodik des Geschichtsunterrichts nachhaltig.
Eckermann beantragte Anfang April 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.324.788),[3] nachdem er bereits 1925/26 Mitglied war.[4] Von 1942 bis 1945 leistete er Dienst in der Wehrmacht, bei der er zuletzt als Meteorologe eingesetzt wurde.
Akademische Karriere in der DDR
1946 wurde er Dozent für Geschichte in Schwerin. Trotz seiner NSDAP-Mitgliedschaft gelang ihm 1947 der Eintritt in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), was seine politische Neuorientierung und Integration in das sich formierende Hochschulsystem der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) dokumentiert. Ab 1948 wurde er Mitglied der SED-Hochschulleitung und damit Teil der politischen Führungsstrukturen im Bildungswesen.
Von 1947 bis 1952 war Eckermann nebenamtlicher Lehrbeauftragter für Geschichte an der Universität Rostock. In dieser Zeit verfasste er 1950 sein erstes wichtiges Werk Neue Geschichtswissenschaft. Eine Einführung in ihr Studium, das in Rudolstadt erschien und seine Hinwendung zur marxistisch-leninistischen Geschichtsauffassung der DDR dokumentierte.
Professuren in Rostock und Greifswald
Die eigentliche professorale Laufbahn begann 1947 mit einer Professur an der Universität Rostock. Im selben Jahr übernahm Eckermann auch das Amt des Prodekans. 1952 wechselte er an die Universität Greifswald, wo er eine Professur mit vollem Lehrauftrag für Methodik des Geschichts- und Geografieunterrichts erhielt.
In Greifswald übernahm Eckermann von 1952 bis 1956 mehrere Führungspositionen: Er war Dekan, Direktor des Instituts für Pädagogik sowie Prodekan. Diese mehrfache Funktionshäufung zeigt das große Vertrauen, das ihm seitens der Hochschulleitung und der Partei entgegengebracht wurde. In diese Zeit fiel auch seine Habilitation 1955 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit der Schrift Die Entwicklung der Wollmanufaktur im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung Mecklenburgs im 18. Jahrhundert und die Einwirkung der Bützower Hugenottensiedlung auf diesen Prozeß. Ein methodologischer Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung der Heimatgeschichte. Mit dieser Arbeit zum Dr. paed. habil. etablierte er sich als Experte für mecklenburgische Wirtschaftsgeschichte.
Pädagogische Hochschule Potsdam
Von 1956[5] bis 1964 war Eckermann als Professor mit Lehrstuhl für Deutsche Geschichte und Geschichtsmethodik an der Pädagogischen Hochschule Potsdam tätig. Hier war er nicht nur Direktor des Instituts für Geschichte, sondern ab 1957 auch Prorektor der Hochschule und damit in der obersten Leitungsebene der Institution verankert.
1958 war er Mitbegründer der Historiker-Gesellschaft der DDR.[6] Er war auch Mitbegründer des Kulturbundes und der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft.
Diese Position nutzte er für eine intensive publizistische Tätigkeit. Zusammen mit Hans Gerhard Müller veröffentlichte er 1959 die Einführung in das Studium der Geschichte, die als Lehrbuch für Studenten konzipiert und an Beispielen und Materialien der neueren Geschichte orientiert war. Das Werk erlebte 1961 eine zweite Auflage und dokumentiert Eckermanns didaktisches Engagement.
Zu seinen Studenten in Potsdam gehörte unter anderem Otto Rückert.
1964 wurde Walther Eckermann im Alter von 65 Jahren emeritiert.
Wissenschaftliches Werk
Eckermanns wissenschaftliche Arbeit konzentrierte sich auf drei Schwerpunkte: die Geschichtsdidaktik und Methodik des Geschichtsunterrichts, die mecklenburgische Regional- und Wirtschaftsgeschichte sowie die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts, insbesondere die Befreiungskriege.
Zu seinen bedeutendsten Werken zählt die 1961 zusammen mit Hans Gerhard Müller und anderen verfasste Studie Der Befreiungskrieg 1813/14. Für das Fernstudium verfasst, die für die außeruniversitäre Weiterbildung konzipiert war. 1963 erschien seine Monografie Ferdinand von Schill. Rebell und Patriot, in der er sich mit der Rolle des preußischen Offiziers in den antinapoleonischen Kämpfen auseinandersetzte.
Sein wohl einflussreichstes Werk war die mehrfach aufgelegte Einführung in das Studium der Geschichte, die er zusammen mit Hubert Mohr herausgab. Die erste Auflage erschien 1966 in Berlin, die vierte Auflage noch 1986, acht Jahre nach seinem Tod.
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Ehrungen und Auszeichnungen
Walther Eckermann war unter anderem Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Bronze, der Verdienstmedaille der DDR sowie der Dr.-Theodor-Neubauer-Medaille in Gold.[7]
Schriften (Auswahl)
- Die Siedlungen des nordöstlichen Mecklenburg. Eine geographische Studie. 1922.
- mit Hans Gerhard Müller: Neue Geschichtswissenschaft. Eine Einführung in ihr Studium. Rudolstadt 1950.
- Die Entwicklung der Wollmanufaktur im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung Mecklenburgs im 18. Jahrhundert und die Einwirkung der Bützower Hugenottensiedlung auf diesen Prozeß. Ein methodologischer Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung der Heimatgeschichte. 1955.
- Zur Frage der Verwirklichung der Einheit des Konkreten und Abstrakten. Berlin 1957.
- mit Gerhard Lozek, Hubert Mohr, Kurt Adamy, Erich Donnert, Helmut Lötzke, Anatolij Michailovic Sacharow: Einführung in das Studium der Geschichte. Potsdam 1959.
- mit Hans Gerhard Müller und anderen: Der Befreiungskrieg 1813/14. Für das Fernstudium verfasst. Potsdam 1961.
- Ferdinand von Schill. Rebell und Patriot. Berlin 1963.
- mit Hubert Mohr (Hrsg.): Einführung in das Studium der Geschichte. Berlin 1966.
Weblinks
Einzelnachweise
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