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Desintegration
Auflösung eines sozialen Zusammenhalts innerhalb einer Gruppe Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Unter Desintegration versteht man die Auflösung eines sozialen Zusammenhalts innerhalb einer Gruppe, die sich bei sozialem Wandel, insbesondere der Modernisierung, ergibt. Von Desintegration können Staaten, Gesellschaften, soziale Schichten oder Gemeinschaften wie etwa Familien betroffen sein. Desintegration führt bei den betroffenen Gruppen und Individuen zu Desorientierung, die nach Wilhelm Heitmeyers Desintegrationstheorien eine wesentliche Ursache der Entstehung von Gewalt ist. Ein bekanntes Beispiel für die Desintegration eines Staates ist der Zerfall der Sowjetunion, der 1991 zur Bildung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten führte.
In seiner Theorie der sozialen Desintegration stellt Heitmeyer die These auf, um Gewalt, Rechtsextremismus und ethnisch-kulturelle Konflikte zu erklären. Die Theorie ist in den Sozialwissenschaften auch als „Bielefelder Desintegrationsansatz“[1] bekannt und bildet die Grundlage für das Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.[2] Desintegration wird als das Versagen gesellschaftlicher Institutionen und Gemeinschaften verstanden, die materielle Existenz, soziale Anerkennung und persönliche Unversehrtheit zu sichern. Der Kern der Theorie ist, dass mit zunehmender negativen Erfahrung und Angst vor Desintegration das Ausmaß und die Intensität von Konflikten zunehmen und die Fähigkeit, sie zu regulieren, abnimmt. Dem Ansatz Heitmeyers, Desintegrationserfahrung als Auslöser für Rechtsextremismus zu betrachten, widersprechen Forscher wie Roland Eckert, Helmut Willems und Stefanie Würtz.
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Literatur
- Rainer Anhut, Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): Bedrohte Stadtgesellschaft. Soziale Desintegrationsprozesse und ethnisch-kulturelle Konfliktkonstellationen. Juventa, Weinheim 2000, ISBN 3-7799-1493-X.
- Klaus Dörre: Prekäre Arbeit und soziale Desintegration. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Jg. 56, Nr. 40–41, 2006, ISSN 0479-611X, S. 7–14 (online).
- Hartmut Häußermann: Desintegration durch Stadtpolitik? In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Jg. 56, Nr. 40–41, 2006, ISSN 0479-611X, S. 14–22 (online).
- Wilhelm Heitmeyer: Das Desintegrations-Theorem. Ein Erklärungsansatz zu fremdenfeindlich motivierter, rechtsextremistischer Gewalt und zur Lähmung gesellschaftlicher Institutionen. In: Ders. (Hrsg.): Das Gewalt-Dilemma. Gesellschaftliche Reaktionen auf fremdenfeindliche Gewalt und Rechtsextremismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-518-11905-2, S. 29–69.
- Claudine Hengstenberg: Die Wahrnehmung sozialer Desintegration als Globalisierungsfolge. Der Einfluss von politischer Kultur, Politik, Medien und emotionaler Kompetenz auf die politische Resonanz der Bürger. 2008, VDM Verlag Dr. Müller, ISBN 9783836461566.
- Peter Imbusch, Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): Integration – Desintegration. Ein Reader zur Ordnungsproblematik moderner Gesellschaften. VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 3-53-115583-0.
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Weblinks
Wiktionary: Desintegration – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
- Christian Kortmann: Die Freiheit, fremd zu sein. Desintegration als kultureller Wert. In: die tageszeitung, 19. August 2006
Einzelnachweise
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