cover image

Barock

Epoche der europäischen Kunstgeschichte / aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als Barock wird eine Epoche der Kunst- und Kulturgeschichte bezeichnet, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts begann, mancherorts – vor allem in Gebieten, die Schauplätze des Dreißigjährigen Kriegs waren – aber auch später. Je nach geografischer Lage (in ländlichen Gebieten wurde länger barock gebaut als in städtischen) dauerte die Ära bis ins letzte Drittel des 18. Jahrhunderts, und es gab verschiedene künstlerische Ausprägungen und Entwicklungen. Innerhalb Europas sind die Unterschiede zwischen Süden und Norden am größten.[1] Eine Unterteilung in drei oder vier Unterepochen ist üblich, deren zeitliche Abgrenzung jedoch nicht eindeutig festgelegt werden kann: Frühbarock (bis ca. 1650), Hochbarock (ca. 1650–1700), Spätbarock (ca. 1700–1730)[2] und Rokoko (ca. 1730–1760/70). Heutzutage werden Spätbarock und Rokoko oft gleichgesetzt, mancherorts – vor allem im süddeutschen Raum, wo sich Rokoko größter Beliebtheit erfreute – wird die Kunst eigenständig bewertet.

Gartenfassade von Schloss Versailles. Es wurde ab 1668 errichtet, eigentlich angebaut, da ein älteres, miteinbezogenes Jagdschloss den Kern der Anlage bildet.
Schloss Schönbrunn: Blick von der Gloriette in Richtung der Residenz. Eigentlich sollte die Anlage von dieser Anhöhe aus bis weit über das bestehende Gebäude hinausreichen.
Die Fontana dei Quattro Fiumi (der Vierströme-Brunnen) vor der Fassade der Kirche Sant’Agnese in Agone in Rom. Bernini schuf ihn 1649 als Mittelpunkt der Piazza Navona.

Vorreiter des Barock war Italien, von wo ausgehend sich die Bewegung – zeitlich und örtlich in verschiedenen Ausprägungen – über Europa und über die Welt verbreitete. Die Kunst des Barock ist feierlich, ausdrucksvoll, bewegt-dynamisch und in Architektur und Innendekoration nach Bauvorhaben und Auftraggeber oft durch große Prachtentfaltung gekennzeichnet. Im Frankreich König Ludwigs XIV. bildete sich im Unterschied zu den meisten anderen Ländern Europas eine gemäßigtere Stilvariante aus, die klassizistischer Barock (classicisme) genannt wird. Der Bau von Schloss Versailles, das eine Art Prototyp für viele nachfolgende Residenzen werden sollte, steht am Anfang dieser Entwicklung. Vor allem die deutschen Fürsten, Herrscher auch noch so kleiner Fürstentümer, waren bestrebt, das Original so genau wie möglich zu kopieren.[3] Aber auch Könige und sogar die Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation orientierten sich in dieser Richtung. Schloss Schönbrunn (damals außerhalb Wiens gelegen) sollte eine mächtige Anlage in mehreren Terrassen werden, aus Geldknappheit entstand dann eine Art Mini-Versailles, so wie es heute noch besteht.

Barock betrifft nicht nur Architektur, Bildhauerei und Malerei, sondern auch Musik, Literatur und Philosophie, die sich ebenfalls je nach Ländern völlig verschieden entwickeln. Wegbereiter auf dem Gebiet der Musik war ebenfalls Italien, in Literatur und Philosophie war Frankreich führend (in der Philosophie von England beeinflusst), wobei der Höhepunkt im 18. Jahrhundert – im siècle des lumières (dem Jahrhundert des Lichts) – erreicht wurde.