Top-Fragen
Zeitleiste
Chat
Kontext
Buer (Melle)
Stadtteil von Melle Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Remove ads
Buer [buːɐ̯] ist ein Stadtteil von Melle im Landkreis Osnabrück, Niedersachsen im östlichen Wiehengebirge mit den Ortsteilen Barkhausen, Buer, Bulsten, Holzhausen, Hustädte, Markendorf, Meesdorf, Sehlingdorf, Tittingdorf, Wehringdorf und Wetter.
Remove ads
Geschichte
Zusammenfassung
Kontext
Während der Völkerwanderungszeit bis um 700 breitete sich im Raum um Melle der heidnische Stamm der Sachsen aus und betrieb Ackerbau. Sie nannten die Gegend Graingau (heute Grönegau).
Von 772 bis nach 800 fanden die Sachsenkriege Karls des Großen statt und in deren Folge die Eingliederung der Sachsen ins Frankenreich und ihre Christianisierung. In diesem Zug wurde von den Franken unter anderem in Melle eine Kirche gegründet und der Wald großflächig gerodet. Auf dem Boden des heutigen Buer sowie an sieben weiteren nahen Siedlungsplätzen entstanden Meierhöfe.
Der Ortsname Buer wird erstmals 1209 urkundlich als Bure erwähnt.[2]
Während des Mittelalters wurde Buer oft zum Spielball geistlicher und weltlicher Fehden sowie Grenzstreitigkeiten. Der Ort entwickelte sich damals im Kern bereits zur Kirchenburg.
Gegen 1550 bekannte sich das Kirchspiel Buer vollständig zur evangelischen Sache und verzeichnete rund fünfzig Jahre später einen deutlichen Bevölkerungszuwachs. Während des Dreißigjährigen Krieges blieben dem Ort militärische Auseinandersetzungen erspart, jedoch musste er oft Militärlager und Requirierungen erdulden. Erst 1671 begann man mit dem Schreiben eines Kirchenbuches.
Buer war bis zu den Napoleonischen Kriegen Sitz einer Vogtei im Amt Grönenberg des Hochstifts Osnabrück. Von 1807 bis 1810 war Buer Sitz des Kantons Buer im napoleonischen Satellitenstaat Königreich Westphalen. Von 1811 bis 1813 gehörte der Ort unmittelbar zu Frankreich und war Sitz der Mairie (Bürgermeisterei) Buer im Arrondissement Osnabrück des Departements der Oberen Ems. 1814 kam Buer zum Königreich Hannover und gehörte dort wieder zum Amt Grönenberg.
Im Zusammenhang mit den ab 1815 verzeichneten weltweiten Missernten bzw. dem Jahr ohne Sommer beginnt eine Auswanderungswelle der Heuerlinge (Tagelöhner) und Kleinbauern in die USA. In diesem Zug machen sich ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Erbbauern und wohlhabendere Bürger Buers nach Amerika auf. Ungefähr 3.600 Menschen verließen bis 1900 ihre alte Heimat.
Ab 1818 wurde der alte Friedhof in der Kirchenburg neben dem Gotteshaus nicht mehr belegt, da ein neuer außerhalb errichtet worden war. 1852 erfolgte der Abbruch der gotischen Kirche. 1855 wurde der neoromanische Neubau geweiht. Von 1820 bis 1973 war Buer der Sitz des evangelischen Superintendenten für die Kreise Melle und Wittlage.
Seit 1852 bestand die Samtgemeinde Buer, die seit 1885 zum Landkreis Melle gehörte. Neben dem Kirchdorf Buer gehörten der Samtgemeinde die Mitgliedsgemeinden Barkhausen, Düingdorf, Eicken, Holzhausen, Hustädte, Markendorf, Meesdorf, Sehlingdorf, Tittingdorf, Wehringdorf und Wetter an.
1866 annektierte Preußen das besiegte Königreich Hannover. Damit wurde Buer bis zur Auflösung des Freistaates Preußen am 25. Februar 1947 durch die Alliierten preußisch.
Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen vom 1. Juli 1972 wurde die Samtgemeinde Buer aufgelöst. Bis auf Düingdorf, das Teil des Meller Stadtteils Bruchmühlen wurde, bildeten die ehemaligen Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde den Stadtteil Buer der Stadt Melle.[3]
Remove ads
Einwohnerentwicklung
Wohnbevölkerung der früheren Gemeinde bzw. des heutigen Ortsteils Buer:
Wohnbevölkerung der früheren Samtgemeinde bzw. des heutigen Stadtteils Buer:
Remove ads
Politik
Der Ortsrat von Buer hat 15 Sitze. Sitzverteilung bei der Kommunalwahl vom 12. September 2021, (SPD 6), (CDU 5), (Grüne 2), (FDP 2).
Ortsbürgermeister ist Wilhelm Hunting (SPD)
Sehenswürdigkeiten
- Kirchhofsburg mit Torbogen
- evangelische St.-Martini-Kirche, neuromanisch, erbaut 1852–1855 nach Plänen des Osnabrücker Stadtbaumeisters Wilhelm Richard (1816–1900), Kirchturm (mit achtteiligem Geläut) wegen seiner schlanken Gestalt „Bleistift“ genannt
- Klimaturm Friedenshöhe
- Wassermühle auf dem Hof Wiechert
- Gerichtslinde auf der Hilgensele, über 500 Jahre alt, hier findet jährlich der traditionelle „Gute Montag“, eine Bürgeraussprache mit dem Gemeinderat, statt.
- Jüdischer Friedhof Buer
- Spritzenhaus „Auf Torf“
- Grüner See
- Roter Pfahl Meesdorf
- Glockenspiel der alten Turmuhrenfabrik Korfhage
- Bueraner „Bleistift“
- Ev. Kirche (aus der Kirchburg von Süd-Ost gesehen)
- Gerichtslinde
- Jüdischer Friedhof
- Ortsbild mit Kirchturm und Verlauf der Durchgangsstraße durch ein historisches Fachwerkgebäude
Remove ads
Vereine
Zusammenfassung
Kontext
Der historisch älteste Verein in Buer ist die Schützengesellschaft Buer von 1550 e. V.
Zur Erhaltung der Bueraner Kirchburg wurde 1987 der Förderkreis Buer e. V. gegründet.
Der Heimat- und Verschönerungsverein Buer e. V. wurde im Jahr 1883 gegründet. Neben der Pflege der Wanderwege und der Unterhaltung des Waldlehrpfad am Steffenweg im Huntetal gehören Vorträge und Ausstellungen im Heimathaus Osnabrücker Tor an der Kirchhofsburg zu den Aktivitäten.
Der Traktoren- und historische Landmaschinen Grönegau-Buer e. V. veranstaltet regelmäßig Ausfahrten und Leistungsvergleiche.
Das Netzwerk Jugendhaus Buer e. V. wurde 2000 gegründet. Vorrangiges Ziel der von Jugendlichen ins Leben gerufenen Initiative ist die Förderung und Realisierung selbst organisierter und offener Jugendarbeit in Buer in Kooperation mit den ortsansässigen Trägern organisierter Jugendarbeit und den Schulen.
Der Sportverein Spiel und Sport 1927 Buer e. V. wurde 1927 gegründet. Er ist der größte Verein im Ort. In über 10 verschiedenen Abteilungen wird Breitensport betrieben. Die vereinseigene Sportanlage am Stuckenberg wird durch zwei öffentliche Rasenplätze und eine Zwei-Feld-Sporthalle ergänzt. Am Sportplatz Grönen Holz befindet sich neben einem Rasenplatz ein vereinseigenes Beachvolleyball-Feld und die Beckerskamp-Sporthalle. Der Verein verfügt zudem über eine Tennisanlage (4 Rotgrand-Plätze) am sogenannten Leimbrocks Holz. Alle Rasenplätze verfügen über Flutlichtbeleuchtungsanlagen.
Remove ads
Wirtschaft
Das einst von Landwirtschaft geprägte Buer wurde früh auch ein Industrie- und Wirtschaftsstandort. Die Landwirtschaft ist als Wirtschaftsfaktor inzwischen fast marginalisiert. Nach Viehzählungen gab es 2007 in Buer mehr Reitpferde als Milchkühe. Im 19. Jahrhundert entstand die Firma Eduard Korfhage & Söhne, die sich auf den Bau von Turmuhren und Glockenspielen spezialisiert hat.[9]
Öffentliche Einrichtungen
Mit der Fritz-Kamping-Haus Buer gGmbH besteht ein evangelisches Altenzentrum, das 1903 gegründet wurde.
Persönlichkeiten
- Friedrich (Fritz) W. Kamping (1857–1922), Besitzer der 1865 gegründeten Fleischwarenfabrik F. W. Kamping
- Karl-Hermann Hensiek (1914–1981), SS-Hauptsturmführer[10], Ziegeleibesitzer[11]
- Ilse Losa (1913–2006), deutsch-portugiesische (jiddische) Schriftstellerin
- Peter Neubäcker (* 1953), Musiker und Erfinder
- Christine Eichel (* 1959), Journalistin
Liste der Gemeindevorsteher/Ortsbürgermeister
- bis 1910: Gemeindevorsteher Heinrich August Weymann
- bis 2001 Ortsbürgermeister Werner Wessler (SPD)
- 2001 bis 2011 Ortsbürgermeister Georg Harms (CDU)
- 2011 bis 2016 Ortsbürgermeister Wilhelm Hunting (SPD)
- seit 2016 Ortsbürgermeister Dieter Finke-Gröne (CDU)
Einwohnerzahlen
- 1821: 1077
- 1900: 1085
- 1939: 1156
- 1950: 2008
- 1961: 1724
- 1969: 1767
- 1970: 1820
- 2007: 5058
- 2011: 5573
- 2017: 4759
Literatur
- Kirchspiel Buer Bilder aus vergangener Zeit. Melle: Heimat- und Verschönerungsverein Melle-Buer 1982.
- Monika Fiegert: Die Schulen von Melle und Buer im Hochstift von Osnabrück vom Westfälischen Frieden bis zur Säkularisierung. Eine Regionalgeschichte des niederen Schulwesens im Prozess der Konfessionalisierung. Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, Osnabrück 1992, ISBN 3-9800335-8-9.
- Burchardt Hahn: Firmengeschichte der Turmuhrenfabrik Ed. Korfhage & Söhne Melle-Buer. In: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie (Hg.): Jahresschrift, ISSN 1617-0113, Jg. 39 (2000), S. 88–96.
- Hartmut Langenberg: Die Entstehung der Höfe und Dörfer im Kirchspiel Buer. Eine kurz gefasste Siedlungsgeschichte der Bauerschaften und des Kirchdorfs. Heimatverein Melle-Buer, Melle-Buer 2010.
- Jürgen Krämer: Das Kirchspiel Buer – Eine kleine Entdeckungsreise in Worten und Bildern. Melle-Buer 2017.
Remove ads
Belege
Weblinks
Wikiwand - on
Seamless Wikipedia browsing. On steroids.
Remove ads