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Mesodinium
Gattung der Wimpertierchen der Familie Mesodiniidae Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Mesodinium (synonym Myrionecta) ist eine Gattung eukaryotischer Einzeller, die dem Stamm der Wimperntierchen angehört.[2][3][4][5] Mesodinium-Spezies (Arten) sind weit verbreitet und kommen reichlich in Meeres- und Brackwasser vor.[6][7]




Die bisher (Stand 2012) beschriebenen Arten von Mesodinium, haben zwar die gleiche grundlegende Ultrastruktur, sie unterscheiden sich aber in Details ihrer sog. „Tentakel“,[A. 1] der Zirren,[A. 2] Details zu den Basalkörpern, der Größe des Zellmunds (Cytostoms) und in anderen Merkmalen. Die augenfälligsten Unterschiede der bisher bekannten Arten bestehen in Bezug auf ihre Chloroplasten: Während Chloroplasten bei einigen Arten ganz fehlen, können andere (erworbene) Chloroplasten unterschiedlicher Färbung temporär oder dauerhaft enthalten. Diese Unterschiede bedingen in der Folge unterschiedliche Ernährungsweisen.[8] Derzeit sind ca. sechs Mesodinium-Arten beschrieben, alle in marinen Umgebungen.[4]
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Ernährungsweise
Zusammenfassung
Kontext
Nach ihrer Ernährungsweise (Trophie) klassifiziert sind dies:
- plastidisch: M. chamaeleon, M. coatsi, M. major und M. rubrum – bei diesen Arten findet man Plastiden (Chloroplasten), in denen Photosynthese (Photoassimilation) stattfindet,
- heterotroph: M. pulex und M. pupula – diese Arten leben rein räuberisch.
Eine nicht einfach zu klärende Frage ist, ob sich die plastidischen Mesodinium-Arten phototroph ernähren (mit eigenen Dauerplastiden) oder mixotroph (mit temporären Kleptoplastiden, die immer wieder auf räuberische Weise ersetzt werden müssen).[9][10] Unter den plastidischen Arten besitzen die Wildtypen von M. major und M. rubrum rote Plastiden, die denen der Cryptophyceen-Gattungen Teleaulax, Plagioselmis und Geminigera (Geminigera/Plagioselmis/Teleaulax-Komplex, Familie Geminigeraceae) entsprechen.[11][12][13] M. rubrum enthält tatsächlich funktionelle Chloroplasten, die von Cryptophyceen-Arten der Gattungen Teleaulax und Geminigera stammen (Kleptoplastidie).[14] Die Wildpopulationen von M. chamaeleon und M. coatsi enthalten dagegen normalerweise grüne Plastiden.[15][8][16] Die Verfügbarkeit geeigneter Cryptophyceen-Beute ist eine wichtige Voraussetzung für die Bildung von Algenblüten durch die plastidischen Mesodinium-Arten.[1]
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Ökologie
Die am häufigsten vorkommende Mesodinium-Art, M. rubrum (alias Myrionecta rubra), verursacht in vielen Küstenökosystemen „Rote Tiden“ genannte Algenblüten. Obwohl M. rubrum als ungiftige Art gilt,[17] können Blüten dieses Wimpertierchens für die Aquakulturindustrie potenziell schädlich sein.[18][19][1] M. rubrum betreibt Photosynthese, indem es den Zellkern seiner Cryptophyceen-Beute abtrennt, um „gestohlenen“ Plastiden und andere Organellen zu behalten und für sich zu nutzen.[20] Auf diese Weise spielt die Gattung Mesodinium eine wichtige Rolle, indem sie die eine Verbindung herstellt zwischen der Cryptophyceen-Beute und verschiedenen Räubern im aquatischen mikrobiellen Nahrungsnetz, wie beispielsweise Dinoflagellaten der Gattung Dinophysis. So ist etwa M. rubrum die Quelle der Plastiden verschiedener Dinophysis-Arten, die daher letztlich von den Cryptophyceen stammende Kleptoplastiden sind. So wurde zum Beispiel häufig beobachtet, dass hohe Dichten von Dinophysis-Arten vor oder gleichzeitig mit hohen Dichten von M. rubrum auftreten.[21][22][23][24][1]
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Arten
Zusammenfassung
Kontext
Die Gattung Mesodinium Stein, 1862 (syn. Myrionecta) besteht aus folgenden Arten (A: AlgaeBase[3], N: NCBI[2], W: WoRMS[4], μ: SMHI – Nordic Microalgae and aquatic protozoa.[5], Stand: 12. Dezember 2021):
- Mesodinium acarus Stein, 1862[N,W] – alias Acarella siro Cohn, 1866 (nicht zu verwechseln mit Acarella siro Warberg, Wisby)[25][26]
- Mesodinium annulatum Nam et al., 2024[27]
- Mesodinium chamaeleon Moestrup, Garcia-Cuetos, Hansen & Fenchel, 2012[N,W][8][28][15]
- Mesodinium cinctum Calkins, 1902[W]
- Mesodinium coatsi Van As, Basson & Van As, 1998 – inkl. Mesodinium sp. SWN-2014[N][16]
- Mesodinium fimbriatum A.Stokes, 1885[A]
- Mesodinium major[1] – unter diesem Namen finden sich Nennungen mit unterschiedlicher Autorenschaft:
- Mesodinium pulex[15][29][30] – auch unter diesem Namen finden sich Nennungen mit unterschiedlicher Autorenschaft:
- M. pulex Claparède & Lachmann, 1858[W] bzw. (Claparède & Lachmann, 1859), Stein, 1867[31] bzw. Clap. & Lachm., 1858[32]
- M. pulex H.Tamar 1986[A] – da jedoch H. Tamar (1986) durch H. Tamar (1992) – mit Bezug auf den ersten Eintrag – ersetzt wird, ist dieser Eintrag obsolet. Damit können auch die folgenden Stämme, Isolate und Sequenzen aus NCBI dem ersten Eintrag zugeordnet werden:
- M. pulex isolate LWW08010306 Zhang, Gao et al. 2009[N][33]
- M. pulex strain HHJ Garcia-Cuetos et al. 2011[N][34]
- M. pulex Struder-Kypke et al. 2006[N][35]
- M. pulex strain QD-I Li & Song 2006[N][36]
- M. pulex clone MPCR99 Johnson 2004[N][37]
- Mesodinium pupula Kahl, 1933[N,W][15]
- Mesodinium rubrum (Lohmann, 1908) bzw. (Lohmann) Leegard 1908 bzw. Leegaard, 1915[15][18][10][6][17][19][21][1][9] (Purpurrotes Wimperntierchen)[38] – alias Myrionecta rubra Lohmann, 1908[A,N,W,μ][15][12][20][11][7][39] – inkl. Mesodinium rubrum CCMP2563 alias Myrionecta rubra CCMP2563[N]
- Mesodinium velox H.Tamar 1986[A]
- Mesodinium sp. MR-MAL01[N] – vorgeschlagene Art mit vorläufiger Bezeichnung
- Mesodinium sp. WWS-2009a[N] – vorgeschlagene Art mit vorläufiger Bezeichnung
Eine Typusart ist nicht festgelegt.[40] Nach World Register of Marine Species (WoRMS), übernommen vom National Center for Biotechnology Information (NCBI), ist die erste beschrieben Art Mesodinium acarus Stein, 1862; die am häufigsten vorkommende und am besten beschriebene Art ist jedoch M. rubrum (s. o.).
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Siehe auch
Anmerkungen
- Zirren sind borstenartig miteinander verbundene Wimpern bei Wimpertierchen.
Literatur
- María García-Portela, Beatriz Reguera, Manoella Sibat, Andreas Altenburger, Francisco Rodríguez, Philipp Hess: Metabolomic Profiles of Dinophysis acuminata and Dinophysis acuta Using Non-Targeted High-Resolution Mass Spectrometry: Effect of Nutritional Status and Prey. In: MDPI: Marine Drugs, Band 16, Nr. 5, 26. April 2018, S. 143; doi:10.3390/md16050143 (englisch). Siehe insbes. Phylogenie in Fig. 1.
- NIES: Mesodinium Stein, 1862. The World of Protozoa, Rotifera, Nematoda and Oligochaeta (nies.go.jp).
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Einzelnachweise
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