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Jedermann bei den Salzburger Festspielen

Jedermann-Aufführungen der Salzburger Festspiele auf dem Domplatz seit 1920 und ihre Besetzungen Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Jedermann bei den Salzburger Festspielen
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Die Jedermann-Aufführungen der Salzburger Festspiele auf dem Domplatz seit 1920 und ihre Besetzungen reflektieren die deutschsprachige Theaterlandschaft und Filmszene. Eine Vielzahl namhafter Schauspieler ist im Salzburger Jedermann aufgetreten, oft auch in kleineren Rollen.

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Die Buhlschaft, Brigitte Hobmeier
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Jedermann und der Tod, Cornelius Obonya und Peter Lohmeyer
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Der Teufel, Simon Schwarz
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Jedermann und Guter Gesell, Philipp Hochmair und Christoph Luser
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Jedermann und Buhlschaft

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Neben dem Iffland-Ring gilt die Hauptrolle im Jedermann als größte Auszeichnung für einen Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Sie wird zumeist mit routinierten Theaterschauspielern besetzt, die sich in klassischen Rollen bewährt haben. Die Rolle der Buhlschaft – mit sehr wenig Text, aber maximaler Sichtbarkeit – hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte als Barometer für das jeweils aktuelle weibliche Schönheitsideal herauskristallisiert. Häufig fällt die Wahl auf populäre Fernseh- und Filmstars, wie Nadja Tiller, Christiane Hörbiger, Nicole Heesters, Senta Berger, Marthe Keller, Sophie Rois oder Veronica Ferres.

Während in der Zeit Max Reinhardts drei Jedermänner nur zwei Buhlschaften gegenüberstanden, wechselten in der Nachkriegszeit die Buhlschaften häufig, während die Darsteller des Jedermanns längere Jahre spielten: Walther Reyer durfte in acht Spielzeiten sechs verschiedene Buhlschaften umarmen. Einige Jedermann-Darsteller sind vor bzw. nach Übernahme der Hauptrolle auch in kleineren Rollen aufgetreten. Die Geschichte des Salzburger Jedermanns ist auch eine Geschichte der Brüche und der Kontinuitäten. Beispielsweise war Paul Hartmann 1927 als Guter Gesell, 1928 und 1930 als Stimme des Herrn besetzt, 1932 bis 1934 übernahm er die Titelrolle, 1935 wurde er an Görings Preußisches Staatstheater in Berlin engagiert, von 1942 bis 1945 war er Präsident der NS-Reichstheaterkammer und 1963 war er neuerlich als Stimme des Herrn am Salzburger Domplatz zu hören. In der Haeusserman-Produktion von 1973 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle spielten drei frühere Jedermänner – Walther Reyer den Guten Gesellen, Will Quadflieg den Tod und Ewald Balser die Stimme des Herrn. Von 1978 bis 1982 übernahm der frühere Jedermann Ernst Schröder die Rolle des Mammon. Helmut Lohner war sieben Jahre lang der Teufel und einen Sommer lang der Tod, bevor ihm 1990 die Hauptrolle übertragen wurde.

Auch einige Buhlschaften kehrten Jahrzehnte später – als Jedermanns Mutter – nach Salzburg zurück: Dagny Servaes (1960), Heidemarie Hatheyer (1978 bis 1982), Lola Müthel (1995 bis 1998) und Elisabeth Trissenaar (2007 bis 2009). Eine weitere frühere Buhlschaft – Sunnyi Melles – verkörperte 2002 den Glauben.

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Besetzung der kleineren Rollen

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Derzeit finden alljährlich 14 Aufführungen statt, zumeist ausverkauft. Mit einer alljährlichen Besucherzahl von über 30.000 Besuchern und der Aufmerksamkeit der überregionalen Presse stellt der Salzburger Jedermann ein attraktives Podium für Schauspieler dar, auch für die kleineren Rollen. Ein Auftritt im Jedermann ist nicht zuletzt auch deshalb bei den Schauspielern begehrt, weil selbst die Nebenrollen markant ausgeprägt sind und virtuose Darstellungen ermöglichen. Insbesondere Teufel und Tod, Dicker und Dünner Vetter, Mammon, Jedermanns Mutter, die Guten Werke und der Glaube erfreuen sich hoher Beliebtheit.

1920 und 1921 verkörperte Helene Thimig, die spätere Ehefrau Max Reinhardts, die Guten Werke, von 1928 bis 1965 war sie – mit Unterbrechungen – als Glaube in Salzburg zu sehen. Auch Sonja Sutter wechselte von den Guten Werken zum Glauben.

Zu den vielseitigsten männlichen Darstellern zählt Karl Blühm, der 1949 den Teufel, zwischen 1950 und 1960 die Stimme des Herrn, von 1961 bis 1965 den Schuldknecht, von 1971 bis 1978 den Hausvogt, einmalig 1972 den Tod und danach den Knecht verkörperte.

Auch die Übernahme von zwei Rollen am selben Abend erfolgte fallweise: Werner Krauß spielte 1920 und 1921 Tod und Teufel, ebenso Louis Rainer von 1929 bis 1934. Raul Lange spielte zwischen 1920 und 1937 oft am selben Abend die Stimme des Herrn und den Mammon. In der Stückl-Inszenierung spielte der Gute Gesell auch jeweils den Teufel, und die Stimme des Herrn verkörperte auch den Armen Nachbarn. In der Mertes/Crouch-Inszenierung übernahmen Dicker und Dünner Vetter auch die Funktion des Spielansagers.

Erstmals rufen 2023 auch Frauen von den umliegenden Gebäuden „Je–der–mann“. Die drei lautstarken Ruferinnen Renata Gottschalk, Irmtraud Költringer und Johanna Wienerroither kommen aus unterschiedlichen Berufen. Den Einsatz erhalten die Rufer heutzutage per Smartphone, während in frühen Zeiten mit einem hellen Tuch händisch signalgewunken wurde.[1]

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Erläuterungen zu den Tabellen

Im Jahr ihres ersten Auftretens in einer Jedermann-Rolle sind die Namen der Schauspieler blau gefärbt, somit verlinkt. Beim Klicken auf den Namen erscheint die Biographie des Schauspielers. Wird der Name in rot angezeigt, bedeutet dies, dass noch keine Biographie in der Wikipedia besteht. – Erstreckt sich ein Feld über mehrere Jahre, so bedeutet dies, dass die Besetzung im entsprechenden Zeitraum unverändert blieb. So spielte Alexander Moissi in den Jahren 1920 und 1921, sowie erneut von 1926 bis 1933 die Hauptrolle. – Sind in der Titelzeile drei Rollen vermerkt, so folgen in der Jahresspalte drei Schauspieler. So spielten 1920 und 1921 Frieda Richard die Mutter, Helene Thimig die Guten Werke und Hedwig Bleibtreu den Glauben.

1920 bis 1937: Inszenierung Max Reinhardts

Weitere Informationen Jahr, Buhlschaft ...
  • Der Koch wurde verkörpert von Wilhelm Frick (1920), Hugo Schaffer (1921, 1926–1930), Josef Gessler (1931), Georg Siegel (1932), Harry Horner (1933–1937), Hans Herbert (1936).
  • Weiters spielten den Jedermann: Raul Lange (am 28. August 1932); Spielansager: Alfred Schnayder (bereits 1936); Jedermanns guten Gesellen: Alexander Stillmark (1929, 1930), Karl Burgstaller (1932–1936); die Stimme des Herrn: Josef Danegger (auch 1930 bis 1933), Paul Hartmann (auch 1930); den Tod: Raul Lange (1930, 1931 und 1934); den Teufel: Louis Rainer (bereits 1926), Theodor Danegger (1930, 1931 und 1934); die Guten Werke: Lili Darvas (auch noch 1930), Mimi Jonstorff (1930); den Glauben: Anny Hoheneck (1926), Helene Thimig (bereits 1927), Ruth Trumpp (1927, 1929), Franziska Kinz (1929), Hanni Hoessrich (1931), Hedwig Pistorius (1934).
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1938 bis 1945

Während der NS-Zeit in Österreich untersagte Propagandaminister Joseph Goebbels die Jedermann-Aufführungen. Es wurde ein Ersatzstück für den Domplatz gesucht, allerdings nicht gefunden. Nach dem Untergang des NS-Regimes im Mai 1945 stand nicht genügend Vorbereitungszeit zur Verfügung, um bereits bei den Festspielen des Sommers 1945 den Jedermann wieder auf dem Domplatz aufzuführen. 1946 gelang es den Veranstaltern, die Institution wieder zu beleben.

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1946 bis 1968: In der Tradition Reinhardts

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Weitere Informationen Jahr, Buhlschaft ...

Den Koch verkörperte: 1952 bis 1959 Mario Haindorff, 1957, sowie 1961 bis 1965 Viktor Braun, 1960 Hans Schellbach. Einen Knecht spielte: 1960 Franz Wettig.

Weiters spielten den Spielansager: Alfred Schnayder (bereits 1936); Jedermanns guten Gesellen: Alexander Stillmark (1929, 1930), Karl Burgstaller (1932–1936); die Stimme des Herrn: Josef Danegger (auch 1930 bis 1933), Paul Hartmann (auch 1930); den Tod: Raul Lange (1930, 1931 und 1934); den Teufel: Louis Rainer (bereits 1926), Theodor Danegger (1930, 1931 und 1934); die Guten Werke: Lili Darvas (auch noch 1930), Mimi Jonstorff (1930); den Glauben: Anny Hoheneck (1926), Helene Thimig (bereits 1927), Ruth Trumpp (1927, 1929), Franziska Kinz (1929), Hanni Hoessrich (1931), Hedwig Pistorius (1934).

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1969 bis 1972: Inszenierung Leopold Lindtbergs

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Ende der 1960er schienen die moralisierende Aspekte des Stückes – vor allem die schnelle Vergebung der Sünden des kapitalistischen Lebemannes – nicht mehr zeitgemäß. Stimmen mehrten sich, den Jedermann überhaupt abzusetzen. Konzession der Festspiele an den Zeitgeist war eine neue, entschlackte Inszenierung Leopold Lindtbergs, die freilich den restaurativen Publikumsgeschmack nicht befriedigte und nur vier Sommer lang zu sehen war.

Weitere Informationen Jahr, Buhlschaft ...
  • Leading Team: Rudolf Heinrich (Bühne und Kostüme), Dick Price (Choreografie), Paul Angerer (Musik).
  • Musik: Salzburger Rundfunk- und Mozarteumchor und Mozarteumorchester unter Leitung von Ernst Hinreiner, Oskar Peter (Orgel).
  • Weitere Rollen: Der Knecht war durchgehend Tom Krinzinger, der Koch Friedemann Held.

Weiters spielten: den Tod auch Karl Blühm (1972); Jedermanns Mutter auch Alma Seidler (1972), den Hausvogt auch Adalbert Jezel (1972).

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1973 bis 1989: Inszenierung Ernst Haeussermans

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Wiederum ganz in die Tradition von Reinhardts Ursprungsinszenierung stellte Ernst Haeusserman den Jedermann in seiner Neufassung von 1973, ausgestattet mit üppigen Kostümen von Veniero Colasanti und John Moore. Haeusserman legte hohen Wert auf prominente Besetzungen (all stars cast), engagierte die Film- und Fernsehstars Curd Jürgens, Maximilian Schell und Klaus Maria Brandauer für die Titelrolle, Nicole Heesters, Senta Berger und Marthe Keller als Buhlschaft. Es gelang ihm auch, vier ehemalige Jedermänner für Nebenrollen zu verpflichten: Ewald Balser als Stimme des Herrn, Will Quadflieg als Tod, Walther Reyer als Guten Gesellen und Ernst Schröder als Mammon. Der spätere Jedermann Helmuth Lohner spielte in Haeussermans Inszenierung von 1983 bis 1987 den Teufel und 1989 den Tod. Auch die anderen Nebenrollen waren luxuriös besetzt – etwa Jedermanns Mutter mit Vilma Degischer, Adrienne Gessner, Heidemarie Hatheyer und zuletzt mit Haeusermans Ehefrau Susi Nicoletti, der Glaube mit Agnes Fink, Joana Maria Gorvin und Marianne Nentwich, der Tod mit Klaus-Jürgen Wussow, Rolf Boysen, Romuald Pekny, Michael Degen, Kurt Heintel und Otto Sander, der Teufel mit Martin Benrath, Otto Schenk und Walter Schmidinger.

Als sich 1973 herausstellte, dass die rauchige Stimme Jürgens’ nicht tragfähig genug für den Domplatz war, wurde im Folgejahr Mikrofonverstärkung eingeführt, die seither zum Standard der Salzburger Jedermann-Aufführungen gehört. Diese Innovation, wiewohl von Teilen der Presse und des Publikums heftig bekrittelt, hat zu einer erheblichen stilistischen Veränderung geführt: Die Schauspieler müssen nunmehr nicht mit voller Stimmkraft den Text hinausrufen, sondern können intimere Passagen auch im Kammerton sprechen und sind trotzdem am gesamten Platz gut vernehmbar. Auch konnten nun mehr Filmdarsteller ohne klassische Stimmbildung verpflichtet werden.

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Den Knecht verkörperte 1973 Heribert Aichinger, 1982 Karl Blühm, 1982 Friedemann Held

Den Spielansager verkörperte bereits 1973 Heinz Ehrenfreund (alternierend mit Michael Heltau).

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1990 bis 2001: Inszenierung Gernot Friedels

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Gernot Friedel bewahrte in seiner Inszenierung das Konzept und die Textfassung Haeussermans. Neu an der Bühne waren nur zwei Versenkungen für Mammon und Teufel.

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2002 bis 2012: Inszenierung Christian Stückls

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Der Koch war 2002 Georg Reiter, 2003 und 2004 Maximilian Simonischek, 2005 bis 2009 Olaf Weissenberg, 2010 bis 2012 Robert Reinagl; der Knecht 2002 bis 2005 Gerald Koblinger, 2006 Florian Denk, 2007 und 2008 Dennis Junge, 2009 bis 2012 David Supper. Den Hausvogt spielte auch: 2002 Kilian Engels, den Dicken Vetter: 2002 Christian Stückl,

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2013 bis 2016: Inszenierung Brian Mertes und Julian Crouch

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Jedermann und der Tod
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Hobmeier als Buhlschaft
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Quelle: Hannoversche Allgemeine: „Ein schöner Tod“[2]

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2017 bis 2023: Inszenierung Michael Sturminger

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Die Premiere 2023 wurde von Zwischenrufen von Aktivisten der Letzte Generation unterbrochen, Zuschauern war der Austria Presse Agentur zufolge anfangs nicht klar, ob es sich um eine Störaktion oder um einen Teil der Inszenierung handelte.[13]

2024 bis 2025: Inszenierung Robert Carsen

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Jedermann und Buhlschaft, 2024
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Jedermann Philipp Hochmair und Guter Gesell Christoph Luser, 2024
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  • Leading Team: Bühne und Kostüme: Robert Carsen und Luis F. Carvalho. Kostüme: Luis F. Carvalho. Licht: Robert Carsen und Giuseppe di Iorio. Choreografie: Rebecca Howell[14][17]

Im Rahmen der Verleihung des Nestroy-Theaterpreises 2024 wurde Christoph Luser in der Kategorie Beste Nebenrolle für seine Darstellung des Guten Gesells und Teufels ausgezeichnet.[18]

Am 24. August fand die 800. Aufführung des Jedermann bei den Salzburger Festspielen statt.[19]

Literatur

  • Max Reinhardt: Regiebuch zu Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“. Band I: Faksimile. Hg. vom Salzburger Festspielfonds. Band II: Edition & Kommentare. Hg. von Harald Gschwandtner, Evelyn Annuß, Edda Fuhrich und Norbert Christian Wolf. Hollitzer Verlag, Wien 2020, ISBN 978-3-99012-622-6.

Siehe auch

Commons: Jedermann bei den Salzburger Festspielen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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