Limes (Grenzwall)

militärische Grenzsicherungssysteme in Europa, Vorderasien und Nordafrika / aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Limes (lateinisch ursprünglich „Querweg“, „Schneise“, vor allem „Grenzweg“ im Zusammenhang mit der Einteilung eines Raumes oder der Erschließung eines Geländes, später allgemein „Grenze“;[1] Plural limites) bezeichnet die vom Römischen Reich (Imperium Romanum) vom 1. bis 6. Jahrhundert n. Chr. angelegten Grenzwälle oder militärischen Grenzsicherungssysteme in Europa, Vorderasien und Nordafrika. Es wird auch für spätere vergleichbare Grenzziehungen (Limes Saxoniae) oder Überwachungsanlagen an Reichsgrenzen verwendet. Der Begriff leitet sich ursprünglich von den lateinischen Wörtern limus „quer“ und limen „Türschwelle“ ab. Anfänglich verstanden die Römer unter diesem Begriff nur ein Feld oder einen Acker, die mit Grenzsteinen (termini), Holzpfosten oder durch klar erkennbare Landmarken (Bäume, Flüsse) begrenzt wurden. Ab der Zeit Gaius Iulius Caesars wurden Heerwege mit befestigten Wachtposten und Marschlagern auf einer Waldschneise (siehe auch weiter unten) oder rasch angelegten Straßen im Feindesland als Limes bezeichnet. Er entwickelte sich im Laufe der Zeit von einer Marsch- und Patrouillenlinie zu einem Annäherungshindernis mit Kontrollfunktionen.

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Römische Limites im 2. Jahrhundert n. Chr.
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Die Legionsstandorte um 125 n. Chr.
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Deutsche Sonderbriefmarke „UNESCO-Weltkulturerbe Limes“ (2007)
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Münzbild Hadrians, unter seiner Herrschaft nahm der Limes seine endgültige Gestalt an
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Entwicklungsphasen des römischen Limes an den nördlichen Grenzen
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Limes in Britannien: Rekonstruktion der Hadriansmauer in Wallsend, Blick aus SO
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Diorama des Wallkastells von Housesteads, Zustand im 2. Jahrhundert n. Chr.
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Niedergermanischer Limes: Modell des römischen Legionslagers Bonn
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Obergermanischer Limes: Modell des Legionslagers Argentoratum (4. Jahrhundert n. Chr.)
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Limes in Germanien: rekonstruierte Palisade und Graben in der Nähe der Saalburg
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Limes in Germanien: Palisade und Wachturm beim Kastell Zugmantel
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Obergermanischer Limes: rekonstruierter Wachturm im Taunus (D)
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Rätischer Limes: Ein 2008 auf Grundlage der Arbeiten von Dietwulf Baatz rekonstruierter Holzwachturm
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Rätischer Limes: Modell des Kastells Ruffenhofen
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Rätischer Limes: digitaler Rekonstruktionsversuch des Reiterkastells Aalen
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Rätischer Limes: Rekonstruktionsversuch des frühen Holz-Erde-Kastells von Quintanis (Künzing, D): 1.Kasernen (Contubernia), 2. Kommandogebäude (Principia), 3. Haus des Lagerkommandanten (Praetorium), 4. Lagerhaus (Horreum), 5.Pferdeställe (Stabulum), 6.Lagerlazarett (Valetudinarium)
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Rätischer Limes: Südansicht des Limestores von Dalkingen im Jahre 2009, links und rechts von der Durchfahrt ein sog. „Opus reticulatum“-Mauerwerk
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Rätischer Limes: Die rätische Mauer bei WP 14/77, dessen Überreste im Vordergrund zu sehen sind
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Rätischer Limes: Kastell Pfünz in Bayern. Rekonstruktionsversuch des Haupttores, der Porta praetoria, nach Vorstellung von Fischer (2008) und Angaben aus Johnson/Baatz (1987)
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Norischer Limes: Rekonstruktionsversuch des Nordtores von Kastell Favianis nach den Befunden von 1996 bis 1997 (Variante B)
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Limes in der Slowakei: Rekonstruktionsversuch des Kastells Iža-Leányvár, Zustand im 4. Jahrhundert n. Chr.
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Triumphrelief des Sassaniden Schapur I. bei Naqsh-i Rustam: Vor dem Perserkönig (zu Pferd) kniet der Kaiser Philippus Arabs; Kaiser Valerian steht neben Schapur, der ihn zum Zeichen der Gefangenschaft am Arm gepackt hat.
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Der Augsburger Siegesaltar, eine Weihung an die Göttin Victoria, der anlässlich eines römischen Sieges über eine Beutegemeinschaft der Juthungen nahe der rätischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum aufgestellt wurde.
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Obergermanischer Limes: Rekonstruktion der aus dem Rhein geborgenen Barbarenbeute von Neupotz
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DIR-Limes: Befundplan der Grabungen im spätantiken Kastell Arbon (CH)
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Norischer Limes: Rekonstruktionsmodell des spätrömischen Quadriburgus von Oberranna (A)
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Norischer Limes: Rekonstruktionsversuch eines spätantiken Hufeisenturmes (Mautern an der Donau)
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Pannonischer Limes: konservierte Überreste des Burgus von Rusovce/Gerulata, Slowakei
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Pannonischer Limes: Rekonstruktionsversuch des spätantiken Kastells Contra Aquincum, Ansicht aus Süd-Ost
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Pannonischer Limes: Das spätantike Donaukastell Visegrád-Sibrik
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Reste eines spätrömischen Wehrturms in Konstanz (Grabungszustand 2004)
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Rätischer Limes: Kastell Eining, Modell der spätantiken Reduktion in der Nordwestecke des Kastells
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Limes in Germanien: Kastell Miltenberg (Altstadt)
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Die Kastelle unter dem Kommando des Dux Raetiae; Darstellung aus einer mittelalterlichen Abschrift der Notitia dignitatum
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Niedergermanischer Limes: Modell des Kleinkastells Ockenburgh, 150–180 n. Chr.
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Britannischer Limes: Rekonstruktionsversuch des Holz-Torf-Kastells Swarthy Hill an der Küste von Cumbria im 2. Jahrhundert
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Schlacht zwischen Römern und Germanen, Marmorrelief auf dem Ludivisi-Sarkophag, der Reiter in Feldherrenpose am oberen Rand stellt vermutlich Kaiser Hostilian dar (251/252)

Wo keine natürlichen Grenzmarkierungen wie Flüsse oder Gebirge vorhanden waren, kennzeichneten die Römer ihre Reichsgrenzen durch limites. Diese wiesen unterschiedliche Ausprägungen auf, sie waren abhängig von den natürlichen Gegebenheiten, der Siedlungsdichte und der Bedrohungslage vor Ort. Sie alle wurden von römischen Truppen überwacht. In Nordafrika und im Osten bildeten dabei mehr oder weniger lockere Ketten von Kastellen und Wachtürmen den Limes. An Rhein, Donau, Euphrat und Tigris markierten die Wasserläufe dieser Flüsse die Grenze. Dieser Limes wird heute auch als Flusslimes oder Nasser Limes bezeichnet, die Römer selbst sprachen von einer ripa (lateinisch für „Ufer“). Ein Abschnitt des rätischen Limes in seiner letzten Ausbaustufe und der britannische Hadrianswall bestanden sogar aus durchgehenden und mit Wachtürmen versehenen Steinmauern anstatt hölzerner Palisaden wie in Obergermanien und Raetien. In der Spätantike gaben die Römer diese geschlossenen Wall- und Palisadenanlagen dann in der Regel aber auf und gingen dazu über, die Limites durch Kastelle unterschiedlicher Größe zu sichern, wie es in einigen anderen Grenzabschnitten von Anfang an üblich war.

Bei der Anlage ihrer Grenzen verfolgten die Römer keine reichsweite Gesamtstrategie, die über Jahrhunderte hin nachvollziehbar wäre; damit entstand im Lauf der Jahrhunderte ein vielgestaltiges Konglomerat aus festen, zum Teil aber auch sehr offenen Grenzen. Die römischen Grenzanlagen waren nicht primär zur Abwehr von Angriffen gedacht und dazu auch meist nicht geeignet. Viele der heute bekannten römischen Grenzabschnitte waren gegen groß angelegte Plünderungszüge nicht zu verteidigen, da ihre Garnisonen entlang einer Linie aufgereiht waren, die selbst eine kleine, entschlossene Kampftruppe mühelos hätte durchbrechen können. Die Römer wandten daher die sogenannte Invasionsverteidigung an: Präsenz großer, stets kampfbereiter Einheiten an strategischen Punkten mit der Fähigkeit, Eindringlinge mit rasch zusammengezogenen Interventionstruppen zu bekämpfen. Sie sollten primär die Kontrolle bzw. Kanalisierung des täglichen Waren- und Personenverkehrs (Präklusivität) und eine schnelle Nachrichtenübermittlung zwischen den Wachposten gewährleisten. Der Limes war nicht nur eine militärische Markierung, sondern vor allem die Grenze des römischen Wirtschaftsgebietes. Neben der Funktion als militärisches „Frühwarnsystem“ dienten die limites als Zollgrenzen und ihre Grenzübergänge als „Marktplätze“ für den Außenhandel mit dem Barbaricum. Die Grenzanlagen prägten in ihrer fast fünfhundertjährigen Geschichte zahlreiche Kulturlandschaften und bildeten die Keimzellen vieler bedeutender Städte. Die bekanntesten Limites sind der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland, mit 550 km das längste Bodendenkmal Europas, der norische Limes in Österreich und der Hadrianswall in Großbritannien.

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